Muss im Garten alles sturmfest verräumt werden? Kann man mit dem Fahrrad ins Büro radeln? Wer eine Wetter-App nutzt oder sich etwa auf wetter-online über das regionale Wetter informiert, greift nicht nur auf ferne Satellitendaten zu. Im Norden Mühldorfs liegt zwischen Bauernhöfen und dem Flughafen Mößling etwas abseits der A 94 auf einer 700 Qua-dratmeter großen Wiese
eine von bundesweit 179 Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). So eine Station muss in ihrer Lage und ihrer Ausstattung sehr genauen Vorschriften genügen, um standardisierte Messwerte zu liefern, die weltweit vergleichbar sind. Die Bodenstationen melden zum Beispiel Temperaturen auf Zehntel Grad Celsius genau und sind damit viel präziser als die Fernmessungen der Wettersatelliten.
Als der DWD 1952 bundesweit ein engmaschiges Netz an Wetterstationen aufbaute, fügte sich Mühldorf perfekt ins Raster. Neben Sta-
tionen in Regensburg, München und dem Wendelstein wurde am östlichen Stadtrand im Eichfeld, das damals noch außerhalb der Stadtmitte lag, eine Station errichtet. Als Kind kam Gerhard Wimmer hier immer auf dem Weg zum Bolzplatz vorbei, ließ sich von den Wetterdiensttechnikern deren Arbeit erklären und beschloss, professioneller Wetterbeobachter zu werden. Als im Sommer 1988 die Station wegen des Baus einer Siedlung an den Flugplatz umzog, war er schon über 20 Jahre im Dienst.
Blick in die Glaskugel
„Anfangs wurden alle Messungen manuell durchgeführt“, erzählt der mittlerweile pensionierte Wetterexperte. „Mit Umzug an den Flugplatz wurden die meisten meteorologischen Parameter elektrisch erfasst wie etwa Temperatur, Luftdruck, Wind und Niederschlag“, erinnert sich der Wettermann.
Heute misst zum Beispiel ein Gerät in sechs Metern Höhe die globale Strahlung. Früher erfolgte die Messung mithilfe eines Campbell-Stokes, einem Sonnenscheinautografen. „Die Glaskugel ist zur Sonne gerichtet, eine Linse bündelt das Licht und hinterlässt eine Brennspur auf einem Papierstreifen“, erklärt Wimmer. Der Blick in die Kugel ist eben nicht immer reine Prophezeiung. Ein weiteres Messgerät misst die Lufttrübung und rechnet die Sichtweite hoch. Wimmer las noch aus Sichtmarken im Gelände wie etwa dem Fernsehturm Schnaitsee heraus, wie gut die Sicht ist.
Ein Dynamo an einem Masten erfasst die Windgeschwindigkeit: „Es ist ein einfaches System, das man früher auch schon genutzt hat. Ein Dynamo erzeugt Strom, der wird umgerechnet in Windgeschwindigkeit“, erklärt Wimmer. Das ist nicht nur für Sturmwarnungen wichtig: Erst ab Windstärke acht werden Sturmschäden durch Versicherungen übernommen.
Elektrische Fühler in einem Bodenmessfeld erfassen die Bodenwärme. „In einem Meter Tiefe ist die Temperatur im September am wärmsten, im März/April ist sie am kältesten.“ Der Niederschlagsmesser, dessen Gefäß früher manuell alle sechs Stunden ausgeleert werden musste, besitzt heute eine automatische Waage, deren Schale bei 0,1 Liter kippt und die Anzahl der Kontakte zählt. Ein Niederschlagsgeber misst die Art des Niederschlags: Hagel, Graupel, Schnee oder Regen anhand der Partikelgröße.
Im Jahr 2008 wurde die Station voll automatisiert, sprich auf „Betrieb ohne Personal“ umgestellt und Wimmer ging bald darauf in Rente. Aber noch heute wirft er jeden Morgen einen Blick auf wetter-online: Als Hobbygärtner ist er seinem Garten verpflichtet.