Die Corona-Krise stellt sämtliche Wirtschaftsbereiche vor Herausforderungen. Dies gilt auch für die Logistik, den mit rund 3,2 Millionen Beschäftigten und
geschätzten 279 Milliarden Euro Umsatz in 2019 drittgrößten Wirtschaftsbereich Deutschlands. Aufgrund ihrer branchenübergreifenden Schnittstellenfunktionen sowie durch ihre systemrelevante Bedeutung sind Logistikdienstleister sehr stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen. Gleichzeitig beweisen Logistiker jeden Tag hohe Flexibilität, um die reibungslose Versorgung der Bevölkerung und Wirtschaft sicherzustellen.
Neben der Sicherstellung des Schutzes ihrer eigenen Mitarbeiter müssen Logistikdienstleister wirksame Antworten auf eine zum Teil extrem volatile Auftragslage finden, die gerade für viele klein- und mittelständische Unternehmen eine ernst zu nehmende Existenzbedrohung darstellt.
Viele produzierende Unternehmen aus der Automobil- und Zulieferindustrie haben ihre Produktion heruntergefahren oder komplett ausgesetzt. Aufgrund der zentralen Bedeutung des Automobilsektors für die Logistik ergeben sich erhebliche Auftragseinbußen, die sich laut dem Onlinestatistikportal Statista im März unter anderem in einem Einbruch des Gesamtumsatzes im Sektor Verkehr und Lagerei von knapp 60 Prozent niederschlugen.
Warenströme
aufrechterhalten
Gleichzeitig setzen Logistiker alles daran, Lieferketten und Warenströme aufrechtzuhalten, um Krankenhäuser, Apotheken und Bürger mit lebenswichtigen Gütern wie Medikamenten, Medizinprodukten und Lebensmitteln zu versorgen. Auch hier ist die Auftragslage mit Herausforderungen verbunden: Hersteller von Medizingütern und Hygieneprodukten sowie Lebensmittelhändler verzeichnen teils enorme Nachfragezuwächse, denen im Management der Waren- und Lieferketten sowie beim Transport, Umschlag und Lagerung Rechnung getragen werden muss.
Besonders eindrücklich zeigen sich diese Zuwächse in der Veränderung des Konsumentenverhaltens von Mitte bis Ende März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unter anderem im Bereich von Hygieneprodukten: So lag der Nachfragezuwachs bei Desinfektionsmitteln bei 210 Prozent, bei Toilettenpapier betrug er 100 Prozent und bei Handcreme 123 Prozent.
„Logistik liefert einen essenziellen Beitrag für eine leistungsfähige Wirtschaft, zur Versorgung der Privathaushalte sowie zum Funktionieren unserer Gesellschaft – auch und gerade in Krisenzeiten. Dies wird durch die Pandemie für viele zum ersten Mal erlebbar und zeigt sich in einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Wichtigkeit der Logistik zur Aufrechterhaltung des alltäglichen Lebens“, sagt Frauke Heistermann, Sprecherin der „Wirtschaftsmacher“.
In seiner Bewältigung der ambivalenten Auftragslage zeigt der Wirtschaftsbereich Logistik gleichzeitig seine ganze Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dies zeigt sich beispielhaft unter anderem in den Bereichen Transport, Kurier-, Express- und Paketdienst (KEP) sowie IT.
Dienstleister
passen sich an
Während zum Beispiel in der Luftfracht in krisenfreien Zeiten die Hälfte der weltweit in der Luft beförderten Fracht als Gepäckraum-Fracht in Passagiermaschinen befördert wird, werden durch den Ausfall der Personenbeförderung im Luftverkehr Passagiermaschinen nun zum reinen Frachttransport eingesetzt, um die Aufrechterhaltung wichtiger Lieferketten zu garantieren. KEP-Dienstleister beispielsweise nutzen verstärkt die unterschriftlose Zustellung, um Kunden und Mitarbeiter zu schützen.
Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik entwickelte kurzfristig die Internetplattform www.logistik-hilft.de, auf der Firmen, die Kapazitäten wie Mitarbeiter oder Lagerfläche benötigen oder verfügbar haben, zusammengebracht werden.
„Trotz ihrer wesentlichen Bedeutung setzen sich viele Logistiker mit akuten Schwierigkeiten auseinander, die ihrer wichtigen Rolle während dieser Krise nicht gerecht werden. Besonders betroffen sind Lkw-Fahrer, die durch geschlossene Sanitäranlagen auf Raststätten zu kämpfen haben. Der Beitrag des gesamten Wirtschaftsbereichs Logistik sowie all derjenigen Menschen, die in ihm arbeiten, muss sich in einer gesteigerten Wertschätzung in der öffentlichen Wahrnehmung äußern. Dies gilt während der Krise, aber auch darüber hinaus“, fordert Heistermann.