Der Sommer hat auch schlechte Seiten: Gewitter mit Starkregen setzen ganze Ortschaften unter Wasser. Man kennt die dramatischen Bilder mit vollgelaufenen Kellern und entsetzten Bewohnern, die ihr Hab und Gut nicht in Sicherheit bringen konnten. Prof. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, sagt daher: „Bauherren und Hausbesitzer sind gut beraten, Know-how aus den klassischen Hochwassergebieten zu übernehmen und ihr Haus so gut wie möglich wasserfest zu machen.“
Wichtig: Man muss das ganze Haus im Blick haben – nicht nur Keller und Erdgeschoss, sondern auch das Dach.
Kellerfenster sollten druckdicht sein oder abgemauert werden. Aber selbst mit dieser Absicherung gilt: „Besteht die Gefahr, dass Wasser eindringt, eignet sich das Untergeschoss nicht als Wohn- oder Arbeitsraum“, sagt Gebbeken. „Man muss immer bedenken, dass der Keller im Ernstfall schnell ausgeräumt werden muss. Besser als eine Hausbar mit Holzvertäfelung ist ein Funktionsraum mit Industriefußboden und wasserfestem Anstrich.“
In den Hochwassergebieten haben Hauseigentümer oft Halterungen für mobile Barrieren vor Fenstern und Türen. „Das ist auch bei Starkregen und Überflutung eine gute Möglichkeit, das Wasser abzuhalten“, erklärt Gebbeken. „Man sollte in ruhigen Zeiten überlegen, wo solche Barrieren nützlich sein könnten und sie bereitlegen.“
Häufig gelangt das Wasser als Rückstau aus dem Kanalnetz ins Haus. „Das Wasser sucht sich immer den tiefsten Punkt, etwa den ungesicherten Bodenablauf im Keller, den Waschmaschinenanschluss oder die Toilette im Erdgeschoss“, erklärt Andreas Braun vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima. Das Wasser drückt sich dadurch hoch und hinein ins Haus.
Liegt dieser tiefste Punkt unter dem Straßenniveau, muss der Hausbesitzer die Entwässerungsanlage gegen Rückstau sichern – mit Rückstauklappen. Je nach Gebäudegeometrie ist auch eine Abwasserhebeanlage sinnvoll.
Braun mahnt: „Hausbesitzer sind verpflichtet, sich gegen rückstauendes Wasser aus dem Kanalnetz abzusichern, auch in Gebieten, wo es bislang keine Starkregen gab.“ Haben sie das bisher nicht getan, müssen sie nachrüsten. Die meisten Gebäudeversicherungen machen hier klare Vorgaben und haben starke Ausschlusskriterien.
Nicht nur Fluten, auch Starkwinde sind gefährlich: „So können Dachabdichtungen, Dachdeckungen sowie Aufbauten beschädigt werden und Niederschlagswasser in die Dachkonstruktion eindringen“, erklärt Philip Witte vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Nicht immer werden solche Beschädigungen gleich erkannt. Das bietet Schimmelpilzen und im Extremfall holzzerstörenden Pilzen optimale Wachstumsbedingungen.
Nach starkem Regen ist die Entwässerung der Dachfläche, insbesondere bei Flachdächern, sehr wichtig. „Bei einer Verstopfung der Dachabläufe und der Notentwässerung kann im Extremfall das Wasser auf der Dachfläche so weit ansteigen, dass Anschlusshöhen nicht mehr ausreichen und das Wasser unkontrolliert abfließt“, erklärt Witte. Sein Tipp: Da viele bestehende Gebäude mit Flachdächern oder Dachterrassen keine Notentwässerungen haben, sollten diese im Zuge einer Gebäudesanierung nachgerüstet werden.
Auch Balkone muss man im Blick haben. „Sie können nur eine bestimmte Höchstlast tragen“, sagt Braun. „Steht zu viel Wasser drauf, weil große Gefäße oder ein Kinderplanschbecken volllaufen, können sie bei starkem Niederschlag sogar abbrechen.“ Hier muss man die statischen Grundvoraussetzungen beachten.