Es ist ein kleines Licht am Ende des Tunnels: Am vergangenen Mittwoch haben Bund und Länder über erste Öffnungsschritte aus dem Lockdown verhandelt. Geeinigt hat man sich dabei auf Folgendes: Die geltenden Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und Schließung von Gastronomie sowie Teilen des Einzelhandels werden bis 7. März verlängert.
Erste Erleichterungen könne es danach geben, wenn die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen stabil unter 35 liegt.
Fußgängerzone am
Leben erhalten
„Wir hätten uns eine frühere Öffnung gewünscht“, betont Sabrina Obermoser, Geschäftsführerin des Rosenheimer City-Managements. Sie bemängelt, dass durch die Teil-Ladenschließungen die Wettbewerbsverzerrung immer eklatanter werde. „Man kann nicht verstehen, warum man Haushaltswaren im Drogeriemarkt kaufen darf, das Haushaltswarengeschäft geschlossen bleiben muss. Blumen im Supermarkt verkauft werden, die Floristen jedoch geschlossen bleiben.“
Für Obermoser ist klar: „Jeder Tag, der länger geschlossen bleibt, bedroht die Existenz der Betriebe.“ Abgesehen davon gelte der 7. März ja nicht als garantiertes Öffnungsdatum.
Für die Geschäftsleute aus den innerstädtischen Läden und Restaurants bedeutet das: Sie müssen sich noch weiter gedulden, bis sie wieder öffnen können. Und weiterhin auf „Call, Click & Collect“ zurückgreifen. „Sicher 90 Prozent der Einzelhändler hier in der Mühldorfer Innenstadt bieten das an“, berichtet Christian Kühl, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Mühldorf.
Angebot wird
gerne genutzt
Auch die Kunden, so seine Erfahrung, nutzen das Angebot gerne. Für die Einzelhändler allerdings ergebe sich dadurch ein Dilemma. Denn der Aufwand von „Click & Collect“ sei groß, die Umsätze gering. „Nehmen Sie das Beispiel eines Modegeschäfts“, erklärt er. Bei normaler Öffnung könnten dort zehn Leute gleichzeitig stöbern und einkaufen. Bei „Click & Collect“ dagegen muss jede Bestellung einzeln entgegengenommen werden. Das erfolgt etwa über Telefon, Whatsapp oder die Internetseite – die wenigsten der kleinen Geschäfte haben einen funktionierenden Onlineshop.
Sabrina Obermoser aus Rosenheim betrachtet „Click & Collect“ als „Tropfen auf den heißen Stein“. Wie das City-Management erfahren hat, liegen die Umsätze der Rosenheimer Einzelhändler damit bei fünf bis zehn, höchsten jedoch 20 Prozent. Doch damit verliere man zumindest nicht den Kontakt zu den Kunden.
Auch in Mühldorf, so berichtet Christian Kühl, geben die Einzelhändler nicht auf. „Die stehen alle in ihren Geschäften“, sagt er. Und sei es, um der Tristesse des Lockdowns zu entfliehen. Auch habe in der Innenstadt seiner Kenntnis nach noch kein Laden dichtmachen müssen.
So helfe „Click & Collect“ auch dabei, die Fußgängerzonen in Zukunft am Leben zu erhalten. Denn auch wenn die Einzelhändler wenig Umsatz mit dem Angebot machen, zeigen sie doch: „Wir sind noch hier und wir bleiben auch hier!“khe