Die Corona-Krise hat weite Teile der deutschen Wirtschaft fest im Griff. Kaufhausketten schließen immer mehr Filialen, kleine Geschäfte und Gastronomen kämpfen um ihr Überleben. Ein Segment zeigt sich dagegen beinahe unberührt von den wirtschaftlich schwierigsten Zeiten seit dem Zweiten Weltkrieg: der Immobilienmarkt. Ein Zustand, der allerdings nicht ewig währen dürfte. Nach einer Analyse des Marktforschungsinstituts des Immobilienvereins Deutschland (IVD) auf Basis des vom Bundesministerium für Finanzen erhobenen Grunderwerbsteueraufkommens lagen die Immobilienumsätze deutschlandweit im Jahr 2020 bei insgesamt 310,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Pandemiefreien Vorjahr 2019.
Makler verzeichnen
satte Gewinne
Auch das Geschäft der Immobilienvermittlung verzeichnet aktuell satte Gewinne. So brachte 2020 das Maklernetzwerk Remax Germany bei 7761 Transaktionen Objekte mit einem Gesamtvolumen von 1,797 Milliarden Euro an den Mann und konnte damit das Vorjahresniveau halten. Das als Anlageform beschworene „Betongold“ scheint so sicher wie nie zuvor.
Gründe für die positive Entwicklung könnten dabei auch in der Krise selbst liegen, wie Marktforscher Stephan Kippes vom IVD Süd erklärt: „Gerade in unsicheren Zeiten investieren die Menschen in den als sicher geltenden Immobilienmarkt.“ Laut einer aktuellen repräsentativen Forsa-Studie ist Sicherheit für Anleger nach wie vor das wichtigste Anliegen (46 Prozent) bei der Geldanlage. Aufgrund des immer weiter in den Negativbereich absinkenden Zinsniveaus flüchteten zudem laut Kippes immer mehr Deutsche in eben diese rentablen Wertanlagen. Auch Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes der privaten Immobilienwirtschaft (BFW) sieht die Kaufnachfrage nach Wohnobjekten in Deutschland ungebremst hoch.
Der BFW-Präsident erklärt sich dies auch mit den emotionalen Bedürfnissen der Käufer: „Die Krise hat den Wunsch nach Wohneigentum noch verstärkt, wie beispielsweise die hohe Nachfrage nach Eigenheimen und sogar Ferienimmobilien zeigt. In der Krise suchen die Menschen nach einem Rückzugsort.“
„Umsätze werden
nicht immer nach
oben gehen“
Die Widerstandsfähigkeit des Immobilienmarktes ist beachtlich. Dennoch: Auch diese hat Grenzen. „Die Umsätze werden nicht immer nach oben gehen“, warnt Kippes. Seit mittlerweile deutlich über zehn Jahren würden die Preise auf dem Immobilienmarkt steigen – ein ungewöhnliches, wenn nicht gar ungesundes Phänomen. „Normal sind maximal acht bis neun Jahreszyklen. Was aktuell stattfindet, kann man schon als Überhitzungserscheinungen beschreiben. Das wird nicht ewig so weitergehen“, erklärt der IVD-Experte.
Die Gefahr, dass in diesem Zuge die Preise auf dem Markt auf einmal deutlich einbrechen könnten, sieht Kippes allerdings aktuell nicht. Außer das schlimmste Szenario tritt ein, wie der Marktforscher anmerkt: „Wenn aufgrund von Corona Massenarbeitslosigkeit entsteht, könnte das auch den Immobilienmarkt zum Einsturz bringen. Aber das ist in Deutschland unwahrscheinlich.“