Seit 2008 gibt es in Marquartstein Überlegungen, wie das Ortszentrum attraktiv gestaltet und nachhaltig belebt werden kann. Verschiedenen Umständen war es geschuldet, dass erst zehn Jahre später mit dem Verkauf des ehemaligen Textilhauses Schrobenhauser das Areal großflächiger überplant werden konnte.
Der einstimmige Beschluss im Gemeinderat zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „Neue Ortsmitte“ bedeutete einen großen Schritt zur Realisierung der Planung auf dem rund 6000 Quadratmetern großen Areal, das mit fünf architektonisch ansprechenden Gebäuden zur Nutzung als Wohn-, Gewerbe- und Gastronomieeinheiten sowie mit einer Tiefgarage bebaut werden soll.
Bürgermeister Andreas Scheck (BfM) brachte zum Ausdruck, dass Marquartstein nun den Marktplatz und das Ortszentrum bekomme, das es sich schon so lange wünscht.
Seit dem Kauf und späteren Abbruch zweier Gebäude zwischen der Staudacher Straße und Bahnhofstraße durch die Gemeinde im Jahr 2008 gab es Überlegungen, diese baulichen Lücken sinnvoll zu füllen und das Ortszentrum attraktiv zu gestalten und nachhaltig zu beleben. Die Herausforderung bestand und besteht darin, dass Marquartstein keine historische Ortsmitte hat.
Der zentrale Ortsbereich ist seit 2008 im Städtebau-Förderprogramm „Aktive Zentren“, was bei einer solchen kostenintensiven Entwicklung eines Ortszentrums mit vielen öffentlichen Flächen unverzichtbar ist. Unter Einbezug der Ideen aus der Bürgerschaft wurde 2011 ein städtebauliches Entwicklungskonzept ISEK erstellt und anschließend ein Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt.
Modell für bezahlbare Wohnungen
Mit Aufgabe des Textilhauses Schrobenhauser und dem Erwerb des Geländes durch die Herto/HSHI Gruppe aus Rosenheim vor gut drei Jahren hat sich in städtebaulicher Hinsicht eine komplett andere Situation eröffnet. Nun bestand erstmals die Möglichkeit, das gesamte Areal mit den gemeindlichen Grundstücken sowie dem dazwischenliegenden Schrobenhauser-Grundstück zu überplanen.
In der Folge gab es eine städtebauliche Feinuntersuchung und einen Planungswettbewerb, der vom Büro Thaler und Thaler aus Wien gewonnen wurde. Mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Neue Ortsmitte“ wird nun die planungsrechtliche Voraussetzung für die Verwirklichung der Vorhaben der Gemeinde und der „Lebensraum Tiroler Achen GmbH“ geschaffen.
Das Areal wird als Mischgebiet deklariert. Rund ein Viertel der 40 geplanten Wohnungen soll mit einem Modell für bezahlbaren Wohnraum, der einkommensorientierten Förderung (EOF), entstehen, das je nach Einkommenssituation für rund 60 Prozent der bayerischen Bevölkerung günstige Mieten ermöglicht.
Weiter sind bis zu fünf Arztpraxen, eine Apotheke, zwei Gewerbeeinheiten und die Tiefgarage mit 74 Stellplätzen vorgesehen.
Der Siegerentwurf besteht aus den fünf zentralen Elementen Wohnen, Gewerbe, Café, Ärztezentrum und Apotheke. Die Formen der Gebäude weichen von den üblichen rechteckigen Baukörpern ab. Damit wird ein Bezug zu den bestehenden Gebäuden hergestellt und es können Sichtachsen sowie Verbindungen zwischen dem Bestand und den neuen Gebäuden entstehen.
Marktplatz an Staudacher Straße
An der Staudacher Straße ist im weiteren Sinne ein Marktplatz vorgesehen, der als gesellschaftlicher Raum für Veranstaltungen dienen kann. Auf eine öffentliche Durchwegung unter Beibehaltung der notwendigen Privatbereiche der Wohnungen legten die Architekten besonderen Wert. Unter dem Aspekt höchster Wohnqualität wurden die Wohnungen so ausgerichtet, dass die Aufenthaltsräume nach innen liegen. Damit unattraktive Rückseiten vermieden werden, sind sie über den Quartiersplatz zugänglich.
Die zusätzlichen Stellplätze für die bis zu 145 neuen Bewohnerinnen und Bewohner finden in einer Tiefgarage Platz, die im westlich gelegenen natürlich vorgegebenen Hang integriert wird. Damit der Platz an der Staudacher Straße vom Durchgangsverkehr befreit wird, ist eine dauerhafte Sperre im südlichen Bereich angedacht. Die neue Verkehrsführung wird derzeit mit einer provisorischen Absperrung getestet, was wiederum erst durch den Ausbau der Ortsdurchfahrt B305 möglich wurde. Aus dieser noch bis Ende März laufenden Probephase werden Erkenntnisse für eine Entscheidung über die finale Lösung gezogen. mp