Verkehr: Inntal überlastet

von Redaktion

Wenn der Verkehr auf der A93 innerhalb eines Monats mehrmals zusammenbricht, der Rückstau sogar die A8 erfasst und auch dort zig Kilometer erreicht, wenn in der Folge immer mehr Lkw durch Neubeuern donnern – dann ist es leicht, über „die Österreicher“ zu schimpfen und zu fragen, wann sich denn endlich EU und Bundesregierung zu einer Klage entschließen. „Denen muss man es doch auch einmal zeigen“, so ist dann ein verständliches Empfinden.

Neubeuerns Bürgermeister Christoph Schneider ist derzeit Präsident der Euregio Inntal, zu der die Landkreise Rosenheim und Traunstein, die Stadt Rosenheim sowie auf österreichischer Seite die Bezirke Kufstein und Kitzbühel gehören. Von daher sieht er beide Seiten und kann auch für die Blockabfertigung ein gewisses Verständnis aufbringen.

Die Bilder vom Verkehrsinfarkt schaffen es mittlerweile bis in die überregionalen Medien und machen so auch für die Entscheidungsträger in München und Berlin eines unübersehbar: Das Inntal ist seit Jahren hoffnungslos überlastet. Es dürfe nicht länger sein, dass diese Strecke die kostengünstigste aller Alpentransitrouten sei und deshalb Umwegeverkehr von weither bündle. Der Verkehr müsse vielmehr gleichmäßig auf alle Strecken verteilt werden und er müsse auch auf die Schiene.

Ob dazu der Aufbau einer neuen Strecke nötig ist, müsste anhand einer verlässlichen und nachprüfbaren Bedarfsermittlung erfolgen, meint Neubeuerns Bürgermeister. Unabhängig davon aber könnten zusätzlich Maßnahmen ergriffen werden, um für Lkw die Fahrt durchs Inntal etwas weniger attraktiv zu machen – und das verglichen mit der Zeit, die für den Bau des Brenner-Nordzulaufs nötig ist, quasi über Nacht. Es müsste nur der politische Wille dazu da sein.

Stichwort Staatsstraße

Was die direkten Folgen für Neubeuern anbelangt, so ist Bürgermeister Schneider der Meinung, dass auch hier eher die heimische Politik gefragt wäre. Bislang scheitern alle Versuche, den Schwerlastverkehr zum Beispiel durch Tonnagebeschränkungen einzudämmen, am Stichwort „Staatsstraße“. Dort seien, so sagen alle Entscheidungsinstanzen, solche Eingriffe rechtlich nicht möglich.

Recht sei aber, findet Christoph Schneider, letztendlich ein Übereinkommen der Bürger untereinander und werde erst dann wirklich gerecht, wenn in begründeten Ausnahmefällen Anpassungen möglich seien. Deshalb sei man in Neubeuern dabei, durch ein Gutachten die Verkehrssituation analysieren zu lassen, um so Argumente für örtliche Ausnahmeregelungen zu sammeln. jt

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