Prien am Chiemsee – ein zeitgeschichtlicher Abriss

von Redaktion

Prien ist die späteste Ortsgründung im Chiemgau und erhielt seinen Namen vom gleichnamigen Fluss. Dessen Name leitet sich vom keltischen Wort „Brigenna“ ab, was so viel wie „Die aus den Bergen kommende“ (Bergfluss) bedeutet.

Die Gründung Priens ist in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts, als Verwaltungs- und Gerichtsort des bedeutenden Geschlechts der Grafen von Falkenstein, festzumachen. (Seit 1958 wird – historisch nicht belegt – das Jahr 1158 als Gründungsjahr angenommen und gefeiert.)

Die drei Lebenspfeiler Priens waren über die Jahrhunderte: der Gerichtssitz, die Jahr- und Wochenmärkte sowie der Pfarrsitz. Ganz wesentlich für die Entwicklung des Marktes war die Bestätigung der Gerichtsschranne im Jahr 1331 durch Kaiser Ludwig den Bayern.

Der – heute noch abgehaltene – Katharinenmarkt ist erstmals 1438 dokumentiert und zählt damit zu den ältesten nachweisbaren Märkten Altbayerns. Die Märkte bildeten das wirtschaftliche Rückgrat Priens und begünstigten, ja verlangten die Ansässigmachung von Handwerkern, deren Häuser noch heute das Erscheinungsbild des Ortes ausmachen.

Beim heutigen Bauernhof „Moar z’Bruck“ bestand – wohl bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. – ein römischer Gutshof, eine „Villa Rustica“, die durch Grabungen erschlossen werden konnte, die jedoch nicht als Vorläufersiedlung von Prien angesprochen werden darf.

Die heute zu Prien gehörigen Ortsteile Bruck (um 924 erwähnt), Trautersdorf (erstmals genannt 735) und Ernsdorf (genannt um 960) sind im Gegensatz zum Handwerkerort Prien, als bäuerliche Siedelungen wesentlich älter. Der Ortsteil „Am Gries“ entstand erst langsam ab 1400 als Erweiterung des alten Ortskerns.

Prien konnte sich ab seiner Gründung im frühen 12. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Zentrum der Gerichtsherrschaften Wildenwart und Hohenaschau behaupten und entwickelte sich zum zentralen Ort des westlichen Chiemgaus.

Im Jahr 1818 brachte das Bayerische Gemeindeedikt die kommunale Selbstverwaltung.

Kirchlich gehörte die Großpfarrei Prien (Geografische Ausdehnung von Rimsting bis Sachrang) bis zur Säkularisation von 1803 zum Augustiner-Chorherrenstift Herrenchiemsee und bis 1817/18 zum Salzburger Suffraganbistum Chiemsee.

Die Einwohnerzahl des Marktes Prien war von jeher sehr gering (1801 mit Ortsteilen circa 660 Personen) und stieg erst langsam durch den Bau der Eisenbahn (1874 rund 950 Personen, 1895 circa 1900 Einwohner, 1910 circa 2500 Einwohner).

Insbesondere die Eröffnung der Eisenbahnlinie München – Salzburg – Wien im Jahr 1860 gab im 19. Jahrhundert den wegweisenden Anstoß zur Entwicklung der Gemeinde und des Fremdenverkehrs. Letzterer erhielt einen ersten Schub ab 1850 durch den frühen Fremdenverkehr, insbesondere aber, nach dem frühen Tod König Ludwig II. im Jahr 1886, durch die Öffnung des Königsschlosses auf Herrenchiemsee für Besucher.

Diese Entwicklungen führten letztendlich auch zur offiziellen Erhebung von Prien zur Marktgemeinde durch Prinzregent Luitpold im Jahr 1897.

Auch die Eröffnung der Reichsautobahn im Jahr 1936 begünstigte die weitere Entwicklung.

Einen wesentlichen Zuzug brachten die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge nach 1945, sodass das Mittelzentrum Prien heute – auch mit den Eingemeindungen von 1978 – rund 11000 Einwohner hat. ak

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