In den vergangenen Jahren gab es deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber: Ist das nach wie vor so? Verschärft sich diese Entwicklung?
Jutta Müller: Wir haben seit mehr als 12 Jahren mehr Ausbildungsplätze als Bewerber/innen. Dieser Trend ist eindeutig und es ist nicht zu erkennen, dass eine Trendwende einsetzt. Die Anzahl der Schulabgänger verringert sich von Jahr zu Jahr. Wir müssen auch Menschen zu einer Ausbildung ermuntern und ermutigen, die ihren Schulabschluss schon länger hinter sich haben und sich aus ganz verschiedenen Gründen nicht gleich für eine Ausbildung entschieden haben.
Sind nach wie vor noch viele offene Ausbildungsstellen ab Herbst in der Region frei?
Im gesamten Agenturbezirk Traunstein hatten wir Ende Mai noch knapp 2000 freie Ausbildungsstellen, das sind 13,8 Prozent mehr als im vergangenen Berichtsjahr. Das Gesamtangebot an Ausbildungsstellen stieg um 3,6 Prozent.
Im Landkreis Mühldorf sind es aktuell noch 370, im Landkreis Traunstein 712 freie Stellen. Natürlich ändern sich die Zahlen sehr schnell, weil sich nicht jeder Arbeitgeber und jeder Azubi sofort meldet, sobald ein Ausbildungsvertrag unterschrieben ist. Es ist jetzt allerhöchste Zeit, sich um einen Ausbildungsplatz zu bewerben.
Die Sommerferien sind nur dann echter Urlaub, wenn der unterschriebene Ausbildungsvertrag zu Hause liegt. Natürlich geht auch im August und September, manchmal bis zum Jahresende noch etwas, aber dann muss man womöglich mit einem Ausbildungsplatz beginnen, der für den jungen Menschen die zweite und nicht die erste Wahl war.
Es gab wieder erste Schulmessen und Schulpraktika: Welche Bedeutung kommt ihnen zu?
Schulpraktika und Schulmessen haben eine sehr große Bedeutung für die Berufsorientierung und -findung bei den Schülerinnen und Schülern.
Es ist diese Mischung aus vertrauter Umgebung der Schule und neuem Eindruck von Arbeitgebern, die sich dort präsentieren, die den Erfolg ausmacht. Zumal sich oftmals örtliche kleinere Arbeitgeber lieber auf den Schulmessen präsentieren, da dort der Personalaufwand geringer ist, sodass im laufenden Betrieb nicht zu viel Personal fehlt.
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