Was können kleinere Betriebe unternehmen, um bei Schülern bekannter zu werden?
Viele Schulen haben Listen mit Praktikumsbetrieben in der Region, so können die Arbeitgeber mit den Schulen Kontakt aufnehmen, um ihre Praktikumsplätze zu bewerben. Viel läuft immer über Mundpropaganda, da die Schülerinnen und Schüler in den meisten Fällen über das Praktikum vor der Klasse referieren. Auch Tage der offenen Werkstatt oder der offenen Tür, bei dem die ganze Familie eingeladen ist, sind ein gutes Mittel, sich regional bekannt zu machen. Viele Betriebe organisieren das sehr erfolgreich.
Kann man Aussagen darüber treffen, wie sich der Krieg in der Ukraine, die Lieferengpässe und die Inflation auf den Ausbildungsmarkt auswirken?
Momentan haben diese drei Faktoren noch keine Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Die Stimmung ist im Großen und Ganzen für den Ausbildungsmarkt noch zuversichtlich. Eine zuverlässige Prognose, wie sich diese drei Faktoren über die Zeit auswirken, ist nicht möglich.
Trotz der Informationsfülle haben viele Schulabgänger keine klare Vorstellung darüber, was sie werden möchten und auch nicht, was sie in ihrem Wunschberuf erwartet. Warum ist es so schwierig, die Jugendlichen zu erreichen?
Die jungen Menschen heutzutage stehen vor einer Fülle von Informationen, die noch vor 10 Jahren nicht vorlag. Social Media, Internet und Homepages der Firmen liefern alles, was man wissen möchte. Hier die richtige Information herauszufiltern ist für einen jungen Menschen nicht leicht, zumal ja auch andere Dinge im Leben eines 15- oder 16-Jährigen wichtig sind außer der Berufswahl. In der Beratung haben wir oftmals den Eindruck, es ist nicht trotz, sondern wegen der Informationsfülle schwierig. In den meisten Familien sind die Eltern der erste Ansprechpartner. Allerdings sind da auch oft veraltete Informationen über Berufsbilder, die sich ja schnell ändern. Für jeden jungen Menschen gilt, dass er oder sie herausfindet, wo die eigenen Stärken liegen. Oder sie wissen zumindest, was sie auf keinen Fall werden möchten. Das ist ein guter Anfang. Ein professioneller Stärkentest wie Check-U und eine anschließende Berufsberatung kann die Berufswünsche dann schon eingrenzen.
Wie es wirklich im Berufsalltag zugeht, kann durch ein Praktikum erreicht werden. Es ist nicht schlimm, wenn einem jungen Menschen sein Praktikum nicht gefallen hat. Das bewahrt vor einer falschen Berufsentscheidung und der Enttäuschung beider Seiten. Wichtig ist, dann eine andere Richtung einzuschlagen und nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit hinzuwerfen.
Es hält sich hartnäckig die Meinung, dass man mit einem Abitur oder Fachabitur studieren sollte – wenn man es denn schon einmal geschafft hat: Stimmen Sie dem zu?
Es ist nicht immer der Wunsch nach einem Studium, wenn sich ein Schüler oder eine Schülerin zum Besuch einer FOS entschließt, um Abitur zu machen. Oftmals ist es auch die Ratlosigkeit des jungen Menschen, der sich dann lieber noch zwei Jahre „gönnt“, um sich sicherer zu werden. Ich denke nicht, dass ein Schulabschluss, welcher auch immer, dazu prädestiniert, nun dies oder jenes zu tun. Es gibt auch Doktoranden, die dann eine Schreinerlehre beginnen. Die Ausbildung oder das Studium müssen zu dem Menschen passen, die Berufswahl muss dem Menschen einen positiven, motivierenden Weg aufzeigen, sein Berufsleben befriedigend und erfolgreich zu gestalten.
Die Arbeitslosenquote ist unter Akademikern am niedrigsten: Ist das nicht ein Beleg, dass man mit einem Studium besser aufgestellt ist als mit einem Ausbildungsberuf?
Hier gibt es weitere Faktoren in der Betrachtung. Es ist richtig, dass die Arbeitslosenquote unter Akademikern niedriger ist als in anderen Qualifikationsebenen. Die Korrelation zwischen zu erwartendem Gehalt und Mobilität ist ein Faktor, den wir in anderen Qualifikationsebenen eher weniger sehen. Tatsache ist, dass Akademiker in der Regel eine höhere Mobilität in Kauf nehmen, um in ihrem Beruf zu bleiben. Katharina Vähning