Azubi verzweifelt gesucht

von Redaktion

Unternehmen haben Schwierigkeiten, die Stellen zu besetzen

Fast vier von fünf Ausbildungsbetrieben gehen aktuell davon aus, mehr Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Azubi-Stellen zu bekommen. Über zwei Drittel sehen dadurch die Fachkräftesicherung im Betrieb gefährdet. Das zeigt die aktuelle Studie „Azubi-Recruiting Trends 2022“ von u-form Testsysteme, an der über 5100 Azubis und Schüler*innen sowie über 1500 Ausbildungsverantwortliche teilnahmen.

Abnehmende
Bewerberzahlen

Die vergangenen zwei Pandemiejahre stellen einen bisherigen Tiefpunkt für die duale Ausbildung in Deutschland dar. Einer aktuellen IAB-Studie zufolge ist der Anteil an Betrieben mit Ausbildungsabschlüssen 2021 auf 38 Prozent gesunken. Im Jahr 2019 (vor Corona) waren es 55 Prozent. Der Anteil der ausbildenden Unternehmen könnte weitersinken. Die Mehrzahl der Betriebe rechnet mit abnehmenden Bewerberzahlen.

Die Bewerberzahlen sinken, die Mehrheit der Azubis sucht sich aktuell den Ausbildungsbetrieb aus: 51 Prozent der Bewerber erhalten aktuell zwei oder mehr Angebote.

Wie reagieren Ausbildende auf den enger werdenden Azubi-Markt? In jedem zwanzigsten Betrieb steht die duale Ausbildung insgesamt auf der Kippe, 27 Prozent möchten ihre Angebote zum dualen Studium verstärken, 17 Prozent Azubis im Ausland rekrutieren, 7 Prozent vermehrt Bachelorabsolventen einstellen. Die große Mehrheit von 75 Prozent setzt jedoch auf die Ansprache alternativer Zielgruppen wie Quereinsteiger oder Studienzweifler.

Die Ausbildercommunity ist mehrheitlich nicht gerade genderbegeistert. 44 Prozent empfinden die Diskussion um gendergerechte Sprache in Stellenanzeigen als „störend“ oder „unnötig“, weiteren 18 Prozent ist sie egal. Als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ betrachten sie 38 Prozent. Die Mehrheit der Ausbildungsbetriebe setzt in der Kommunikation die rechtssichere, aber wenig engagierte m/w/d-Lösung ein, Beispiel: Fachinformatiker (m/w/d). Auf der Seite der Azubi-Bewerber betrachten 36 Prozent es als „wichtig“ oder „sehr wichtig“, dass alle Geschlechter in Stellenanzeigen angesprochen werden. Allerdings liegt hier der Anteil bei den Azubi-Bewerberinnen bei 46 Prozent.

Die Ergebnisse der Azubi-Recruiting Trends vergangener Jahre haben gezeigt, dass Eltern zu den „Top-Influencern“ in der Phase der Berufswahl zählen.

Eltern sind
Top-Influencer

Tatsächlich erhalten aktuell 40 Prozent elterliche Unterstützung beim Verfassen von Bewerbungen. Ausbildungsunterlagen und Bewerbungen geben also in vielen Fällen Auskunft über die Qualifikationen der Eltern. Die Mamas sind bei der Azubi-Unterstützung übrigens weit vorn: Bei 41 Prozent ist nur die Mama aktiv, die Papa-Variante ist mit 16 Prozent weit abgeschlagen.

Nicht alle Bewerber haben also Helikoptereltern. Ebenso ist die oft behauptete Nachhaltigkeitsorientierung der Generation etwas komplizierter gelagert. Bei der Alternative „mehr Geld während der Ausbildung oder ein klimafreundlicher Ausbildungsbetrieb“ würden sich 72 Prozent der Bewerber für „mehr Kohle“ entscheiden. Das bedeutet nicht, dass den Azubis der Umweltschutz völlig egal wäre: Der Wunsch, sich während der Ausbildung dafür zu engagieren, ist groß – in den meisten Fällen deutlich stärker ausgeprägt als die entsprechenden Angebote der Betriebe. ots

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