von Redaktion

Waldkraiburg – Der Auftakt ist mehr als gelungen: Mehrere Hundert Menschen besuchten in der ersten Woche nach der Eröffnung das Museum Peter Schmidt. Für die Eröffnungsausstellung sind aus dem Bestand der Stiftung „Bilder erzählen – Sammlung Peter Schmidt“ zunächst über Hundert Werke ausgewählt und vor farbigen Wänden nach Themen gruppiert worden: Wirtshaus und Geselligkeit; Arbeitsleben; Obrigkeit und Ordnungsmacht; Musik, Tanz und Gesang; Galanterie, Liebe und Sehnsucht; Familienleben und Kinderspiel sowie Religion und Rituale. Kuratiert wurde die Eröffnungsausstellung von den beiden Münchner Kunsthistorikern Dr. Helmut Hess und Julie Kennedy.

Die Museumsräume sollen leben

Aber damit ist es nicht getan. Ziel von Axel Kuttner, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, sowie Museumsleiter Andreas Seifinger ist es, die Museumsräume mit Leben zu füllen: „Bilder sollen erzählen, Jung und Alt zusammenbringen.“

Der vom Münchner Architekten Ingo Werner (Architekturbüro: jesse hofmayr werner) harmonisch gestaltete Innenraum und die besondere Akustik des Gebäudes bieten den Rahmen für begleitende Veranstaltungen, die Museumsleiter Seifinger geplant und vorwiegend an den Themen der Bilder orientiert hat. Dazu zählen Führungen, Lesungen sowie museumspädagogische Veranstaltungen.

Gelungener Auftakt

Im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Waldkraiburg besuchte eine große Zahl von Schulkindern das Museum. Sie gingen in den Bildern auf Entdeckungsreise. Im Anschluss durften die jungen Künstler selbst kreativ werden und im Werkraum nebenan im Haus der Kultur ihre eigenen Bilder malen, die dann im Museum ihren Platz fanden.

Über ein ausverkauftes Haus konnte sich Harfenistin Silke Aichhorn freuen. Sie bot Anfang September einen Dreiklang aus Musik, Kunst und Architektur. Bei einem launigen Museumsnachmittag mit musikalischer Begleitung und heiteren Texten kamen im Oktober insbesondere Senioren auf ihre Kosten.

Und so soll es weitergehen: Geplant sind bis Dezember ein Museumstalk, eine weitere Kuratorenführung, eine Lesung und zwei Vorträge. Bei der Zusammenstellung der Veranstaltungsreihe legte Andreas Seifinger nicht nur Wert darauf, dass jede Veranstaltung einen direkten Bezug zur Sammlung hat, sondern er möchte auch gezielt unterschiedliche Publikumsgruppen ansprechen: kunstinteressierte Erwachsene, Heimatverbundene, Kinder ebenso wie Senioren.

Typisch Bairisch – Trachten und Tänze

Sammlung trifft Brauchtum: Am Sonntag, 23. Oktober, lädt das Museum um 11 Uhr zu einer besonderen Matinee. Mehrere Genrebilder der Münchner Schule in der Sammlung Peter Schmidt zeigen in detailgetreuer Darstellung regionaltypische Kleidung beziehungsweise Tracht. Sie gewähren damit einen besonderen Einblick auf das Festtags- und Werktagsgewand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im bäuerlichen Leben in der Region. Darunter sind auch Bilder mit tanzenden Personen in ihrer Tracht. Dr. Reinhard Baumgartner, Kreisheimatpfleger für Volksmusik und Brauchtum im Landkreis Mühldorf, erläutert Wissenswertes über zeittypische Kleidung und Tanzformen. Zusammen mit Toni Sabold und Arno Meyer erklingen ländlerische Tänze aus der Entstehungszeit der Bilder mit zwei Zithern und Kontra-Gitarre. Das Programm dauert rund zwei- mal eine halbe Stunde. In der Pause und im Anschluss können die Bilder im Original genauer betrachtet werden.

In Wien fing alles an

Welche Konzepte und Ideen stehen hinter der gelungenen Eröffnungsausstellung „Bilder erzählen“? Kunsthistorikerin Julie Kennedy nimmt am Donnerstag, 27. Oktober, um 18 Uhr Interessierte mit auf eine Kuratorenführung.

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Von der Idee bis zum Museum

Der Waldkraiburger Unternehmer Peter Schmidt wollte seine Kunstsammlung immer einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. 15 Jahre nach der ersten Idee konnte das private Museum im Juli dieses Jahres eröffnet werden. Peter Schmidt wurde am 4. Januar 1932 in Hannover geboren, kam im August 1946 als Vertriebener nach Waldkraiburg, wo er bis ins hohe Alter erfolgreich als Unternehmer tätig war.

Der Stadt, der er so viel verdankte, wollte er etwas zurückgeben. Er förderte Sport und Kunst und es war ihm ein Herzenswunsch, seine Sammlung dauerhaft in Waldkraiburg auszustellen. Er stellte vor seinem Tode sicher, dass das später erbaute Museum langfristig betrieben werden kann. Peter Schmidt starb im Januar 2017. Axel Kuttner, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Bilder erzählen – Sammlung Peter Schmidt“ trug maßgeblich dazu bei, den Traum des Stifters fünf Jahre nach dessen Tod wahrwerden zu lassen.

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