Kos: Erholung für Körper, Geist und Seele

von Redaktion

Ein leichter Pinienduft liegt in der Luft. Zwischen den hohen Bäumen herrscht sanfter Frieden, der sich langsam auf das Gemüt senkt. Der Blick schweift über marmorne Säulenreste und die Häuser von Kos Stadt hinaus auf das strahlend blaue Meer und die Nachbarinseln des Dodekanes.

Zu Füßen liegen die Ruinen des Asklepieion – der Heilanstalt und Kultstätte, die dem Gott der Heilkunst gewidmet war. In der Antike suchten hier viele Patienten Erlösung von ihren Leiden – Kos, die zweitgrößte Insel des griechischen Archipels vor dem türkischen Festland, kann als Wiege der Medizin betrachtet werden.

Die ältesten Teile des antiken Krankenhauses, das sich über drei Ebenen erstreckte und inmitten eines Pinienwaldes liegt, in dem Sterben und Gebären streng verboten waren, lassen sich auf 300 vor Chr. datieren.

Asklepios, so ist es überliefert, hat sein medizinisches Wissen hier an Hippokrates weitergegeben, der die pompöse Heilanlage mit Ankunfts- und Diagnosezentrum, mit Bädern und Thermen, Tempeln für Aphrodite und Äskulap, führte. Seine Nachfahren setzten sein Erbe fort und machten das Asklepieion zu einer der bedeutendsten medizinischen Einrichtungen der Antike.

Spuren des berühmten Mediziners finden sich auch in Kos Stadt wieder: Beliebtestes Touristenziel ist die Platane des Hippokrates, von der gesagt wird, dass er sie selbst gepflanzt haben soll. Im Schatten dieses Baums soll der Apostel Paulus während seines Aufenthalts auf Kos gepredigt haben.

Die Hauptstadt der Insel ist heute sehr touristisch geprägt. Im örtlichen Markt tummeln sich die Besucher, um hier die beliebtesten regionalen Mitbringsel zu erstehen: Olivenöl, Oliven, Meersalz, Honig, Wein und Ouzo, Schüsseln und Küchengerätschaften aus Olivenholz, Gewürze, und, nicht zu vergessen: das Schutzzeichen gegen das Böse, das Evil Eye, in unterschiedlichsten Macharten und Variationen.

Wer den Bummel durch die bevölkerten Touristenmeilen gut überstanden hat, kann es sich am Hafen in einer der zahlreichen Bars mit Blick auf die Johanniterfestung Neratzía gemütlich machen.

Die beeindruckende Burg aus dem 14. bis 16. Jahrhundert wurde teils auch mit Steinen aus dem vom Erdbeben zerstörten Asklepieion gebaut. Vom Hafen aus starten nicht nur jede Menge Touristenboote zu den umliegenden Inseln, sondern auch die Fähren in die Türkei – und obwohl Kos mit einer Gesamtfläche von 290 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von rund 33000 Menschen nicht wirklich groß wirkt, besaß und besitzt die Insel hohe strategische Bedeutung.

Wie wichtig das windumtoste Eiland eingeschätzt wurde, das zeigt, dass die Johanniter mit Antimachia eine zweite, gigantische Burganlage auf Kos unterhielten. Diese Festung aus dem 14. Jahrhundert wurde erfolgreich gegen die Osmanen verteidigt.

Was Menschen nicht gelang, das schaffte eine Naturkatastrophe: Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1926 blieb von der Anlage im Grunde nur ein großer Steinhaufen übrig. Heute stehen nur noch die Mauern und zwei Kirchen. In der Kleineren findet sich ein verwittertes Fresko des heiligen Christophorus mit dem Jesuskind.

Ganz in der Nähe der einstmals mächtigen Festung ist griechisches Militär stationiert – auch heute noch scheinen die Griechen also die geografische Lage als bedeutsam zu bewerten.

Antimachia liegt auf dem Weg nach Zia, einem kleinen Bergdorf, das leider von Touristen völlig überlaufen ist. Die Hauptstraße ist gepflastert mit Restaurants und Souvenirgeschäften – vom malerischen Charme Griechenlands ist hier nicht mehr viel zu entdecken. Sehenswert ist allerdings die örtliche Kirche mit ihren wunderschönen Deckenmalereien. Geöffnet ist die Dorfkirche – wie auch viele andere Kirchen auf Kos – aber nur sonntags. Punkten kann das ehemals abgelegene Bergdorf mit einem eindrucksvollen Blick auf den Sonnenuntergang.

Wer es etwas ruhiger mag, der sollte sich unbedingt den Pfauenwald Plàka anschauen: Unzählige der eleganten Vögel stolzieren dort in freier Wildbahn umher. Sie sind überhaupt nicht scheu und man kann ihr prächtiges Gefieder aus nächster Nähe betrachten – für Kinder ein echtes Highlight. Erholung und Entspannung finden Reisende natürlich auch an den wirklich schönen Sandstränden der Insel – teils ist der Sand wegen des vulkanischen Gesteins schwarz, meist aber ganz hell und fein. Das Wasser ist sauber und klar und der Wind sorgt dafür, dass Kos ein echtes Eldorado für Wassersportler ist.

Insgesamt bietet die Insel auch heute noch das, für was sie in der Antike berühmt wurde: Sie ist ein Ort, an dem Körper, Seele und Geist zur Erholung kommen können. Gesundes, griechisches Essen. Freundliche, gut gelaunte Menschen, die Gelassenheit, Charme, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft leben. Idyllische Natur mit Palmen, Strand, Olivenhainen und warmem Meer im Kontrast zu der kargen grün-braunen Berglandschaft, die im Frühjahr von Macchia, die nach wilden Kräutern duftet, in Gelb, Lila und Rosa getaucht wird. Marmorne Zeitzeugen, die die Geschichte erlebbar machen und an die einst so innige Beziehung zwischen Göttern und Menschen erinnern –und daran, wie wichtig ein gesunder Geist für einen gesunden Körper ist. Eine Insel, auf der man einmal die Seele baumeln lassen kann.

Mehr Informationen bietet der Reiseführer „Insel Trip Kos“, von Markus Bingel, erschienen im Reise Know-How Verlag, ISBN 978-3-8317-3265-4.

Artikel 4 von 9