Es wird wohl das größte Ereignis des Jahres werden: Heuer finden Veranstaltungen rund um das Gedenken an den 700. Jahrestag der Ritterschlacht 1322 statt – mit einem Jahr Verspätung. Wegen Corona gestaltete sich die Organisation im vergangenen Frühjahr schwierig. Stand in Ampfing das Historienspiel im Zentrum, dreht sich in Erharting alles um die Frage, wie es im Mittelalter zuging und wie das Leben der Ritter und der einfachen Leute aussah.
Der Mai steht im Zeichen der Ritter
Für die zentrale Gedenkveranstaltung hat der Brauchtumsverein rund um den Schirmherren und Bürgermeister Matthias Huber das Wochenende nach dem Vatertag auserkoren. Vom 18. bis zum 21. Mai werden dann rund 60 Akteure mit 20 Pferden bei Neuhäusl ein mittelalterliches Lagerleben nachstellen. Dem Brauchtumsverein geht es vor allem darum, das Wissen um das Leben im Mittelalter so authentisch und spannend wie möglich zu vermitteln. Neben einem Feldlager mit Feldküche werden mittelalterliche Berufe vorgestellt, darunter die Schmiedekunst oder die Weberei.
Die Veranstaltungen sollen familienfreundlich sein, so können Kinder etwa am Wochenende gratis teilnehmen. Schulklassen erhalten am Freitag freien Eintritt. Generell wird für alle Altersgruppen etwas geboten. Auf der Bühne spielen Gruppen mittelalterliche Musik für Tanzbegeisterte, die eine höfische Damenquadrille lernen wollen, und auch einfach nur zur allgemeinen Unterhaltung. Wem das alles noch nicht kurzweilig genug ist, der wird sich vielleicht für den „Tjost“ begeistern, ein ritterliches Zweikampfspiel mit der Lanze zu Pferd. Wem solch martialisches Treiben wiederum zu brutal ist, der kann sich dagegen bestimmt von den Gauklern ablenken lassen.
Darüber hinaus wird an die Bedeutung Erhartings im Jahr 1322 erinnert. Immerhin wurde in der heute nicht mehr vorhandenen Festung Dornberg einmal ein römisch-deutscher König festgehalten.
Veranstaltungen werden aber das ganz Jahr über angeboten: Bereits jetzt gibt es in Zusammenarbeit mit dem Geschichtszentrum Mühldorf im Wochenrhythmus Bildungsveranstaltungen für Alt und Jung, die über den Alltag eines mittelalterlichen Heeres informieren. Wie es verpflegt wurde oder etwa, was zur ritterlichen Rüstung gehört.
In Ferienkursen können Ritterutensilien unter fachmännischer Leitung selbst gebastelt werden. Auf Nachfrage werden für interessierte Schulklassen und Geschichtslehrer Schlachtfeldexkursionen in Erharting angeboten. Trotz schlechten Wetters erfreute sich die letzte Veranstaltung im Oktober ebenfalls großer Nachfrage: „Das ist Geschichtspraxis und spannender als der Stoff im Klassenzimmer“, zeigt sich Leo Biermaier vom Brauchtumsverein überzeugt.
Wieder gut gefülltes Jahresprogramm
Neben diesen Feierlichkeiten laufen aber auch in vielen anderen Erhartinger Vereinen die Planungen auf Hochtouren. Die Vereine erwachen nach den Restriktionen der vergangenen beiden Jahre zu neuem Leben. Das geht schon in der fünften Jahreszeit in wenigen Wochen mit einem Kinderfasching am 11. Februar im Pfarrsaal los und setzt sich mit dem Starkbierfest des Wirteerhaltungsvereins am 11. März beim Pauliwirt fort. Die KSK wird am Karfreitag im Sportheim Steckerlfische grillen. Im September veranstaltet der Kindergartenförderverein einen Kleiderbasar und es wird auch wieder die von den Hüttenfreunden veranstaltete Bergweihnacht auf dem Gelände des Sommerkellers geben. Fraglich ist nur noch, ob auch wieder das Gewicht des Bürgermeisters gegen Stollen aufgewogen wird. Mit dem Stephani-Umritt des Brauchtumsvereins am 26. Dezember schließt sich dann der Kreis.
Kindergarten und Nahwärmenetz
Für Bürgermeister Matthias Huber und den Gemeinderat wird es ebenfalls ein spannendes Jahr. Der Container für den Kindergarten, für den derzeit die Genehmigungsverfahren laufen, kann nur eine Übergangslösung sein: „Eigentlich reicht aufstocken nicht. Wir müssen gleich einen neuen Kindergarten bauen“, ist Matthias Huber überzeugt. Finanziert werden könnte das Vorhaben durch die noch nicht verkauften Grundstücke im Baugebiet am Fischerweg. Generell steht die Gemeinde finanziell nicht schlecht da, weil die Gewerbesteuern auch in der Coronazeit nicht eingebrochen sind. Positiv ist in Zeiten steigender Energiepreise auch die Idee, ein Nahwärmenetz aufzubauen, angekommen. Zuletzt gab es im Dezember eine gut besuchte Bürgerversammlung beim Pauliwirt, auf der ein Experte vom Institut für Systemische Energieberatung der Hochschule Landshut Konzepte vorstellte. Schon vor der Veranstaltung hatten über 190 Bürger ihr Interesse bekundet. Aktuell wertet die Hochschule die Rückmeldungen aus der Veranstaltung aus. Bürgermeister Huber rechnet Ende des Monats mit ersten Ergebnissen, dann werde man die Bürger informieren und weiter planen können.pbj