Auch das dritte Jahr seiner Amtszeit ist für den Bürgermeister Michael Hetzl von der Krisenbewältigung geprägt. „Mühldorf steht vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise grundsätzlich gut da. Wir sind hier vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie gekommen. Die Energiekrise stellt für viele der hiesigen Unternehmen eine große Herausforderung dar. Aber wir haben mit den Stadtwerken und der Energieversorgung Inn-Salzach GmbH (EVIS) eine gute Lösung zur Energieversorgung gefunden, die die Lage für die meisten Firmen bisher stabilisiert hat“, fasst er die Lage zusammen. Auch für die kommunalen Einrichtungen sind die gestiegenen Energiepreise eine Herausforderung. „Im Vergleich mit den meisten anderen Kommunen – auch in der Nachbarschaft – sind sie in Mühldorf aber noch günstig. Unsere Einrichtungen meistern die Situation, so gut es eben geht.“
Auch die Wirtschaftskraft beurteilt er als „weiterhin gut.“ Wichtig sei, dass man bisher keine nennenswerten Insolvenzen in der Stadt verzeichnen musste. Die Zahl der Gewerbebetriebe habe Ende 2022 mit erstmals über 2200 Firmen sogar ein neues Rekordniveau erreicht.
Erstmals über 2200
Gewerbebetriebe
Doch dass die vergangenen Jahre nicht spurlos an der Kreisstadt vorübergegangen sind, erkennt man an der Warteliste bei der Tafel, die immer länger wird. Auch in der Stadtverwaltung weiß man um die steigende Zahl an Menschen in Notlagen. „Durch unsere Arbeit im Mühldorfer Hilfsfonds erhalten wir Signale, dass die Zahl bedürftiger Menschen gestiegen sein dürfte“, so Hetzl. Genaue Zahlen kann er nicht nennen. Die Erhebung belastbarer Zahlen sei Aufgabe andere Stellen.
Große Projekte
warten
Mehr Grün, etwas weniger Stellplätze, höhere Aufenthaltsqualität: Das sind die Ziele der Umgestaltung des Stadtplatzes. In Kürze soll mit den Baumaßnahmen im ersten Teilabschnitt bis zur Bushaltestelle begonnen werden.
Das Gebäude Stadtplatz 58 ist geräumt und wird demnächst wieder Diskussionsgegenstand im Stadtrat sein. „Für das Heiliggeistspital konnten wir den Auftrag zur denkmalfachlichen Untersuchung vergeben und werden auf Grundlage des Ergebnisses die Weiterentwicklung vorantreiben können“, so der Bürgermeister.
Große Bedeutung für die Stadt hat zudem die Erweiterung der Mittelschule für rund zehn Millionen Euro, die Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein sollte. Bereits abgeschlossen ist der Neubau der Kinderkrippe an der Harthauser Straße.
Im kommenden Jahr sollen dann auch die letzten größeren weißen Flecken im Stadtgebiet ohne Glasfaseranschluss verschwinden: Dann will man den Breitbandausbau etwa an der Ahamer Straße und im Industriepark abgeschlossen haben.
Größtes Neubaugebiet aktuell ist das Eichfeld. Hier soll der Hausbau in diesem Jahr Fahrt aufnehmen und auch die Planung für eine Versorgung mit Geothermie aus der Nachbargemeinde Polling sei weit fortgeschritten.
Hallenbad bleibt
Sorgenkind
Fünf Standorte für ein neues Hallenbad hat die Beratungsfirma Conprom ausgemacht. Neben dem aktuellen Standort kämen demnach das Freibad, die Rennbahn, die Mittelschule und die Nordtangente östlich der Kiesgruben infrage. An der Mittelschule und der Nordtangente könnte lediglich ein kleineres Sportbad entstehen. Idealer Standort für einen Neubau des Hallenbads ist laut Hetzl am Freibad: „Darüber herrscht im Stadtentwicklungsausschuss mehrheitlicher Konsens.“ Für den Standort Freibad sprechen die beträchtlichen Synergieeffekte. Dort kann eine Kombination aus Familien- und Sportbad mit Saunaanlage entstehen. „Die Lebenszeit des jetzigen Hallenbads läuft in fünf Jahren ab – bis dahin sollten wir mit dem Neubau fertig sein“, so sein Wunsch. Für Unruhe sorgte im vergangenen Jahr der Tatvorwurf der Untreue gegen den damaligen Kämmerer der Stadt, der seit einem guten Jahr nicht mehr im Dienst ist. Seit Ende vergangenen Jahres ist auch der Mitarbeiter, der die Finanzverwaltung fast ein Jahr stellvertretend geleitet hat, ins Visier der Ermittler geraten. Kann die Stadtkämmerei ihren Aufgaben dennoch nachkommen? Gibt es Lösungsansätze, die verhindern können, dass so etwas künftig passieren kann? „Der Dienstbetrieb ist jederzeit gewährleistet. Wir haben die Stelle des stellvertretenden Kämmerers bereits dauerhaft neu besetzt. Die Stelle des Kämmerers wurde ausgeschrieben. Wir hatten in diesem Bereich kein strukturelles Problem. Insofern gibt es keinen Anlass zur Sorge, dass es dort künftig nicht rund läuft“, beruhigt Michael Hetzl. vk