Keinen Plan gegen das Hochwasser

von Redaktion

Versicherer beklagen zu viele Neubauten in Überschwemmungsgebieten

Nicht erst seit der Flutkatastrophe 2021 – die vor allem Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, aber auch Bayern mit verheerender Wucht heimsuchte – weiß man um die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen und umsichtiger Bauplanung. Laut des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind allerdings deutsche Behörden in der Genehmigung neuer Bauprojekte deutlich weniger lernfähig als es dringend erforderlich wäre – denn in Überschwemmungsgebieten werde nach wie vor zu viel neu gebaut.

Über 180 Todesopfer forderte die Flutkatastrophe 2021 – passiert ist seitdem zur städtebaulichen Vorsorge wenig. Im Gegenteil: Laut Berechnungen des GDV kamen pro Jahr etwa 1000 bis 2400 neue Wohngebäude in den Risikogebieten hinzu. Basis für die Berechnungen ist dabei das von Versicherern entwickelte und mit entsprechenden Katastrophendaten gefütterte Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen. Damit können Versicherer für jedes Gebäude die Hochwassergefährdung abschätzen. Laut Zonierungssystem liegen in Deutschland rund 338000 Wohngebäude in hochgefährdeten Überschwemmungsgebieten.

„Wir sind der Meinung, dass in Überschwemmungsgebieten grundsätzlich nicht neu gebaut werden sollte“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Tatsächlich ist aber der prozentuale Anteil neuer Wohngebäude in Überschwemmungsgebieten in den vergangenen 23 Jahren gestiegen.“ Der GDV plädiert vor diesem Hintergrund für eine Anpassung des Bau- und Planungsrechts. „Nur durch klimaangepasstes Bauen können die volkwirtschaftlichen Schäden der Zukunft durch Klimaänderungen und Extremwetterereignisse verringert werden“, sagt Asmussen.

Doch was ist der Grund für diese Entwicklung? Wohnraum wird bekanntlich immer knapper in Deutschland – Kommunen nutzen daher bereits erschlossene Infrastruktur, um kostengünstig neu zu bauen, und das auch immer näher an gefährdende Flussläufe heran. Ein weiterer Grund: Aus Sicht der Versicherer berücksichtigen die geltenden Bauvorschriften die Auswirkungen des Klimawandels bislang nicht. Daher fordert der Verband, klimaangepasstes Bauen – also auch, was den Gefährdungsstandort anbelangt – in die Baugesetzgebung aufzunehmen. Städten und Gemeinden wäre es dann schlicht untersagt, in hochwassergefährdeten Gebieten neu zu bauen. Ck

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