Gesundes Gemüse aus der Region

von Redaktion

Solawi Jolling eG über Resilienz in Krisen – Tipps zur Bodenbearbeitung

Hohe Inflation und steigende Preise im Supermarkt, an der Tanksäule und bei der Stromrechnung sorgen für Verunsicherung. In Solidarischen Landwirtschaften trägt eine Gruppe von Menschen gemeinsam die Verantwortung für eine Landwirtschaft. Die OVB Heimatzeitungen wollten wissen: reagieren kooperative Ernährungssysteme anpassungsfähiger als der Markt? Ein Gespräch mit Carla Veith, Mareike Melain und Hubert Mitterer, dem Vorstandsteam der Solawi Jolling eG in Bad Endorf.

Was ist der Unterschied zwischen Hofladen, Grüner Kiste und Solawi?

Mitterer: Im Hofladen besorgen Kund:innen relativ spontan, was sie gerade brauchen. Eine grüne Kiste ist ein Abo, auf das man sich etwas langfristiger einlässt. Der Inhalt der Kiste kann dabei, wie im Hofladen, auch dazugekauft sein und aus anderen Regionen kommen. In einer Solawi wird die Landwirtschaft als solche, also der Anbau und die Produktion finanziert. Unsere Mitglieder erklären sich bereit, die Verantwortung für die Landwirtschaft gemeinsam, mindestens ein Jahr lang, zu übernehmen. Der Ausschussanteil in Solawis ist sehr gering, da auch krumme Karotten und Gurken ausgegeben werden – die schmecken genauso.

Welche Produkte bietet ihr an?

Veith: In die Kiste kommt so fast alles, was der regionale und saisonale Anbau bietet: von Asiasalaten über Gurken, Karotten, Rote Bete, Postelein, Spitzkraut, Wintersalate bis Zucchini und vieles andere mehr. Wir arbeiten mit drei ökozertifizierten Betrieben zusammen, die den Anbau der rund 40 verschiedenen Gemüsesorten übernehmen.

Melain: Im Jahresverlauf erhalten unsere Mitglieder unterschiedlich viele Lebensmittel. In der Sommerfülle ist der Anteil größer, winters gibt’s naturgemäß weniger Frisches und mehr Lagergemüse. Solawi bedeutet auch, sich regional und nach dem Jahresverlauf zu ernähren.

Unsere Lieferwege sind kurz und die Ernteteilenden wissen, was auf den Teller kommt und unter welchen Bedingungen es angebaut wurde. Außerdem ist das Kochen mit saisonalen und regionalen Lebensmitteln meist abwechslungsreicher und geschmackvoller.

Wie geht es der Solawi mit den Krisen und Preissteigerungs-Szenarien?

Mitterer: Unsere kleinbäuerliche Solawi ist durch regionalen, ökologisch nachhaltigen Anbau weniger als die industrielle Landwirtschaft von internationalen Märkten, Lieferketten und damit verbundenen Problemen betroffen. Die Preissteigerungen bei der Petrochemie betreffen Solawis somit weniger. Im ökologischen Anbau wird zum Beispiel mit stickstoffsammelnden Hülsenfrüchten gearbeitet oder mit langsam wirkenden organischen Düngern wie Mist oder Kompost aus dem eigenen Betrieb. Auch biologisch-dynamische Präparate kommen bei uns zum Einsatz. Allgemeine Preissteigerungen für Dünger betreffen uns also nicht. Aber gestiegene Preise für Diesel oder Strom kommen natürlich auch bei uns an.

Hier bietet eine gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft allerdings solidarische Lösungen. Denn hinter den Produzierenden steht die Gemeinschaft von Ernteteilenden, die als Gruppe eine solidarische Aufteilung der gestiegenen Kosten anbieten kann.

Generell lässt sich sagen, dass Solawis unabhängiger von den am Markt gestiegenen Preisen sind, da sie lokaler wirtschaften, die Wertschöpfung in der Region erfolgt und in der aktuellen Situation unabhängiger von energieintensiven Zusätzen sind. Alles in allem zeigt die Solidarische Landwirtschaft also einen hohen Grad an Resilienz und trägt zur Stabilität in der Landwirtschaft sowie zu einer Ernährungssouveränität in der Region bei.

Viele Gemüsefans starten jetzt im eigenen Garten mit dem Aussäen und dem Pflanzen der Jungpflanzen. Bevor es dazu kommt, wird der Boden vorbereitet. Was ist hier wichtig?

Melain: Nach der langen Gartenpause, zu die uns die Witterung zwingt, ist es bei vielen Gartenbesitzer:innen ein Impuls, erstmal ordentlich umzugraben. Um die wertvollen Bodenlebewesen wie Regenwurm, Käfer und auch unzählige Mikroorganismen zu erhalten – denn sie sind es ja, die uns mit wertvollem und ertragreichem Humus beschenken – sollte auf eine möglichst bodenschonende Bearbeitung geachtet werden. Generell sollte auf ein großflächiges Umgraben und Umdrehen der Erde verzichtet werden. Besser für einen lebendigen Boden ist es, den Boden mit einer Grabegabel nur leicht zu lockern, um Sauerstoff in den Boden zu lassen. Im Verlauf der Saison sollten Hobby-Gärtner:innen darauf achten, dass der Boden immer bedeckt ist – entweder mit der angebauten Kultur, Mulchmaterial (zum Beispiel altes Laub oder Rasenschnitt) oder einer sogenannten Zwischenkultur wie etwa der wundervoll blühenden Phazelie. Wer auf einen lebendigen Boden achtet, baut Humus auf und erfreut sich an einer üppigen Ernte!

Wie kann man bei euch mitmachen?

Veith: Persönlich kennenlernen kann man uns bei unseren Führungen und Festen. Ein Einstieg in eine Mitgliedschaft und Erntevereinbarung sowie auch in das dreimonatige Probeabo sind übers ganze Jahr hin möglich. Mehr Infos gibt es unter www.jolling.de.

Das Interview führte Andrea Klermann.

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