Richtiges Verhalten auf den Almen

von Redaktion

Kreisbäuerin Katharina Kern über das Zusammenspiel von Tourismus und Landwirtschaft

–Fortsetzung–

Die Natur ist die eine Seite – die Landwirtschaft die andere. Schließlich gehen Almbauern etwa vier bis fünf Monate im Jahr ihrer beruflichen Tätigkeit auf den Almen nach. Wenn die Vegetationszeit beginnt, darf man Almflächen theoretisch nicht mehr betreten. Spätestens da, wo Zäune stehen, ist sowieso Schluss.

Alm in erster Linie
für die Tiere da

Leider halten sich immer noch einige Wanderer und Sportler nicht daran. „Viele Leute können sich das vielleicht nicht vorstellen, aber die Alm ist in erster Linie für die Tiere da“, erklärt Kern. „Wir haben gerne Gäste auf der Alm, aber es wäre schön, wenn sie sich auch so verhalten würden.“

Sie wünscht sich daher mehr Respekt vor ihrer Arbeit und natürlich auch vor den Tieren. In der Region Miesbach gebe es bereits „Ranger“, die genau das überwachen sollen. Wo das nicht der Fall ist, stehen auch oft Schilder.

Erst vor zwei Wochen war Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber zur Ratzingerhöhe bei Rimsting gekommen und hatte diese gemeinsam mit Vertretern der örtlichen Kommunen – darunter auch Kreisbäuerin Kern – mit Landwirten und Jägern zur bayerischen Modellregion für die länderübergreifende Initiative „Respektiere deine Grenzen“ ernannt.

Die Initiative wurde ursprünglich im österreichischen Vorarlberg ins Leben gerufen, um sensible Lebensräume von Tieren und Pflanzen sichtbar zu machen, damit sich Mensch und Natur nicht ins Gehege kommen. Informationen und Hinweisschilder sollen an den ausgewiesenen Plätzen Erholungssuchende und Freizeitsportler auf die Bedürfnisse von Wild-, Weide- und Almtieren aufmerksam machen. Gleichzeitig vermitteln die Schilder Wissen über ein respektvolles Verhalten in der Natur. In Bayern hat man sich 2022 der Initiative angeschlossen und auf der Höllenbachalm im Berchtesgadener Land im vergangenen Sommer erste Hinweisschilder angebracht.

Gefragt: Gesunder Menschenverstand

Wo aber keine Schilder stehen, da ist gesunder Menschenverstand gefragt – oder die Hinweise von Katharina Kern: „Ich würde mir wünschen, dass die Viehtränke nicht mehr als Hundebadewanne genutzt wird. Und auch, dass ‚Hundesackerl‘ wieder mitgenommen werden.“

Wichtig sei es zudem, die Zäune und Gatter wieder zu verschließen und auch als Radfahrer umsichtig und auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben. Müll sollte selbstverständlich generell nicht von den Bergaktivitäten zurückbleiben.

Almen sind
kein Streichelzoo

Ein wichtiger Hinweis vor allem an Familien ist: „Die Alm ist kein Streichelzoo. Auch wenn es zu verlockend ist, sie anzufassen, sind die Tiere oft mit sich selbst beschäftigt oder unterstehen einer gewissen Rangordnung in der Gruppe. Dann kann es schon einmal zu Zwischenfällen kommen.“ Das gelte für Rinder wie für Pferde.

Dass man beide nicht füttert, versteht sich von selbst. Denn vor allem die jungen Haflinger würden sonst denken, dass in jedem Wanderrucksack eine Leckerei wartet.

„In der Regel entstehen Konflikte aus Versehen und durch Unwissenheit“, so Ministerin Kaniber bei der Veranstaltung zur Aktion „Respektiere deine Grenzen“ auf der Ratzinger Höhe. „Wir wollen aufklären und so zu einem besseren Verständnis für die Lebensräume von Tieren und Pflanzen beitragen, aber auch für die Arbeit von Landwirtinnen und Landwirten. Auf lange Sicht haben alle einen Nutzen davon.“

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