Jeden Tag mit Menschen arbeiten, auf sie eingehen, ihre Wünsche umsetzen und dabei zusehen, wie sie strahlend den Laden verlassen – der Friseurberuf bringt zahlreiche schöne Aufgaben mit sich. Oft wird er allerdings zu Unrecht verurteilt und es entsteht der Eindruck, als wären Friseurinnen und Friseure nur Dienstleister, die mit undankbaren Kunden zu tun haben.
Die gängigsten Irrtümer kurz aufgeklärt:
1. Der Verdienst ist viel zu knapp
Natürlich gibt es Berufe, die höher vergütet werden. Allerdings wählt man eine Tätigkeit meist nicht nur wegen des damit verbundenen Gehalts, sondern oft vielmehr aufgrund der persönlichen Interessen und Neigungen. Wer in Bayern im Jahr 2023 eine Friseurausbildung beginnt, erhält laut Friseurinnung München im ersten Lehrjahr 620 Euro, im zweiten 731,60 Euro und im dritten 837 Euro.
Nach Abschluss der Ausbildung gilt: Berufseinsteiger als Friseure mit Gesellenprüfung müssen mit niedrigeren Stundenlöhnen rechnen, während erfahrene Friseur/innen, Geschäftsführer beziehungsweise Betriebsleiter eines Friseursalon oder selbstständig tätige Friseurmeister besser verdienen können.
2. Friseur/innen müssen am Wochenende arbeiten
Tatsächlich haben die meisten Friseurläden samstags geöffnet. Stehen Hochzeiten oder besondere Termine an, kann es auch einmal sein, dass an Feiertagen oder abends gearbeitet werden muss. In der Regel werden solche Sonderdienstleistungen dann aber auch gesondert vergütet. Zudem halten viele Friseurläden am gängigen Modell fest: Sie erklären statt Samstag den Montag zum freien Tag – sodass unterm Strich ein ganz normales zweitägiges Wochenende stehenbleibt. Freie Montage bieten außerdem nicht nur für Mütter mit Kindern Vorteile.
3. Friseur/innen müssen sich Lebens- und Leidensgeschichten der Kunden anhören
„Das stimmt“, so eine Angestellte von Irmi Petzinger Friseur in Feldkirchen, und erzählt weiter: „Aber gleichzeitig habe ich genau deswegen auch Teil an diesen Lebensgeschichten. Ich bin dabei, wenn die Kunden heiraten. Wenn sie ihre Kinder zum ersten Haarschnitt bringen oder wenn sie einfach nur zu mir kommen, um sich bei einer kleinen Auszeit vom Alltag zu entspannen. Was gibt es Schöneres?“.
4. Die Tätigkeit wiederholt sich jeden Tag
Der Friseurberuf ist entgegen weit verbreiteter Meinungen sehr abwechslungsreich. Auch wenn angestellte Friseurinnen und Friseure selten ihren Einsatzort wechseln, bringen die Kunden jeweils unterschiedliche Wünsche mit, die es umzusetzen gilt. Spannend ist jedes Mal aufs Neue: Wie lässt sich diese neue Herausforderung lösen? Welche Frisur setzt den individuellen Charakter des jeweiligen Kunden am besten in Szene? Das herauszufinden erfordert Einfühlungsvermögen und Geschick – eine Fähigkeit, die Friseurinnen und Friseure auszeichnet.
5. Friseur/innen arbeiten mit giftigen Chemikalien
In der Tat werden im Friseurhandwerk chemische Mittel eingesetzt, um Haare zu färben oder zu bleichen. Allerdings wird immer weiter an schonenden Zusammensetzungen gearbeitet. Viele Mittel haben sich dahingehend verbessert. Zum Schutz helfen außerdem Einmalhandschuhe. Für extrem empfindliche Hauttypen kann der Umgang mit den Mitteln oder auch mit Wasser und Shampoo trotzdem ein Problem sein – daran sollte bei der Berufs- bzw. Ausbildungswahl in jedem Fall gedacht werden.
„Ich liebe es, Friseurin zu sein. Weil ich jeden Tag erleben darf, welche Kunstwerke wir mit bloßen Händen erschaffen. Ich kann mich jeden Tag selbst verwirklichen und komme dabei mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt“, so die Angestellte von Irmi Petzinger Friseur abschließend.
Veronika Görlitz