Mittelschule, M-Zweig, Ausbildungsbetrieb gewechselt und am Ende als beste Absolventin ihres Jahrgangs bei den IHK-Prüfungen abgeschnitten – bundesweit. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, ist der Hartnäckigkeit, dem Ehrgeiz und auch dem Talent von Stephanie Schwertfellner zu verdanken und natürlich ihrem Ausbildungsbetrieb.
„Wie war das? Was machst du?“ Stephanie Schwertfellner kennt das. Wenn die 21-Jährige gefragt wird, was sie beruflich macht, schaut sie oft in ratlose Gesichter. Sie ist Technische Systemplanerin, Fachrichtung Versorgungs- und Ausrüstungstechnik. Ein Beruf, der aktueller ist denn je, schließlich kümmern sie sich um alle Bereiche der Gebäudetechnik: Heizung, Lüftung, Sanitär. Stephanie Schwertfellner berechnet zum Beispiel Luftmengen in einem Raum, bestimmt die Größe von Heizflächen oder die Dimensionen von Rohrleitungen. Sie zeichnet am PC mit einem CAD-Programm, wie Heizungs- und Lüftungsanlagen, Versorgungsleitungen und Technik in Gebäuden eingebaut werden sollen. Ihre Pläne werden von Handwerkern bei der Montage auf der Baustelle ganz genau umgesetzt.
Für ihre IHK-Prüfung musste sie eine Heizungsanlage mit Fernwärmeanschluss für ein Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen planen und anschließend in einem Fachgespräch den Prüfern präsentieren. Dass sie das souverän meistern konnte, hängt auch mit ihrem Ausbildungsbetrieb zusammen. Im Ingenieurbüro Strasser in Ampfing wurde sie von Anfang an gefordert und konnte eigenständig Aufgaben übernehmen und Lösungen erarbeiten. Das Büro übernimmt ganz unterschiedliche Projekte, Wohnungs- oder Gewerbebauten, Schulen und Kindergärten, Neubau und Sanierungen: „Insofern ist jedes Projekt wieder anders“, erzählt sie.
Auch wenn viel gerechnet und am PC gezeichnet wird, ist es kein reiner Bürojob. „Es gibt immer wieder Baustellenbesichtigungen, Treffen mit Architekten, Bauträgern oder Gespräche mit Vertretern von Firmen, die Gebäudetechnik herstellen“, erzählt sie. Auch Teamwork ist gefragt, nicht nur mit Blick auf die Kollegen: „Wir müssen viele Absprachen mit den Projektbeteiligten treffen.“ Auf den Beruf ist sie gekommen, über das, was sie gut kann und was ihr immer schon Spaß gemacht hat: Zeichnen. „In der Schule habe ich auf dem Zeichenbrett grafische Formen skizziert. Sich diese Formen dreidimensional vorzustellen, ist mir leicht gefallen“, erzählt sie.
Einfach machen, was man am besten kann
In der Ausbildung wird natürlich am PC gearbeitet, wobei sie immer noch gerne ab und an auf Papier erste Ideen skizziert. Nachdem sie die Mittelschule mit der mittleren Reife abgeschlossen hatte, wollte sie eigentlich Produktdesignerin werden, ist aber über Bekannte bei der dreieinhalbjährigen Ausbildung zur Technischen Systemplanerin gelandet. In der Berufsschule waren von den 25 Schülern vier Frauen: „Schade, dass so wenige diesen Beruf auf dem Schirm haben.“
Angefangen hat sie ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb, in dem es dann aber Probleme gab: „Ich habe mich dann dazu entschlossen, mitten in der Ausbildung zu wechseln.“ Sie hörte sich um und konnte dann problemlos bei der Firma Strasser weitermachen.
Wenn Stephanie Schwertfellner rückblickend über ihren Erfolg erzählt, klingt das zunächst, als könne sie gar nichts dafür: „Ja, die Prüfungen seien gut gelaufen“, sagt sie bescheiden, aber dass sie damit bei der Nationalen Bestenehrung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) auf einer Bühne in Berlin mit Arbeitsminister Hubertus Heil stehen wird, hätte sie niemals gedacht.
Im Januar vergangenen Jahres schrieb sie ihre IHK-Prüfung, im März bekam sie das Ergebnis: 98 von 100 Punkten. Im September kam eine Einladung der IHK, mit der Mitteilung, dass sie zu den besten Absolventen Oberbayerns gehört, im Dezember folgte der Anruf, dass sie zu den besten Bayerns gehört. Als dann Anfang März die Einladung nach Berlin kam, weil sie auch hier die Bestenliste anführte, war die Aufregung groß. „Das war schon cool. Ich kannte Berlin vorher nur von der Durchreise.“ Auch die Veranstaltung war beeindruckend: „Die Ehrung wurde live übertragen und es gab vorher eine Generalprobe.“
Was ihr die Auszeichnung bedeutet? „Es ist super, dass die Leistung wertgeschätzt wird, und dass wir Absolventen das Gefühl vermittelt bekommen, dass wir die Zukunft sind.“ Katharina Vähning