Vier Tage Woche für Azubis

von Redaktion

Ein Weidenbacher Metallbauer führt die Vier-Tage-Woche ein

„Wir haben im vergangenen Jahr überlegt, wie wir unsere Arbeitszeiten besser gestalten können“, sagt Anton Hudlberger, Kreishandwerksmeister und Obermeister der Metallinnung Altötting/Mühldorf. Der Grund: Es gibt Mitarbeiter, die in der Werkstatt arbeiten, mit festen Arbeitszeiten, andere fahren auf Montage und haben oft neben den Fahrzeiten längere Arbeitstage, vor allem, wenn am Freitag eine Baustelle abgeschlossen werden muss. Das sorgte für Unmut.

Um die Arbeit gerechter zu verteilen, hat der Betrieb eine Vier-Tage-Woche für alle eingeführt. Aus der 40-Stunden-Woche wurde zunächst eine 39-Stunden-Woche. „Die eine Stunde weniger haben wir finanziell ausgeglichen, sodass den Mitarbeitern kein Nachteil entsteht“, erklärt Anton Hudlberger. Ein Arbeitstag hat 9,75 Stunden, vier Tage die Woche. Mit der Umstrukturierung musste auch die Urlaubsregelung umgestellt werden: „Also haben wir alle über den Jahreswechsel Resturlaub abgebaut und konnten von vorne anfangen.“

Regelung
hinterfragen

Die Mitarbeiter starten um 6.30 Uhr und arbeiten bis 17 Uhr. Das gilt gleichermaßen für die Lehrlinge. Den Auszubildenden unter 18 Jahren steht dabei eine Stunde Mittagspause zu. Im Mai gab es eine erste Feedbackrunde: „Wir haben uns zusammengesetzt und das Konzept hinterfragt“, sagt der Innungsmeister. Die Mitarbeiter hätten alle dafür gestimmt, die Vier-Tage-Woche beizubehalten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Mitarbeiter, die einen weiteren Anfahrtsweg haben, sparen sich einmal pro Woche die Spritkosten.

„Bei uns machen alle mit, auch die Verwaltung“, so Hudlberger. Das hat zu einem weiteren positiven Nebeneffekt geführt: Unter der Woche ist der Betrieb länger telefonisch erreichbar, von 7 bis 17 Uhr und auch freitags von 7 bis 12 Uhr. Der Betrieb ist ein Familienunternehmen und freitags ist der Firmenchef persönlich vor Ort. Die Produktivität hat unter der Vier-Tage-Woche nicht gelitten, bestätigt Anton Hudlberger: „Im Montagebereich hat sich das Konzept positiv ausgewirkt. Wir können durchaus Baustellen auf vier Tage abarbeiten, für die wir sonst fünf Tag benötigt haben.“ Bisher musste noch kein Mitarbeiter am Freitag eingesetzt werden. „Es gibt aber Mitarbeiter, die würden zur Not einspringen und dafür den Montag freinehmen.“

Auch mit Blick auf die Rekrutierung neuer Auszubildender kommt die Vier-Tage-Woche gut an: „Wir hatten einen Schüler im Schnupperpraktikum bei uns, der in mehreren Betrieben Praktika gemacht hat. Was ihm bei uns gefallen hat, war, dass das Wochenende drei Tage hat!“

Sein Konzept machte auch Kollegen neugierig. Er hat bereits mehrere Anrufe von Unternehmern bekommen, die wissen wollten, wie er die Vier-Tage-Woche im Detail gestaltet. „Ein Betrieb hat das mittlerweile ebenfalls umgesetzt, andere erkundigen sich bei mir nach den Modalitäten.“ Manche sehen in der Vier-Tage-Woche das Konzept der Zukunft. Es sei aber nicht für jeden umsetzbar.

Der Innungsmeister gibt gerne Tipps. Konkurrenz gebe es unter den Handwerksbetrieben in seiner Branche wenig: „Wir haben festgestellt, dass es am Ende immer besser miteinander als gegeneinander geht!“ vk

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