Wenn es in der Ausbildung hakt

von Redaktion

Profis im Ruhestand helfen Auszubildenden bei Problemen – unbürokratisch und kostenfrei

Ein Modellbauer, der Probleme mit dem dreidimensionalen Erkennen hat, ein Auszubildender, der sich mit der deutschen Sprache schwertut und viele Fachbegriffe nicht versteht, eine Auszubildende, die private Probleme im Elternhaus plagen: „Egal, ob es um fachliche Fragen, soziale Probleme oder Lernschwierigkeiten geht, Auszubildende können sich mit all ihren Problemen an uns wenden“, sagt Franz Schropp. Er ist zwar seit Jahren im Ruhestand, aber von Ruhe kann bei ihm keine Rede sein. Auszubildende und die Betriebe mit ihrem Fachkräftemangel sind seine Herzensangelegenheit. Daher engagiert er sich seit der Gründung im Jahr 2008 bei VerA SES (siehe Kasten). Hinter dem sperrigen Namen steht ein niedrigschwelliges Angebot: Jeder Azubi kann sich auf der Internetseite unter vera.ses-bonn.de an die Profis im Ruhestand wenden. Dann sucht der Projektkoordinator Schropp, der für Bayern zuständig ist, einen passenden Begleiter aus. Das Angebot ist kostenfrei.

Über 280 Begleiter in
Oberbayern

Allein in München und Oberbayern sind über 280 Begleiter aktiv: Was genau vereinbart wird, wie die Hilfe aussehen kann, wird mit den Azubis besprochen. Ob der Betrieb, die Berufsschule oder die Eltern mit ins Boot geholt werden, bestimmen die Azubis selbst: „Manche möchten das, andere lehnen das kategorisch ab und wir akzeptieren das“, erklärt Franz Schropp die Bedingungen. Auch wie lange die Begleitung dauern soll, kann der Auszubildende steuern.

Wichtig ist, dass der Begleiter und der Auszubildende sich verstehen: Wenn es etwa um Prüfungsvorbereitungen in Elektrotechnik geht, braucht es jemanden vom Fach: Aber die Probleme müssen nicht zwangsläufig berufsbezogen sein: „Wir hatten auch schon einen Betriebswirt, der eine Friseurin und einen Chemielaboranten erfolgreich bis zum Abschluss begleitet hat. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Chemie zwischen dem Auszubildenden und dem Begleiter passt.“ Melden sollten sich die Azubis, sobald sie merken, dass Probleme auftauchen: „Ein Begleiter kann natürlich nicht drei Monate vor den Abschlussprüfungen den Stoff von drei Jahren nachholen.“

25 Prozent aller
Verträge werden vorzeitig abgebrochen

Dass in Deutschland etwa 25 Prozent aller Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst werden, muss nicht sein, so die Überzeugung von Franz Schropp. Auch dass nach einem Ausbildungsabbruch nur etwa die Hälfte der Betroffenen eine Ausbildung in einem anderen Beruf fortsetzen, ist für ihn inakzeptabel. Dass es überhaupt so weit kommt, hängt für ihn maßgeblich mit Fehlinformationen zusammen: „Viele Schüler machen sich nicht wirklich schlau über den Beruf oder nutzen das Schulpraktikum nicht für das, was sie wirklich interessiert“, so Schropp. Er weiß von Jugendlichen, die ein Praktikum in einem Discounter machen, weil der direkt neben der elterlichen Wohnung liegt und bequem zu erreichen ist. „Dabei wollte der junge Mann eigentlich Kfz-Mechatroniker werden.“ Ein anderer wollte zum Beispiel Koch werden, weil er die Kochsendungen im Fernsehen super findet: „Das hat natürlich mit dem Berufsalltag nichts zu tun“, so der Projektkoordinator. Informationen über Berufe gibt es genug: Beschreibungen, Filme, auch Tests, ob ein Beruf zu einem passt. „Aber viele nehmen das nicht wahr.“ Am besten sei aber immer noch ein Praktikum.

Das duale Bildungssystem kennt Franz Schropp in- und auswendig. Er war Geschäftsführer und Leiter der Abteilung berufliche Bildung der IHK und hat gemeinsam mit Rudolf Herwig die Regionalkoordination übernommen und ist Ansprechpartner für ganz Bayern. Außerdem ist er als Senior Technical Delegate von WorldSkills Germany seit 1973 auf internationalen Berufswettbewerben unterwegs.

Für VerA organisiert er zweitägige Vorbereitungsseminare für angehen Ehrenämtler, die als Begleiter tätig werden wollen. Er erklärt, wie man etwa für die Prüfungsvorbereitung an alte Prüfungsaufgaben kommt, wo man die jeweilige Ausbildungsordnung findet, die längst nicht jedem Azubi bekannt ist. „Es gibt auch einen Erfahrungsaustausch unter den Begleitern: Was läuft gut, was nicht so toll.“ Für ihn ist die Arbeit sehr erfüllend. Sie ist sinnstiftend, hält ihn jung und er lernt selber viel dazu. Wer sich für die Arbeit interessiert, kann sich gerne an ihn wenden.Katharina Vähning

Was ist VerA SES?

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