In der diesjährigen Standort-Umfrage der IHK München-Oberbayern gaben die Unternehmen dem Landkreis Mühldorf die Note 2,2. Trotz der enormen Herausforderungen konnte der Landkreis damit sein Ergebnis von 2019 wiederholen.
Die Unternehmen stünden angesichts der zurückliegenden Corona-Krise, den weltweiten Unsicherheiten und der Energiewende vor großen Herausforderungen, kommentiert Herbert Prost, Geschäftsstellenleiter der IHK für München und Oberbayern in Mühldorf, das Ergebnis: „Wie auch im Nachbarlandkreis Altötting muss uns insbesondere die Gefahr einer schleichenden Deindustrialisierung große Sorgen bereiten. Gleichzeitig kämpfen die Unternehmen derzeit in nahezu allen Branchen um die notwendigen Arbeitskräfte.“ Die großen Vorteile des Standortes sieht er in der regionalen Versorgung mit erneuerbaren Energien und im Bereich der guten Verkehrsanbindung. Das habe auch die IHK-Standortumfrage gezeigt.
Für Landrat Max Heimerl liegen die Stärken des Landkreises zum einen in seiner Unternehmensstruktur, einer gesunden Mischung aus Global Playern, vielen großen, international agierenden Unternehmen und sehr vielen kleinen und mittelständischen Betrieben: „Eingebettet in die Tourismusregion Inn-Salzach bietet der Landkreis einen hohen Freizeitwert und ist zertifizierte Radregion“, so Max Heimerl. Gut aufgestellt sei er auch durch den Campus Mühldorf der Technischen Hochschule Rosenheim: „Der bietet heimatnahe Studiengelegenheiten unter dem Motto ‚Studieren, wo der Mensch zählt‘ mit den Studiengängen ‚Angewandte Psychologie‘, ‚Pädagogik der Kindheit‘ und ‚Soziale Arbeit‘. Berufsbegleitende Studiengänge werden im Bereich ‚Betriebswirtschaft und Management‘ sowie ‚Maschinenbau‘ angeboten.“ Für die Wirtschaft liegen für ihn die Stärken des Landkreises in der infrastrukturellen Anbindung und im Bereich erneuerbare Energien. „Diese Stärken werden wir in der Entwicklung einer ‚A94 2.0‘ mit unserer Studie zum Wirtschaftsraum und zur Innovationsachse A94 zusammenbringen und maximieren. Wir wollen unsere Wirtschaftskraft nachhaltig, innovativ und flächenoptimiert ausbauen“, so Heimerl.
Photovoltaik entlang der A94
Weitere erneuerbare Energiequellen sollen entlang der Autobahn erschlossen werden. Das Pilotprojekt „Wirtschaftsraum und Innovationsachse A94“ will unterschiedliche Überlegungen und Herausforderungen zusammenführen, um über Gemeindegrenzen hinweg zukunftssichere Lösungen zu entwickeln. Angedacht sind Energiegroßprojekte mit Speichermöglichkeiten, die Lärmschutz mit Photovoltaik kombinieren. Dabei sollen idealerweise auch Ladestationen und Wasserstofftankstellen entstehen. Der Netzausbau und die Gewerbeansiedlungen an der Achse A94 sollen dabei sinnvoll und in Verbindung mit regionaler Wertschöpfung erfolgen.
Eine besondere Herausforderung sei nach wie vor die Energiekrise: „Die hervorragende Wirtschaftskraft zu halten und Klima- und Energiemanagement voranzutreiben, sind daher die wichtigsten Schwerpunkte für die nächsten Jahre, insbesondere um weiterhin attraktive Flächen sowohl für unsere regionale Wirtschaft und für neue Unternehmen anbieten zu können. Auch diese Themen werden in der von uns angeschobenen Studie zur ‚A94 2.0‘ vom Freistaat intensiv beleuchtet“, so Heimerl. Mit der Übernahme und der Finanzierung plädiere der Freistaat Bayern für einen prosperierenden Landkreis Mühldorf, sodass man hier zuversichtlich in die Zukunft blicken könne.
Zukunft InnKlinikum
Und dann ist da nach wie vor das Problem mit der regionalen Gesundheitsversorgung. „Wir haben vor Ort mit der Neuausrichtung des InnKlinikums unsere Hausaufgaben gemacht. Wir bilden Zentren und bauen Doppelstrukturen ab. Der Reformprozess ist bei uns längst im Gange, obwohl viele Parameter, wie die Krankenhausreform umgesetzt werden soll, noch gar nicht feststehen. Wenn unsere Forderungen nach Überbrückungshilfen für die Kliniken vom Bundesgesundheitsminister nicht endlich erhört werden, dann ist unsere regionale Gesundheitsversorgung in Gefahr. Hier erwarten wir vom Bund Unterstützung und endlich ein klares Handeln“, so der Landrat.
Wohnraum und Kinderbetreuung
„Ein nachhaltiger Wirtschaftsraum muss die Fachkräftegewinnung und -sicherung gezielt mitdenken. Dafür muss die Region Inn-Salzach als attraktiver Wohn- und Arbeitsraum ansprechend sein“, sagt Heimerl und verweist dabei auf die Bildungsoffensive für lebenslanges Lernen, mit der seit Jahren gezielt Schritte unternommen würden. Aber auch das angelaufene Regionalmanagement hat das Thema Fachkräftesicherung im Blick: „Wir arbeiten im Landkreis intensiv an den Zuzugsfaktoren für Arbeitskräfte. Dazu gehört unter anderem der Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, die Investitionen in unsere Schulen wie zum Beispiel den Neubau des BSZ und des Gymnasiums Gars, die Weiterentwicklung des Campus Mühldorf sowie die Sicherstellung der medizinischen Versorgung, für die ich sehr kämpfe. Darüber hinaus sind wir mit unserer Bildungsmesse Inn-Salzach und unserem Ausbildungsverzeichnis der größte Anbieter von Berufsorientierungsangeboten in der Region.“
Weiter voranbringen sollen den Landkreis auch das Regionalmanagement Inn-Salzach, eine Initiative, in der seit dem 1. Juli die Landkreise Mühldorf und Altötting zusammenarbeiten.
Regionalmanagement Inn-Salzach
Im Rahmen der vom Freistaat Bayern geförderten dreijährigen interkommunalen Zusammenarbeit wurden bereits Schwerpunkte und Maßnahmen herausgearbeitet. Inhaltlich geht es um den Wissentransfer zwischen Hochschulen und regionale Wirtschaft, Stärkung digitaler Kompetenzen, Fachkräftesicherung inklusive Gründerförderung, klimagerechte nachhaltige Wohn- und Baumodelle mit zukunftsweisender Bodenpolitik und um intelligentes Flächenmanagement. Angeboten werden Foren und Seminare, die sich vor allem an Bürgermeister, Gemeinderäte und Bauamtsleiter der 55 Kommunen beider Landkreise richten.
Angesiedelt ist das Regionalmanagement Inn-Salzach im Landkreis Mühldorf. Das Team setzt sich aus Mitarbeitern beider Landkreise zusammen. Beate Küblbeck, bisher Mitarbeiterin in der Wirtschaftsförderung des Landkreises Altötting, ist hierzu für die kommenden drei Jahre als Regionalmanagerin für die Inn-Salzach-Region tätig. Der zweite Teil der geförderten Vollzeitstelle wird demnächst seitens des Landkreises Mühldorf besetzt. Thomas Perzl, Wirtschaftsförderer des Landkreises Mühldorf und für die nächsten drei Jahre Teamleiter des Regionalmanagements, ist überzeugt: „Wir werden für die großen Herausforderungen in unserer Region nicht nur eine schlagkräftige Truppe aufbauen, sondern werden auch die richtigen Lösungen liefern und sind voller Tatendrang.“ vk