Seelsorger im Trauerfall

von Redaktion

Diakon Manfred Scharnagl ist seit über 25 Jahren an der Seite der Hinterbliebenen

Mettenheim – Für den ortsansässigen Diakon Manfred Scharnagl gehören Beerdigungen genauso wie Taufen und Brautgespräche zum beruflichen Alltag. Gerade diese Bandbreite schätzt er an seiner Arbeit: „Ohne das eine könnte ich das andere auf Dauer nicht tun“, so der Diakon. Auf wie vielen Beerdigungen er schon gesprochen hat, kann er nicht genau beziffern. Doch an seine erste erinnert er sich genau: „Es war zu Beginn meiner Tätigkeit 1996. Ein junges Mädchen war bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Damals kämpfte ich besonders heftig mit meinen Emotionen.“

Mit der Zeit habe er gelernt, damit umzugehen, meint er schlicht und erklärt: „Man braucht einen gewissen innerlichen Abstand zum Tod und der Person.“ Er weiß, wovon er spricht, hat er doch mittlerweile drei bis vier Beerdigungen pro Woche und muss aufpassen, dass die Routine nicht überhandnimmt. Das darf nicht passieren, denn die trauernden Angehörigen haben gerade die eigene Großmutter, den Großvater, Vater, Ehefrau, den Mann verloren. Als Seelsorger möchte er an den Verstorbenen erinnern und zugleich den Angehörigen die christliche Botschaft zusprechen. Danach bedeutet der Tod nicht das Ende: „Es ist das Tor, durch das wir alle gehen müssen.“

Den Seelsorgern hilft die erworbene Professionalität bei der Verarbeitung ihrer Eindrücke. Doch fühlen sie sich genauso hilflos, wenn Menschen aus ihrem näheren Umfeld sterben. „Ich kenn‘ inzwischen so viele Leut‘ in Mettenheim, dass sie Teil meiner eigenen Biografie geworden sind und ihr Tod macht sehr wohl was mit mir!“, gesteht Manfred Scharnagl. Auch ist ihm bewusst: „Mit zunehmendem Alter rückt auch der eigene Tod näher.“

Wichtige Bestandteile seiner Arbeit als Seelsorger im Trauerfall sind die Predigt und die Gestaltung der Trauerfeier, denen ein ausführliches Gespräch mit den Angehörigen der Verstorbenen vorausgeht. Scharnagl interessiert sich dabei nicht vorrangig für dessen Biografie, weil er sich nicht anmaßt, darüber zu entscheiden, wer ein gelungenes Leben geführt hat. Vielmehr will er herausfinden, welche Elemente sich wie ein roter Faden durch dessen Leben gezogen haben, was die Hinterbliebenen davon in ihren Herzen bewahren und auch die Frage, warum sie eigentlich trauern.

Diakon Manfred Scharnagl möchte sich ein eigenes Bild der Verstorbenen machen. Wie wichtig das sein kann, erschloss sich ihm durch das Kompliment eines trauernden Angehörigen: „Sie müssen ihn gut gekannt haben, sonst hätten sie nicht so gut gewusst, wie er wirklich war!“ Das nennt der Trauerredner „Punktlandung“. Mitunter in der Trauerarbeit aufbrechende Konflikte hat er gelernt, auch mal stehenzulassen. Schließlich fragt er sich, wie viele Lebenszeit ihm noch bleibt und was er Sinnvolles damit anfangen kann. kch

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