„Die Zukunft des Bauens liegt im Bestand“: Diese Maxime bekommen die Architekturstudenten der Rosenheimer Hochschule schon früh im Studium mit auf ihren Weg. Und die Vorteile, bestehende Bausubstanz umzubauen und weiter zu nutzen, anstatt neue Gebäude hinzustellen, liegen auf der Hand: Es wird keine zusätzliche Fläche verbraucht, Leerstand verhindert und nicht zuletzt ist da die Ökobilanz: Selbst eine aufwendige Sanierung eines bestehenden Gebäudes erzeugt weniger CO2 als ein Neubau.
Umzug im Sommer
geplant
In Neubeuern geht man auf diesem Weg beispielhaft voran, denn das neue Rathaus ist nicht, wie ursprünglich geplant, ein Neubau, sondern die Weiternutzung eines ehemaligen Produktions- und Bürogebäudes der Firma Zeiss: Die nötigen Umbauten laufen gerade an, mit dem Umzug der Rathausverwaltung wird für den Sommer gerechnet.
Schon im vergangenen Mai aber konnten sich interessierte Bürger bei einem Tag der offenen Tür ein Bild vom „neuen“ Rathaus machen. Viele Besucher waren wohl fachkundiger als sonst üblich, denn in Neubeuern hatte es vorab einen Bürgerrat zum Rathausneubau gegeben, bestehend aus 40 Neubeurern, so ausgewählt, dass sie einen möglichst repräsentativen Querschnitt der Marktbewohner darstellten. Dieser Bürgerrat hatte sich auch über die Voraussetzungen informiert, die heute für eine effektive Verwaltungsarbeit nötig sind und die damit verbunden baulichen Wünsche.
Außenaufzug macht
Gebäude barrierefrei
Der Arbeitskreis teilte die Ansicht von Bürgermeister Christoph Schneider, dass der Erwerb dieses Baus ein Glücksgriff sei. Bauliche Veränderungen etwa an der Raumstruktur sind kaum nötig. Die größten Eingriffe, mit denen derzeit begonnen wird, sind der Bau eines Außenaufzuges, um das Gebäude barrierefrei zu machen, sowie der Ersatz der alten Ölheizung durch eine Grundwärmepumpe. Dabei kann die neue Anlage das Gebäude nicht nur heizen, die Deckenflächen in den Räumen können es auch kühlen. Auch die Verkabelung des Gebäudes wird dort, wo es nötig ist, auf einen zeitgemäßen Bürostandard gebracht.
Die Neubeurer erhalten somit ein „neues“ Rathaus, das anders als ein Neubau in Rekordzeit fertiggestellt werden kann und dennoch allen modernen Ansprüchen hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit und damit Bürgernähe genügen wird: Alle Büros, die häufigeren Publikumsverkehr haben werden, sind im Erdgeschoss untergebracht.
Im Zentrum ist eine großzügige und helle Halle, die sich über beide Etagen erstreckt: Dort sind problemlos auch gut besuchte Bürgerversammlungen oder andere Informationsveranstaltungen abzuhalten. In Konkurrenz zu den Räumlichkeiten, die die örtliche Gastronomie anbieten kann, wird man dabei, wie Bürgermeister Schneider betont, aber nicht treten.
Und natürlich liegt der „Charme“ der Nutzung eines Bestandbaus auch in den deutlich geringeren Kosten – es werden wohl gut vier Millionen Euro weniger sein, als ein Neubau die Gemeinde gekostet hätte. Thomae