Durch die Geschichte wandern

von Redaktion

Kurzurlaub im historischen Eichsfeld

„Hier waren Deutschland und Europa bis zum 10. November 1989 um 0:35 Uhr geteilt“, heißt es ganz sachlich auf einem Schild am Rande der Duderstädter Straße zwischen dem thüringischen Teistungen und dem niedersächsischen Gerblingerode. Wo heute Einheimische und Gäste der Kulturregion ungehindert unterwegs sind, stand einst die stark befestigte Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten.

Georg Baumert, Leiter Umweltbildung des Grenzlandmuseums, versteht es, aus Fakten Emotionen zu machen. Der Rundgang durch die Ausstellung beginnt in einem Raum mit Projektionen von heute noch bestehenden Grenzen. Dass eine ähnliche Grenze mit Zäunen, Sperrgebieten und sogar Mienenfeldern und Selbstschussanlagen auch das beschauliche Eichsfeld teilte, wirkt 35 Jahre nach dem Fall der Mauer fast surreal. Manches muss man inzwischen erklären. Baumert beschreibt, wie die Pässe der die Grenze passierenden Westdeutschen von mehreren Grenzbeamten kontrolliert wurden. Er zeigt, wie die Grenzanlagen in mehreren Stufen immer weiter ausgebaut wurden, um eine Republikflucht in den Westen zu verhindern. Und er zeigt auch, wie Fluchtversuche mit tödlichen Mienen und Schießbefehl verhindert werden sollten. Seit der Eröffnung 1995 konnte der Trägerverein mehr als 900000 Besucher in seiner Dauerausstellung begrüßen.

Auch außerhalb des Museums ist die Geschichte unübersehbar. Auf dem Grenzlandweg, der in der Nähe des Museums beginnt, wurden am Rande des sechs Kilometer langen Rundwegs 24 Infopunkte eingerichtet, an denen man in die Geschichte eintauchen kann.

Eine Wanderung über den Grenzlandweg

Wandert man heute durch die beschauliche Landschaft, kann man sich kaum vorstellen, dass in Beobachtungsbunkern Bewaffnete lauerten und die Grenze nicht umsonst auch Todesstreifen genannt wurde. Heute sind die Mienen geräumt, die Bewaffneten verschwunden und mit Ausnahme der Museumsanlagen nur ein grünes Band übriggeblieben, in dem die Natur sich entfalten konnte.

Nicht nur die Natur entspannt sich im grünen Ban Bei Wanderungen und Radtouren hat das wiedervereinte Eichsfeld auch für Besucher eine Menge zu bieten. Ein guter Ausgangspunkt ist Victor’s Residenz-Hotel Teistungenburg. Auf dem Gelände eines früheren Klosters, das wegen seiner Grenznähe abgebrochen wurde, ist nach der Wende ein 4-Sterne-Superior-Hotel entstanden.

Bei schönem Wetter bietet der Eichsfelder „Skywalk“ Sonnenschein einen eindrucksvollen Blick in die Landschaft.

Über den Dächern von Duderstadt

Der Aussichtssteg ragt einige Meter über das Felsplateau hinaus und bietet nach einem kleinen Spaziergang vom Wanderparkplatz eine interessante Perspektive. Auch Burg Bodenstein, eine gut erhaltene Burganlage, deren Geschichte bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht, ist sehenswert. Das wohl beliebteste Ausflugsziel in der Gegend ist die Altstadt von Duderstadt. Veronica Kahlmeyer bietet regelmäßig Stadtführungen an. In der Eichsfelder Tracht schlüpft sie in die Rolle der Frau des Nachtwächters und berichtet während des Rundgangs durch die mittelalterliche, bis heute von 600 gut erhaltenen Fachwerkhäusern geprägten, Stadt aus der Geschichte. Im Zentrum der Stadt steht das historische Rathaus, in dem ein „gelber Faden“ durch die Ausstellung und die Geschichte der Stadt führt. Ausgehend vom Turmgeschoss, in dem Fledermäuse leben und das einen Blick über die Dächer der Stadt ermöglicht, erfährt man in den verschiedenen Stockwerken einiges über das Leben der Bürger der Stadt, die Tradition der Schützengesellschaft und auch den Handel im Mittelalter.

In eine ganz andere Richtung geht das Angebot des Alternativen Bärenpark Worbis. Auf dem Gelände eines früheren Tierparks ist seit dem Jahr 1997 ein Refugium entstanden, in dem aktuell neun Bären, zwei Wölfe und zwei Luchse leben. Die Wildtiere, die in der Vergangenheit unter schlechter Haltung gelitten haben, sollen im Bärenpark die Möglichkeit bekommen, artgerecht zu leben. Große Gehege mit Rückzugsmöglichkeiten, die nur zum Teil einsehbar sind, gehören genauso zu diesem Konzept wie Informationen über die Tiere und ihr Leben in der freien Natur.

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