Ein Highlight im Veranstaltungskalender der Gemeinde Flintsbach war im vergangenen Jahr zweifellos die sogenannte Hauptalmbegehung. Eine Besonderheit schon deshalb, weil der letzte Almbauerntag, der in Flintsbach abgehalten wurde, bereits 37 Jahre her ist. Doch auch wenn es beim Almbauerntag natürlich ein Festzelt gibt, der Zweck der Veranstaltung ist beileibe nicht nur Gaudi. Die Almbauern haben dabei die Möglichkeit, ihre Bergregion vorzustellen, die besonderen Herausforderungen, die sie stellt, aber auch die Lösungen, die man dafür gefunden hat.
Wissen über Almen
vermitteln
Man wendet sich dabei übrigens nicht nur an die „Fachkollegen“, an die anderen Almbauern aus dem gesamten bayerischen Alpenrand, sondern vor allem auch ans breite Publikum. Denn dort ist das Wissen um die Bedeutung der Almlandschaft oftmals nur rudimentär. Almen sind eben nicht nur schön anzuschauen, sie sind ein wichtiger Natur- und Lebensraum. Und ohne die beständige Arbeit der Almbauern wäre eine über Jahrhundert gewachsene Kulturlandschaft, die uns heute als festes und beständiges Bild des Alpenraums erscheint, in wenigen Jahren verschwunden.
Probleme und
Lösungen erkennen
Gut ist es da auch, dass beim Almbauerntag und der Hauptalmbegehung viel Politprominenz zu sehen ist. Nicht nur aus Bayern, sondern auch aus dem Bund kommen die einschlägigen Fachminister: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und seine bayerische Amtskollegin Michaela Kaniber, der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger und Ministerpräsident Markus Söder obendrein. Und das war auch gut so: Denn es macht doch einen Unterschied, ob man Probleme nur auf dem Papier mitgeteilt bekommt oder sie direkt vor Ort mit eigenen Sinnen begreifen kann. Mancher Lösungsvorschlag, im fernen München oder gar Berlin am grünen Tisch ausgedacht, zeigt sich als Null-Lösung, wenn man erst einmal tatsächlich im Gelände steht.
Flintsbachs Bürgermeister Stefan Lederwascher nutzte zum Beispiel die Chance, um den Politikern unmittelbar klar zu machen, dass der geplante Brennernordzulauf indirekt auch massive Auswirkungen auf die Almlandschaft hätte. Der Flächenverbrauch allein für die Baustelleneinrichtung beträgt rund 40 Hektar. Wenn im engen Inntal aber 40 Hektar fehlen und das über zehn bis 15 Jahre hinweg, dann bedeutet dies das Aus für viele landwirtschaftlichen Betriebe. Mit den Bauern, die aufgeben müssen, fehlen dann aber auch viele von jenen, die die Almlandschaft pflegen. jt