Beton gehört in der Baubranche zu einem der klimaschädlichsten Stoffe – in der Produktion setzt der Umwandlungsprozess von dessen Grundbestandteil Zement enorme Mengen an CO2 frei. Die Branche sucht deshalb bereits länger nach umweltfreundlichen Alternativen: Eine davon könnte Carbonbeton sein. Denn trotz seiner Bezeichnung wird in diesem Baustoff der Betonanteil auf ein Minimum reduziert, da er nur als Deckung für das Carbon dient. Hauptsächlich enthält das Material Carbonfasern, die engmaschig und mehrlagig vernetzt Flächen oder Stäbe bilden. Carbon selbst wird aus Kohlenstoff hergestellt. In Zukunft könnte der Baustoff sogar eine positive Klimabilanz aufweisen, also dafür sorgen, dass CO2 in der Luft verringert statt zusätzlich ausgestoßen wird.
Bundesbauministerin legt Grundstein
Ein Modelprojekt ist aktuell der Bau einer Sporthalle an einer Grundschule in Dresden, bei der Bundesbauministerin Klara Geywitz den Grundstein für den nächsten Bauabschnitt mit der symbolischen Platzierung des ersten Carbonbeton-Wandelements legte. Mal abgesehen davon, dass sich Geywitz die Chance einer günstigeren Berichterstattung in Zeiten schwerer Wohnbaukrisen sicher nicht nehmen lassen wollte, war ihr Auftritt dennoch auch ein politisches Statement für die Bedeutung klimafreundlicher Baualternativen.
„Carbonbeton leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität der Baubranche. Innovative Bauweisen wie diese haben enormes Entwicklungspotential und sind bereits heute bedeutend, um ressourcenschonender und damit umweltfreundlicher zu bauen“, erklärte die Bauministerin vor Ort.
Von Bedeutung ist dabei beim Bau dieser Sporthalle nicht nur der Einsatz von Carbonbeton, sondern auch konkreter eines innovativen Carbonbeton-Wand-Systems, das kürzlich – auch aufgrund seiner modularen Verwendungsmöglichkeit – mit dem Sächsischen Landespreis „Baupraxis der Zukunft – nachhaltig, innovativ, zirkulär“ ausgezeichnet wurde. Dieses System kommt nun erstmals bei einem öffentlichen Gebäude zum Einsatz. Thomas Zawalski, Geschäftsführer des Netzwerkes für innovativen Massivbau, solid Unit, bekräftigte vor Ort noch einmal dessen Besonderheit: „Carbonbeton ist eine von vielen Innovationen der mineralischen Bauweise, mit denen schlankere, CO2-reduzierte Bauteile und sogar modulares Bauen möglich ist.“
Aktuell wird im Übrigen daran geforscht, Carbon auch aus der Luft zu gewinnen, also aus dieser Kohlenmonoxid herauszufiltern und über mehrere Prozessschritte zu verfestigen. Ein Plan, der längst mehr ist als bloße Zukunftsmusik. Schon jetzt gibt es mehrere Projekte auf der ganzen Welt, bei denen etwa Luft mithilfe riesiger Ventilatoren durch eine Anlage geblasen wird, die über spezielle Filter CO2 entnimmt. Noch sind diese Anlagen nicht effektiv genug. Doch wenn sie es werden, könnte Carbonbeton in Zukunft einer der ersten emissionsnegativen Baustoffe sein. Christoph Kastenbauer