Durch Frankreichs schöne Dörfer im Luberon

von Redaktion

Wo Albert Camus starb und Picasso seine Inspiration fand

Okay, wir müssen uns erst mal einreihen in die Fotoschlange. Ein Bus mit Gästen aus China hat gerade geparkt und zwei Sekunden später drängeln sich alle am Aussichtspunkt, setzen ihr Selfie-Gesicht auf, springen fröhlich in die Luft, formen ihre Finger zu Herzen… Es ist das Städtchen Gordes im Hintergrund, wegen dem Touristen aus aller Welt hier einen Fotostopp einlegen. Kurz vorher standen sie an den Absperrungen in Cannes, haben versucht, einen Blick auf die Prominenz der 77. Internationalen Festspiele zu werfen. Und jetzt hier – gerade mal zwei Autostunden Fahrt entfernt – Idylle pur.

Das verwunschene Bergdorf Gordes liegt mitten im Naturpark Luberon. Von der Unesco gleich zweimal ausgezeichnet. 1997 als Biosphärenreservat, 2004 als Globaler Geopark. Eine Auszeichnung sollten aber vor allem die Busfahrer bekommen, die sich auf den engen Serpentinen durch die einzigartige Hügellandschaft schlängeln, ohne ein entgegenkommendes Auto oder einen blühenden Ast zu touchieren.

Wir sind auf einem Mädelstrip unterwegs, heißt: Wir haben Zeit. Daher cruisen wir mit 60 km/h von Örtchen zu Örtchen. Die perfekte Reisegeschwindigkeit für diese traumhafte Gegend. Was uns am besten im Luberon gefallen hat? Hier unsere Lieblingsspots:

Bergdorf Gordes

Kehren wir noch mal kurz zurück nach Gordes, auch offiziell eines der (aller)„schönsten Dörfer Frankreichs“. Es schmiegt sich wahrhaft imposant an den südlichsten Rand des Plateaus de Vaucluse. Nur eine Handvoll älterer Menschen leben dort, der Ort wirkt überraschend leer. Im Sommer soll es anders sein. Doch jetzt balancieren wir ungestört über dicke Pflastersteine durch enge, verwinkelte Sträßchen, entlang schmaler, hoher Häuser. Man fühlt sich wie in einem Freilichtmuseum. Überall spitzen wir in kleine Handwerksbetriebe, in denen eifrig gewerkelt wird: Steinmetze, Bäcker, Töpfer und Metzger grüßen. Wer das Handwerk bestaunen will, das im Mittelalter das Dorfleben geprägt hat, besucht die Ausstellung im unter dem Sankt-Firmin-Palast liegenden Höhlenkeller. Apropos Ausstellung: In ganz Gordes sieht man viel Open-Air-Kunst. In Innenhöfen hängen moderne Skulpturen, bunte Op-Art-Grafiken des Künstlers Victor Vasarely zieren zahlreiche Hauswände. Nicht nur er hat in Gordes gelebt, auch Cézanne kam oft zum Malen hierher, Marc Chagall fand in dem Bergdorf während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht.

Ort der Ockerfelsen

Roussillon ist das Dorf, das auf einem Ockerfelsen sitzt. Die Häuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert im alten Dorfkern, sind komplett in Orange, Rot und Gelb getaucht. Einen zehnminütigen Spaziergang entfernt wird klar, warum das so ist. Da steht man dann mittendrin zwischen Roussillons Ockerfelsen, deren Abbau den Ort berühmt machten. Da Maler aus allen Ländern die natürlichen Pigmente für ihre Kunst bezogen, bis die Herstellung synthetischer Farben im Jahr 1930 das Ocker von Roussillon vom Weltmarkt verdrängte. Tipp: Das Conservatoire des Ocres et des Couleurs besuchen, wo man viel Historisches erfährt und auch selbst für ein paar Stunden zum Maler werden kann.

Hollywood-Weingut

Kennen Sie Ridley Scott? Den Produzenten und Regisseur zahlreicher Hollywood-Blockbuster? Der Macher von Filmen wie „House of Gucci“, „Gladiator“, „Blade Runner“ oder „Der Marsianer“. Er hat mitten im Luberon das riesige Weingut „Mas de Infermières“. Hier kann man seine Weine verkosten und zahlreiche Requisiten und Kostüme aus seinen Filmen bestaunen. Kann gut sein, das jetzt während der Filmfestspiele in Cannes auch einige alte Bekannte bei Ridley auf ein Glaserl Wein vorbeischauen. Eine Verkostung lohnt sich aber auch ohne Prominenz.

Julitta Ammerschläger

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