Deutschlands Eisenbahnen könnten vielfältiger nicht sein – sie kommen als flotter Regionalexpress an den Bahnsteig gerollt, winden sich im Taktverkehr durch enge Flusstäler, bummeln mit Dampf durch Wiesen und Wälder, erklimmen auf schmaler Spur die höchsten Berge oder rauschen als hochmoderne U-Bahn durch den Untergrund. Dabei verbinden sie nicht nur kleine und große Ortschaften, Städte und Metropolen miteinander, sondern führen auch zu herrlichen Ausflugszielen. Das Buch „52 kleine und große Eskapaden mit dem Zug“ zeigt ein paar richtig schöne Strecken.
Leider gibt es kein Prädikat „Romantische Schiene“ – die DB-Tochter Westfrankenbahn hätte es für ihre wunderschöne Strecke an Main und Tauber verdient. Perfekt ergänzen lässt sich die Tour mit Zwischenstopps in den malerischen Städtchen Wertheim und Bronnbach.
Der Regionalexpress, der über Wertheim nach Tauberbischofsheim fährt und am Aschaffenburger Hauptbahnhof startet, besteht aus nur einem einfachen Nahverkehrstriebzug. Er zuckelt in flotter Fahrt gen Süden, rauscht auf einer Brücke über den Main und hält im Bahnhof Miltenberg. Es sind nur wenige Gehminuten in die charmante Altstadt voller Fachwerkhäuser zu Füßen der Burg.
Hinter Miltenberg folgen die Gleise dem Fluss in engen Kurven bis Wertheim. Wer möchte, kann die Ruine der Burg Wertheim erklimmen und den schönen Zweiflüsseblick auf Main und Tauber genießen.
Die Bahnlinie von Linz am Rhein nach Kalenborn ist eine der steilsten Strecken Deutschlands. Auf einer Länge von neun Kilometern werden 300 Höhenmeter absolviert. Ursprünglich konnten die großen Steigungen auf der 1912 eröffneten Verbindung nur mit Zahnstangen bewältigt werden – wie bei Bergbahnen. Erst Jahrzehnte später waren die Lokomotiven stark genug, um darauf verzichten zu können. Die Strecke, die überwiegend durch das schmale Tal führt, wurde für den Abtransport von Basalt aus den Steinbrüchen der Linzer Höhe gebaut. Heute bringt ein historischer Schienenbus aus den 1960er-Jahren die Wanderer ins Kasbachtal.
Die Linie S 1 der Breisgau-S-Bahn verbindet die Höllentalbahn und die Dreiseenbahn zur spannenden Sightseeingtour der Superlative. Los geht‘s in der schönen Universitätsstadt Freiburg in Richtung Himmelreich. Die grünen Wiesen weichen schroffen Felswänden. Langsam windet sich der Zug das schattige Höllental hinauf. Immer wieder verschwindet die Wagenschlange in dessen kurzen Tunneln. Doch plötzlich fällt Sonnenlicht durch die Fenster. Auf einem 36 Meter hohen und 224 Meter langen Viadukt gleitet der Zug über die Ravennaschlucht. Wenig später erreicht die Höllentalbahn ihren Scheitelpunkt in 893 Metern Höhe und kurz darauf die Kleinstadt Titisee. Hier steigt man um in die Dreiseenbahn, die Zugfans bis Seebrugg bringt.
Mit ganz viel Dampf
durch den Harz
Der Harz wird von einem 140 Kilometer langen Meterspurnetz erschlossen. Mit Diesel- und Dampfzügen geht es auf den 1142 Meter hohen Brocken, Norddeutschlands höchsten Berg.
Die Fahrt startet am nördlichen Harzrand, in der Stadt Quedlinburg, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Über das flache Harzvorland geht es nach Gernrode, weiter in vielen Kurven und unter hohen Bäumen bergauf, ehe der Zug bei Mägdesprung das Tal der Selke erreicht. Nach und nach öffnet sich das Tal, und kurz vor dem 500 Meter hoch gelegenen Bahnhof Stiege weichen die Bäume einer Heide- und Wiesenlandschaft, in der die Selke entspringt. Am Bahnhof Eisfelder Talmühle endet die Fahrt auf der Selketalbahn, die Fahrgäste steigen in einen Dampfzug der Harzquerbahn um. Diese Tour ist rundum perfekt für alle Zugfans. Tim Schulz/J.Ammerschläger