Mietniveau nimmt drastische Züge an

von Redaktion

In München droht Wohnraum teils fast unbezahlbar zu werden

Bauen lohnt sich aktuell für viele Unternehmen nicht, die Kosten sind schlicht zu hoch und gerade in München und Umgebung sind potenzielle Kunden längst nicht mehr bereit, die ex-trem hohen Preise von einst zu zahlen. Wenn die Nachfrage allerdings auf dem Kaufsektor sinkt, steigt sie automatisch im Mietbereich – irgendwo muss schlicht gewohnt werden. Die Folge: Während Immobilienpreise leicht sinken, steigen die Mieten in der Landeshauptstadt weiter. Und das nimmt mittlerweile kaum mehr finanzierbare Ausmaße an.

„Einigermaßen unvorstellbar“

Das geht auch aus einer aktuellen Analyse des Marktforschungsinstituts Immobilienverband Deutschland (IVD) Süd hervor. Deren Daten ergeben zwar, dass Mieten nicht mehr ganz so schnell steigen wie zuvor, allein: Sie steigen weiter.

Gerade im Neubaubereich sind die Anstiege besonders hoch. So sind dort die durchschnittlichen Mieten im Frühjahr 2024 im Vergleich zum Herbst bei Wohnungen um 4,9 Prozent und bei Doppelhaushälften um 4,1 Prozent teurer geworden. Die konkreten Miethöhen dahinter lösen in Fachkreisen zunehmend Beunruhigung aus: So muss man aktuell für eine neu gebaute Doppelhaushälfte durchschnittlich 3850 Euro monatlich berappen, bei Neubauwohnungen sind es ambitionierte 23,50 Euro pro Quadratmeter.

Auch Professor Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, kann bei diesen Zahlen nur noch den Kopf schütteln: „Einigermaßen bezahlmäßig unvorstellbar“ seien Mieten in dieser Größenordnung.

Hohe Materialkosten

In einer Zeit, in der selbst Baugrundpreise in der begehrten Wohnregion von München und Umland sinken, schrecken Kippes zufolge immer noch zu viele Bauträger vor der Umsetzung dringend benötigter Wohnprojekte zurück.

Der Grund: Aktuell seien schlicht die Materialkosten zu hoch, als dass es sich rentieren würde. „Da reibt sich der Münchner die Augen und sie tränen“, kommentiert Kippes trocken und mit einer Spur von Galgenhumor.

Mangelverteilung hat keinen Sinn

Welche Maßnahmen nun sinnvoll wären? Kippes sieht hier keinen größeren Sinn in Mangelverteilungsmaßnahmen – einer Deckelung der Mieten oder ähnlichem: „Damit werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Neue Wohnungen müssten schlicht her, und dies nicht per Gießkannenprinzip, wie es der Plan der Ampel mit 400000 Neubauwohnungen pro Jahr vorsieht, sondern gezielt in den „Hotspots“ der Wohnraumknappheit, also besonders München und Umgebung, aber auch Stuttgart, Hamburg oder Berlin.

Eine Frage bleibt dabei dringlich und entscheidend: Was machen Menschen eigentlich, die sich aktuell in München keine Wohnung leisten können? Martin Schäfer, Vorsitzender des IVD Süd, beantwortet diese Frage recht ernüchternd: „Manchmal muss man schlicht die Stadtgrenzen verlassen.“ Christoph kastenbauer

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