Nachhaltigkeit ist in aller Munde und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Ob im Beruf oder im Privatleben, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor – überall wird nach Wegen gesucht, um den Planeten zu schützen und die Lebensqualität für kommende Generationen zu sichern. Doch was genau bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich und wie kann jeder seinen Beitrag dazu leisten?
Nachhaltigkeit bedeutet, verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umzugehen und dabei die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Es geht darum, ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten zu finden. Dabei spielen innovative Technologien und smarte Lösungen eine wichtige Rolle, um Prozesse effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.
Viele Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen auf nachhaltige Konzepte. Ob durch den Einsatz erneuerbarer Energien, die Reduzierung von Abfall und Emissionen oder die Entwicklung langlebiger und recycelbarer Produkte – die Möglichkeiten sind vielfältig. Auch im Bereich Mobilität tut sich einiges: Elektrofahrzeuge, Carsharing-Modelle und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs tragen dazu bei, den CO2-Ausstoß zu verringern.
Maßnahmen in den Alltag integrieren
Doch Nachhaltigkeit fängt im Kleinen an. Schon mit einfachen Maßnahmen kann jeder einen wertvollen Beitrag leisten. Zum Beispiel, indem man bewusster konsumiert, regionale und saisonale Produkte bevorzugt, Müll vermeidet und mehr mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist. Auch die Wahl eines Ökostrom-Anbieters oder die Installation einer Solaranlage auf dem eigenen Dach sind sinnvolle Schritte in Richtung einer nachhaltigeren Lebensweise.
Dr. Benjamin Buttlar ist Umweltpsychologe an der Universität Trier. Er erklärt, warum Wissen allein nicht ausreicht und wie man nachhaltiges Verhalten in den Alltag integrieren kann:
Was kann dabei helfen, dass wir nachhaltigeres Verhalten besser in unseren Alltag integrieren?
„Gewohnte Verhaltensweisen zu verändern, ist schwierig, weil ein Reiz oder eine Umgebung quasi automatisch ein bestimmtes Verhalten auslöst, etwa dass wir in der Kantine oder in der Mensa immer zur Fleischtheke gehen. Das heißt, wir müssen das gewohnte Verhalten aktiv „überschreiben“, welches der Reiz oder die Umgebung auslöst. Das funktioniert, indem wir die Reize gezielt und möglichst konkret mit neuen Verhaltensweisen verknüpfen. So kann man sich zum Beispiel über eine „Wenn-Dann-Formel“ sagen: Okay, wenn ich in der Mittagspause das Schild über der Fleischtheke sehe, gehe ich rüber zur vegetarischen Theke. Diese neue Assoziation, kann dann ebenso automatisch ein anderes Verhalten auslösen, das entgegen der Gewohnheit steht.“
Welche Rolle spielen andere Menschen und soziale Normen bei der Verhaltensänderung?
„Wenn man Menschen befragt, was ihr Verhalten getrieben hat, dann ist es häufig so, dass sie einige Gründe angeben, also zum Beispiel, dass sie die Umwelt schützen oder Geld sparen wollten. Aber einen der wichtigsten Einflussfaktoren, können die Leute oft nicht so gut benennen: Soziale Normen, also dass Menschen wissen und darauf achten, wie andere sich verhalten. Wir sind uns in der Psychologie einig, dass Normen gerade umweltrelevantes Verhalten stark beeinflussen können. Das hat verschiedene Gründe. Einerseits orientieren wir uns an anderen, wenn wir unsicher sind, was jetzt die richtige Entscheidung ist. Andererseits hilft es uns natürlich auch, eine gewisse Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren. Wenn Sie in einer Gruppe sind, in der Grillen das Heiligtum ist, und Sie kommen mit Ihrem Tofuwürstchen an, dann kann es sein, dass Sie abgewertet, stigmatisiert oder sogar ausgeschlossen werden. Das ist ein Druck, der häufig dazu führt, dass Leute sich entsprechend der Gruppe anpassen. Natürlich kann man Normen auch einsetzen, um umweltfreundliches Verhalten zu fördern: Wenn sich eine Gruppe etwa entscheidet, mittags keinen Kaffee to go im Plastikbecher zu holen und es kommt jemand mit einem Plastikbecher an, wird der sich dann auch relativ schnell anpassen, weil er zur Gruppe dazugehören möchte.“
Wie können wir uns selbst motivieren, nachhaltiger zu handeln? Und was, wenn ich es nicht immer schaffe?
„Man muss immer auch bedenken, dass unser Verhalten in einem Kontext stattfindet. Häufig ist der Kontext nicht förderlich bei der Etablierung von neuem Verhalten, also zum Beispiel machen es Gewohnheiten und Normen schwer, Verhalten zu ändern.
An der Stelle ist notwendig, dass man mit sich nicht so hart ins Gericht geht und sich klarmacht: Okay, ich kann mich verändern, und das kann ich in kleineren Schritten machen. Ich muss nicht sofort alles umstellen. Aber ich muss auch eine Lösung an die Hand bekommen, wie die eben genannten Wenn-Dann-Formeln, die mir hilft mein Verhalten trotz aller Widrigkeiten zu verändern. Dabei machen uns auch die Institutionen unsere Verhaltensänderungen nicht unbedingt leichter: Wenn Menschen versuchen, ihre Gewohnheiten zu verändern, heißt das ja noch nicht, dass das auch so einfach möglich ist. So ist etwa Biofleisch viel teurer, als Fleisch aus der Massentierhaltung, sodass sich viele Menschen das nicht leisten können, auch wenn sie wollen. Also muss neben den individuellen Anstrengungen auch der Gesetzgeber die Grundlage für Verhaltensänderungen schaffen. Wir können nicht alles nur auf die individuelle Ebene verlagern.“
Also helfen uns zum Beispiel Aktionstage dabei, informierte Entscheidungen zu treffen, weil wir vielleicht mehr wissen?
„Ja. Wenn das Bewusstsein da ist, motiviert es Menschen schon, ihr Verhalten zu verändern. Dazu sollten ihnen allerdings auch Lösungsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden, die ihnen helfen, ihr Verhalten langfristig zu ändern. Zudem macht das Problembewusstsein Leute auch offener dafür, etwa politische Maßnahmen mitzutragen. “
Eigenen Beitrag leisten
So kann jeder seinen eigenen Beitrag für die Zukunft leisten. Gerade beim Thema Reisen lässt sich viel für die Umwelt tun. Statt mit dem Flugzeug in ferne Länder zu jetten, entdecken immer mehr Menschen die Schönheit der eigenen Heimat. Ob Wandern in den Bergen, Radtouren durch malerische Landschaften oder entspannte Tage an einem See – auch in der näheren Umgebung gibt es viel zu erleben. Das schont nicht nur das Klima, sondern entschleunigt und rückt den Wert der Natur wieder mehr ins Bewusstsein. Passende Angebote finden sich bei den Tourismusunternehmen der näheren Umgebung sowie Sportartikelanbietern aus der Region.
In der OVB-Sonderserie zur „Woche der Nachhaltigkeit“ stellen wir in den kommenden Tagen Unternehmen und Initiativen vor, die sich auf besondere Weise für eine nachhaltige Zukunft engagieren. Hier kann man sich inspirieren lassen von kreativen Ideen und mutigen Projekten und erfahren, wie man auch selbst ganz konkret etwas bewegen kann.re/dpa-tmn