Kleine Kinder, große Augen

von Redaktion

„Sooll ich das wirklich wagen?“ Wer mit seinem Kleinkind zum ersten Mal auf ein Volksfest geht, ist oft verunsichert. Im Kopfkino läuft nicht selten ein Film, in dem das Kind davonzieht, quengelt, weil es nicht aus dem Karussell aussteigen will oder weint, weil der Luftballon auf und davon ist. Aber meistens kommt es dann doch ganz anders. So zumindest meine Erfahrung. Als wir mit unserer knapp zwei Jahre alten Tochter zum ersten Mal auf dem Volksfest waren, hatte ich ehrlich gesagt schon ein bisschen Bedenken. Ich dachte, sie steigt mir aus dem Kinderkarussell nur unter lautem Protest wieder aus und bekommt einen Wutanfall. Es kam aber ganz anders. Sie schaute sich einfach alles genüsslich an, wollte gar nicht Karussell fahren, sondern – wie sollte es anders sein – einen großen Luftballon, Entenangeln und ein Softeis. Glückliches Kind, glückliche Eltern.

Auch bei meiner Freundin Nathalie aus Waldkraiburg verlief der Besuch entspannt: Ihre Tochter war eineinhalb Jahre alt, als sie das erste Mal mit ihr auf dem Volksfest war. Das Highlight für sie war das Riesenrad, hier wollte sie gar nicht mehr aussteigen. Doch mit ein bisschen gutem Zureden war das dann kein Problem. Schließlich muss so ein Riesenrad auch mal schlafen. Sie selbst hat früher von ihrer Oma immer einen Heliumballon bekommen und diese Tradition führte die Uroma nun mit der Urenkelin fort. Sie ist dann mit einem Ballon, einem Lebkuchenherz und einem glücklichen und zufriedenen Kleinkind wieder nach Hause.

Anders als auf großen Volksfesten, wo Kleinkinder meist auf Wadeln und Rocksäume blicken, während sie an der Hand oder im Wagen durch die Menge geschoben werden, fand ich es in Waldkraiburg schön entspannt. Ein Besuch war auch mit Kinderwagen unproblematisch: Hier blinkt es! Hier leuchtet es! Hier glitzert es! Da dreht sich was, und hier spielt wieder andere Musik! Bunter Stoff für Kinderaugen und -ohren.

Wir waren mit Freunden unterwegs und schon kurz nach dem Eingang ging der Adrenalinrausch los. Für beide Seiten. Die Kinder liefen los, wohin auch immer – wir Eltern hinterher. Erste Station Kinderkarussell. Eine Fahrt, drei Euro, stand auf dem Kassenhäuschen. Wir haben uns gefragt, ob die Kinder wohl brav im Feuerwehrauto sitzen bleiben werden oder es sich zwischendurch anders überlegen, einfach aufstehen und mal testen, wie es sich denn so im Schwan fährt. Eltern sind ja im Nebenjob Tragödien-Verhinderer und so sind unsere Freunde dann gleich mit ihrem Nachwuchs mitgefahren, quasi doppelter Fahrspaß, doppelter Schwindel und natürlich doppelter Fahrpreis! Aber was macht man nicht alles für ein glückliches Kinderlachen.

Ermäßigungen nutzen

Ein Wiesn-Besuch geht ins Geld, egal ob man einen kleinen Karussell-Junkie an der Hand hat oder ein Dosenwerf- und Entenangel-Kind. Was hilft: Den Kindertag nutzen, da locken Ermäßigungen. Um Gequengel vorzubeugen, helfen auch bei kleinen Kindern klare Absprachen: Nicht immer – aber einen Versuch ist es wert.

Anders ist es beim Essen. Hier haben wir den Tag einfach zum Cheat-Day erklärt. Eis, Waffeln – an diesem Tag war ausnahmsweise all das erlaubt. Und verloren gegangen ist zum Glück auch niemand. Von anderen Eltern wissen wir, dass sie den jüngeren Kindern vorsichtshalber ihre Telefonnummer auf den Arm malen und den etwas älteren Kindern einen Zettel mit der Nummer mitgeben.“ Veronika Rossmann aus Heldenstein

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