Obandln nur wenn i mog

von Redaktion

Eigentlich gibt es doch nichts Schöneres auf einem Volksfest als „Obandln“, oder?

Aber was für den einen ein Flirt ist, kann für den anderen schnell zu viel sein. Auf einem Volksfest, wenn Alkohol ins Spiel kommt, ist die Hemmschwelle noch niedriger. Irmgard Wagner und Charlotte Konrad vom Verein Frauen helfen Frauen e.V. geben Tipps und informieren über die Hilfsangebote des Vereins.

Wie sollen sich Frauen und Männer verhalten, wenn ihnen ein Flirt zu viel wird oder jemand keine Gelegenheit auslässt, einen zu berühren?

Irmgard Wagner: Wichtig ist, dass man klar signalisiert, dass einem das zu viel ist. Man sollte seinem Gefühl trauen und bei Unbehagen laut und deutlich „Stopp“ sagen. Auch im dichten Gedränge, wenn Berührungen wie zufällig wirken, sollte man zu erkennen geben, dass das nicht ok ist.

Und wenn das nicht funktioniert?

Charlotte Konrad: Dann sollte man möglichst schnell Hilfe organisieren, und zwar ganz konkret. Man kann zum Beispiel Leute in der Nähe direkt ansprechen: „Könnten Sie mir helfen? Ich werde hier belästigt.“ Auch das Sicherheitspersonal oder die Bedienungen können helfen.

Warum passiert das nicht immer?

Irmgard Wagner: Das Problem ist, dass sich viele das nicht trauen, etwa weil es sich um einen bekannten Menschen handelt, um Kollegen oder jemanden aus dem Bekanntenkreis. Dann ist die Hemmschwelle oft höher.

Sie haben das Projekt „Sicher feiern wir gemeinsam“ auf Volksfesten im Landkreis Mühldorf gestartet. Was steckt dahinter?

Irmgard Wagner: Wir möchten die Öffentlichkeit für das Tabuthema „sexualisierte Gewalt“ stärker sensibilisieren. Gleichzeitig wollen wir mit dieser Kampagne Betroffene von Gewalt auf das Beratungsangebot unserer Fachberatungsstelle aufmerksam machen. Die Fallzahlen insgesamt steigen und wir haben daher unsere Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.

Wie unterstützt Ihr Verein betroffene Menschen?

Charlotte Konrad: Betroffene können sich völlig anonym an unsere Beratungsstelle wenden. Unser Hilfsangebot ist breit gefächert und für Betroffene, Angehörige sowie Unterstützer vollkommen kostenlos. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Anonymität absolut gewahrt bleibt. Es wird nur so viel Hilfe angeboten, wie es Betroffene zulassen können. Gewalt kann sowohl psychisch als auch physisch sein und hat viele Gesichter. Unser Team ist darauf geschult, mit Betroffenen besonders einfühlsam umzugehen, sodass sich Menschen auch öffnen können.

Wie ist die Zusammenarbeit mit anderen Stellen?

Irmgard Wagner: Durch ein intaktes Netzwerk können wir betroffene Frauen, Kinder und Jugendliche bestmöglich betreuen. Die Zusammenarbeit ist sehr gut und die Gerichte handeln zum Beispiel im Falle eines Gewaltschutzantrages wirklich sehr schnell. Im Notfall stehen Notschlafplätze zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen begleiten KlientInnen zu Gerichtsterminen, zur Polizei, zu Anwälten, zu ÄrztInnen und Behörden. Uns ist es wichtig, umfangreiche Unterstützung zu bieten, um Betroffenen aus der Notsituation zu helfen und sie so lange zu betreuen, wie es eben notwendig ist. Auch auf anderen Volksfesten werden Plakate ausgehängt und Handzettel verteilt. Mittels eines QR-Code können sich Betroffene anonym bei der Fachberatungsstelle kostenfrei melden. Die Flyer der Beratungsstelle gibt es mittlerweile in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch, Ukrainisch, Russisch, Dari und Spanisch. rov

Frauen helfen Frauen e.V.

Der Verein Frauen helfen Frauen e.V. im Landkreis Mühldorf ist der Trägerverein der Fachberatungsstelle für gewaltbetroffene Frauen, Kinder und Jugendliche. Wie bereits im vergangenen Jahr, wird die Aktion „Sicher feiern wir gemeinsam“ auf dem Waldkraiburger Volksfest durchgeführt.

Kontakt

Telefon: 08638/83797

info@fhf-lkr-muehldorf.de

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