Internate stärken Soft Skills

von Redaktion

Gemeinschaftsleben fördert Selbstorganisation und Teamfähigkeit

Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Unternehmensstrukturen verändern sich: Flache Hierarchien, interdisziplinäre Teams, agiles und projektbezogenes Arbeiten, Beteiligung der Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen und der Unternehmensentwicklung sind immer stärker im Kommen. Das stellt besondere Anforderungen an künftige Spezialisten und Führungskräfte.

So ergab eine Foresight-Studie des Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung, dass Selbstorganisation, Vernetzung und Selbstvermarktung eine zunehmend große Rolle spielen. Untersuchungen der Wirtschaftshochschule ESCP Europe wie auch Umfragen des Karrierenetzwerks LinkedIn zufolge sind für Personalverantwortliche soziale und interkulturelle Kompetenzen, Team- und Anpassungsfähigkeit sowie Kreativität besonders gefragt.

Junge Menschen fit zu machen für diese beruflichen Anforderungen ist daher eine wichtige Aufgabe. Dabei spielt zum einen das direkte Umfeld eine wichtige Rolle, welche Werte die Eltern leben, in welcher Umgebung der junge Mensch aufwächst, wie und in welche sozialen Gruppen er eingebunden ist, welche außerfamiliären Aktivitäten möglich sind und vieles mehr.

Zum anderen beeinflusst die Schule die Entwicklung: Fördert das pädagogische Konzept Eigenverantwortung und Teamfähigkeit? Wie ist die Lernatmosphäre? Wie groß sind die Klassen? Wie lange und wie intensiv sind die Schüler am Tag betreut? Welche Angebote gibt es, um naturwissenschaftliche, musische und sportliche Begabungen zu entdecken und auszuleben? Wie werden emotionale und soziale Kompetenzen gestärkt? Das Augenmerk richtet sich dabei insbesondere auf die weiterführende Schule. Während die Grundschule meist wohnortnah liegt und einen behüteten Rahmen bietet, ist ein gutes Gymnasium nicht immer im direkten Umfeld zu finden. Doch gerade das Teenager-Alter ist ein sensibles. Die jungen Menschen sind empfänglich für äußere Reize, Peergroups gewinnen an Bedeutung, Familie und Lernen rücken möglicherweise in den Hintergrund.

Internat als
Ergänzung zur Familie

Die heranwachsenden Kinder bestens betreut und gefördert zu wissen ist deshalb auch und gerade für Eltern mit eigenem beruflichem Engagement sehr wichtig. Findet sich im direkten Umfeld keine entsprechende Unterstützung, kann ein Internat eine wertvolle Hilfe sein. Anders als in angelsächsischen Ländern, wo Internate fester Bestandteil des Bildungssystems sind und ihr Besuch für Eltern wie Schülerinnen und Schüler gleichermaßen als erstrebenswert gilt, wird diese Ergänzung zur familiären Begleitung hierzulande (noch) weniger genutzt.

Fähigkeiten im
Internat täglich üben

Durch das Leben im Internat können die jungen Menschen viele Fähigkeiten tagtäglich üben, die später den Zugang zur Arbeitswelt vereinfachen. Sie sind Teil einer größeren Gemeinschaft, die ihnen Halt gibt und gleichzeitig zu Eigenverantwortung und Selbstständigkeit anleitet.

Die intensive schulische Förderung wie auch die vielfältigen Sport-, Kultur- und Freizeitaktivitäten geben die Möglichkeit, Interessen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Qualifikationen zu entwickeln, neugierig zu bleiben und Selbstwirksamkeit zu erleben.

Der enge Kontakt zu Gleichaltrigen stärkt soziale und emotionale Kompetenzen sowie Toleranz und Kooperationsvermögen.

In Projekten, AGs, Wohn- und Lerngruppen können sich die Schülerinnen und Schüler ausprobieren, ihre Entscheidungsfreude schulen und Selbstvertrauen gewinnen. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, eigene und fremde Interessen differenziert zu betrachten und einzuschätzen.

Eine gute Vorbereitung für die Herausforderungen des Berufslebens, die der Philosoph und Vordenker Richard David Precht so beschreibt: „Das Wichtigste ist, Kindern in einer Welt, in der sie nicht lebenslang den selben Job haben werden, die Befähigung zu geben, sich (…) zu orientieren. Selbstständigkeit und Autonomie, darauf kommt es an.“

Der Besuch eines Internats muss natürlich wohl überlegt sein. „Nicht jedes Kind ist für jedes Internat geeignet“, erklärt Anke Muszynski, Internatsleiterin der Steinmühle in Marburg. Eltern sollten genau hinschauen und gemeinsam mit dem Kind beziehungsweise Jugendlichen besprechen, welche Punkte ihnen wichtig sind.

Groß oder klein? Bunt oder behütet? Stadt oder Land? Reine Internatsschule oder mit externen Schülerinnen und Schülern? Welche Sprachen und Sportarten? Wie ist das musikalische und kulturelle Angebot? Starke Leistungsorientierung oder soziale und emotionale Kompetenzen im Vordergrund? Klare Regeln, Freiheit und Eigenverantwortung?

„Ein Internatsbesuch gelingt nur, wenn die Schülerinnen und Schüler mit in die Entscheidung eingebunden werden und gerne aufs Internat wollen“, so Anke Muszynski. Eine gute Möglichkeit, herauszufinden, ob ein Internat zum Kind oder Jugendlichen und den pädagogischen Vorstellungen der Eltern passt, sei, sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Die meisten Internate bieten einen Schnuppertag, manche auch „Wohnen auf Probe“ an. Mehr unter www.internate-info.de.

Artikel 4 von 4