Sandra Wallner ist Schulbeauftragte für die fachpraktische Ausbildung an der beruflichen Oberschule Inn-Salzach, FOS-BOS Altötting. Warum praktische Erfahrungen nicht nur ein wichtiger Teil der schulischen Ausbildung sind, sondern oft auch den Weg in die berufliche Zukunft öffnen, hat sie im Interview verraten.
Warum sind die Praktika an der FOS etwas Besonderes?
„Während der 11. Jahrgangsstufe absolvieren alle Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule ein halbjähriges Praktikum, was ein Alleinstellungsmerkmal unserer Schulart darstellt. Das Praktikum an der Fachoberschule Altötting wird in zwei- bis dreiwöchigen Blöcken abwechselnd zum Schulunterricht abgeleistet. Zum Halbjahr soll die Praktikumsstätte gewechselt werden. Dadurch erhalten die Schüler einen umfassenden Einblick in den Arbeitsalltag von zwei verschiedenen Praktikumsstellen.“
Wie finden Praktikumsstelle und Praktikant zusammen?
„Im Wirtschafts- und Sozialzweig erfolgt für das erste Schulhalbjahr die Zuteilung der Praktikumsstellen nach Interessensabfrage durch die Fachoberschule Altötting, während sich die Praktikanten im zweiten Halbjahr selbstständig ihre Stellen suchen. Die Schüler des Gesundheitszweigs werden bereits im ersten Halbjahr dabei unterstützt, ihre zukünftige Wirkungsstätte selbst auszuwählen. Im Technikzweig sammeln die elften Klassen ihre Praxiserfahrungen in den Werkstätten des Berufsbildungswerks Burghausen (BBiW) und im Bildung- und Technologiezentrum Mühldorf (BTZ).“
Wie gefällt den Schülern die Praktikumszeit und was haben alle Beteiligten davon?
„Die fachpraktische Ausbildung wird von den Schülern als eine äußerst positive Erfahrung wahrgenommen, da die Jugendlichen in den mehrwöchigen Praktikumsphasen ihre eigenen Interessen, Fähigkeiten und Berufsvorstellungen gut hinterfragen und neu entdecken können. Nach acht bis zehn Wochen vor Ort kann man definitiv mehr über ein Berufsfeld und den Alltag in der Praktikumsstelle sagen, als es nach einem ein- bis zweiwöchigen Schnupperpraktikum während der Ferien möglich ist. Auf diese lange Zeit gesehen lohnt es sich für die Praktikumsstellen auch, unsere Schüler in komplexe Tätigkeiten einzuführen, oft werden ihnen sogar eigene Projekte übertragen.“
Wird das praktisch Erlernte auch theoretisch vertieft?
„Die Praktikumsphasen finden in enger Zusammenarbeit zwischen den Praktikumsstätten und unserer Schule statt. Jeder Schüler wird von einer Lehrkraft während des gesamten Praktikums betreut. Diese sucht regelmäßig das Gespräch mit dem Schüler und der Praktikumsstätte. So werden alle Praktikanten in ihren Wirkungsstätten besucht, um einen regelmäßigen Austausch zwischen Praktikumsbetrieb, Schüler und Schule zu gewährleisten. Im ergänzenden fachpraktischen Unterricht an der Schule werden die Eindrücke aus der Praxis aufgegriffen und mit theoretischem Fachwissen verknüpft.“
Wie wird das Praktikum bewertet oder benotet?
„Um den Entwicklungsprozess der Praktikanten zu dokumentieren, füllen die Praktikumsbetriebe in regelmäßigen Abständen Beurteilungsbögen aus und geben den Praktikanten damit Rückmeldung bezüglich ihrer Leistung im Praktikum. Diese Eindrücke aus der Praxis werden von den Betreuungslehrern sehr ernst genommen und fließen sogar in die Notengebung der fachpraktischen Ausbildung mit ein. Sie sind somit auch im Fachabiturzeugnis der Schüler verankert.“
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