Eine Mischung aus Theorie und Praxis, gleich das erste eigene Geld verdienen: Eigentlich klingt eine duale Ausbildung nach einer guten Idee für die Zeit nach der Schule. Aber: Kann man danach überhaupt so richtig Karriere machen? Und ist das was für Abiturientinnen und Abiturienten? Gängige Mythen über die Ausbildung im Check.
1. Ist eine Ausbildung nur für schwächere Schüler geeignet?
Viele Schülerinnen und Schüler mit Abitur haben die Einstellung: Ich muss studieren. Das berichtet Irmgard Pirkl, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, aus dem Alltag ihrer Kolleginnen und Kollegen in der Berufsberatung. Bildungswege seien aber längst nicht mehr so streng vorgegeben, klassische Bildungsverläufe würden an Bedeutung verlieren. „Es ist auf jeden Fall ein Mythos, dass eine Ausbildung nichts für Schülerinnen und Schüler mit Abitur ist“, sagt Pirkl. Bestimmte Ausbildungsberufe seien so anspruchsvoll, dass Betriebe ohnehin mindestens die Mittlere Reife oder Abitur erwarten.
Eine Ausbildung ist also längst nicht nur für Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulabschluss eine Möglichkeit, in den Beruf zu starten. Sie bietet sich Irmgard Pirkl zufolge grundsätzlich für alle an, die nach der Schule erst mal etwas Praktisches machen wollen. Oder aber für Schülerinnen und Schüler, die sich noch nicht auf ein Studium festlegen können und noch Zeit für die berufliche Orientierung brauchen. Andere wollen erst mal etwas eigenes Geld verdienen. Auch wer viel Struktur im Alltag braucht und sich schon in der Schule mit der Selbstorganisation eher schwergetan hat, kann mit einer dualen Berufsausbildung richtig liegen.
Prof. Hubert Ertl, Forschungsdirektor am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), rät Jugendlichen, denen beides offensteht, an eine Entscheidung zwischen Hochschule und Ausbildung mit Gelassenheit ranzugehen. „Im Sinne von: Das mit der Hochschule, das klappt auch später noch.“ Gerade junge Leute, die in praktischen Dingen interessiert und talentiert sind, sollten diesen Vorlieben ruhig früh nachgehen.
2. Ist eine Ausbildung nur in traditionellen Branchen möglich?
Beim Schlagwort Ausbildung sind viele gedanklich schnell bei traditionellen Branchen oder klassischen Berufen: Maurer, Friseurin oder Bankkaufmann. Weit gefehlt: „Wir haben im Bereich der dualen Ausbildung im Moment 327 Ausbildungsberufe“, sagt Hubert Ertl.
Dahinter stecken unterschiedliche Fachrichtungen. Viele Berufe gehören etwa zum handwerklich-technischen Bereich. Aber auch die kaufmännisch-verwaltenden Berufe sind ein großer Sektor.
Unter die „grünen Berufe“ fallen Ausbildungen, die etwa mit Landwirtschaft, Gärtnerei oder Lebensmittelerzeugung im Zusammenhang stehen. Zum Spektrum der Hightech-Berufe zählen IT- und Medienausbildungen. Nicht zuletzt können Interessierte auch in medizinisch-technischen Berufen eine duale Berufsausbildung absolvieren, etwa als Medizinische Fachangestellte (MFA). dpa/tmn