Demenz frühzeitig erkennen

von Redaktion

Prof. Dr. Peter Rieckmann, Chefarzt der Neurologie am InnKlinikum Altötting, informiert über die Früherkennung und richtige Behandlung von Demenz.

Was sind die frühen Anzeichen einer Demenz und wie können diese von altersbedingten Ausfallerscheinungen unterschieden werden?

Auch wenn altersbedingt die Gedächtnisleistung ab dem 60. Lebensjahr oft nachlässt, sollten zunehmende Störungen des Neu- und Kurzzeitgedächtnisses sowie Schwierigkeit in der räumlichen und zeitlichen Orientierung immer Anlass für eine fachärztliche Untersuchung beim Neurologen oder Nervenarzt sein, um Frühformen einer Demenz rechtzeitig zu erkennen. 

Welche Arten von Demenz gibt es und wie unterscheiden sich die Symptome und Verläufe?

Die zwei häufigsten Formen der Demenz sind die Alzheimer Erkrankung und die vaskuläre, sprich gefäßbedingte Demenz. Bei der ersten Form kommt es zu einem langsam zunehmenden Verlust des Denkvermögens, der Konzentration und zu Schwierigkeiten bei alltäglichen Verrichtungen, wie beispielsweise dem Einkaufen. Bei der zweiten Form, der vaskulären Demenz, treten plötzliche Ausfallserscheinungen auf. Je nach betroffener Hirnregion kann es zu Veränderungen der Sprache, zu Koordinations- und Konzentrationsstörungen oder auch Persönlichkeitsveränderungen kommen, die oft über längere Zeit stabil bleiben, sich aber bei neuen Durchblutungsstörungen auch rasch verändern können.

Was sind Risikofaktoren an Demenz zu erkranken und wie kann man einer Erkrankung vorbeugen?

Neueste Untersuchungen zeigen, dass rund 40 Prozent der Demenzerkrankungen vermeidbar sind, wenn bestimmte Formen des Lebensstils beachtet werden. Die wichtigsten Faktoren, die frühzeitig behandelt, beziehungsweise abgestellt werden sollten, sind hoher Blutdruck, Schwerhörigkeit, Rauchen, Diabetes, Schlafmangel, Depression, sozialer Rückzug, Schädel-Hirnverletzungen und geringe körperliche Bewegung.

Wie erfolgt die Diagnose einer Demenz?

Es gibt eine Vielzahl von einfachen Tests, die bei Demenzverdacht eingesetzt werden. Hierzu zählt zum Beispiel das freie Zeichnen einer Uhr mit vorgegebener Uhrzeit, das Benennen von Gegenständen, die Kombination von Rechenaufgaben und Koordinationstests oder das Merken mehrerer Wörter.

Erhärtet sich bei diesen Tests der Verdacht auf eine Demenz, müssen unbedingt direkt behandelbare Ursachen, wie Vitamin-B12 Mangel oder Schilddrüsenunterfunktion durch entsprechende Bluttests erkannt werden. Die Darstellung des Gehirns mittels Computer- oder Kernspin-Tomografie gibt wichtige Informationen darüber, ob beispielsweise ein Gehirntumor, eine Blutung, kleine Schlaganfälle oder andere Schädigungen des Gehirns vorliegen. Der nächste Schritt ist dann eine Nervenwasseruntersuchung zum Ausschluss einer Entzündung, beziehungsweise zum Nachweis bestimmter Proteine, die sich typischerweise bei der Alzheimererkrankung finden lassen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie erfolgversprechend sind diese?

Insbesondere in den Frühstadien einer Demenz sollten die zuvor genannten Risikofaktoren behandelt werden. So kann beispielsweise ein angepasstes Hörgerät die Teilhabe an sozialen Aktivitäten und damit dann oft auch die Mobilität verbessern. In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte gezeigt werden, dass bereits nach wenigen Wochen eines strukturierten Trainingsprogramms mit körperlicher und geistiger Aktivität, Symptome einer Demenz signifikant verbessert werden konnten.

Erste Untersuchungen haben darüber hinaus ergeben, dass sich durch bestimmte Medikamente die schädlichen Proteinablagerungen im Gehirn von Patienten mit Alzheimer-Demenz entfernen lassen.

Gibt es vielversprechende Forschungsergebnisse in der Behandlung und Prävention von Demenz, die den Betroffenen Hoffnung geben können?

Ja, wir haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte in der Vorbeugung und Frühdiagnose von Demenz erreicht und wissen mittlerweile, dass durch konsequente Behandlung der Risikofaktoren – auch nach der Diagnose – der Verlauf der Erkrankung deutlich verzögert und die Lebensqualität für Patienten und ihre Angehörigen verbessert werden kann.

Wir werden hierzu im Detail bei der im Herbst stattfindenden Vortragsreihe „InnKlinikum vor Ort“ darauf eingehen und ganz konkrete praktische Empfehlungen zur Umsetzung vorstellen. Ebenso wird die Demenzvorbeugung ein wichtigstes Standbein des am InnKlinikum geplanten Zentrum für Hirngesundheit sein.

Welche Angebote für Demenzkranke gibt es im InnKlinikum?

Bereits jetzt sind alle Möglichkeiten für eine sichere Diagnostik im Innklinikum Altötting vorhanden. In der Abteilung Akutgeriatrie ist durch die besondere Gestaltung der Station eine adäquate Behandlung für Demenzpatienten mit akuten Begleiterkrankungen jederzeit möglich.

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