Am westlichen Rand des Landkreises Altötting, oberhalb des Inns auf einer eiszeitlich geformten Schotterebene liegt die Stadt Töging. Es ist eine sehr junge Stadt. Erst 1972 wurden ihr die Stadtrechte verliehen. Archäologische Funde entlang des Inns belegen eine über Jahrtausende fast ununterbrochene Besiedelung. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1300. Erst die Ansiedlung der Industrie Anfang des letzten Jahrhunderts ließ die Einwohnerzahl in wenigen Jahrzehnten bis knapp unter 10000 ansteigen.
Gelungene Transformation
Die größte Herausforderung der vergangenen Jahrzehnte war das Ende der Aluminiumproduktion in den 90er-Jahren. Aber: „Töging hat sich neu erfunden. Diese Transformation gelingt immer besser. Es ist eine junge Stadt voller Energie, eine attraktive Wohn- und Gewerbestadt an der A94“, findet Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst.
Wer heute Töging sagt, sagt Strom aus Wasserkraft, denn hier steht am Ende des 23 Kilometer langen Innkanal ein Wasserkraftwerk, das seit ziemlich genau 100 Jahren Strom liefert. Zunächst produzierte das Kraftwerk den Strom für die Aluminiumhütte. Nach der Einstellung der Aluminiumproduktion im Jahr 1996 wurde er ins öffentliche Netz eingespeist. Im Jahr 2022 wurde nach vier Jahren Bauzeit neben dem alten, denkmalgeschützten Bestandsgebäude ein neues Turbinenhaus eingeweiht, das die ursprünglich 15 Turbinen durch drei Kaplan-Turbinen ersetzt und mit moderner Technik 25 Prozent mehr Strom produzieren kann. Mit einer Leistung von 118 Megawatt versorgt das neue Kraftwerk 200000 Haushalte. Die nächsten Herausforderungen der Stadt sind laut Windhorst die Neuordnung der Wasserversorgung, der Neubau eines weiteren Kindergartens sowie zahlreiche Sanierungsarbeiten an der Mehrzweckhalle, dem Freibad und dem Rettungszentrum.
Wachstum birgt Herausforderungen
„Wir kommen gut voran!“, so die positive Einschätzung des Bürgermeisters. „Wir haben viel geschafft in den letzten Jahren. Am meisten freut mich, dass in Verwaltung und im Stadtrat alle an einem Strang ziehen.“ Das gesellschaftliche Leben ist unter anderem von den rund 50 Vereinen geprägt. Allein im TuS Töging, dem größten Verein, sind in 17 verschiedenen Abteilungen rund 1800 Mitglieder aktiv, 600 davon sind unter 18 Jahre alt. „Wir wollen Töging bewegen, im sportlichen und gesellschaftlichen Sinn“, so Hans Neuberger, Erster Vorsitzender des Vereins.
Planungen für das TuS-Jubiläum laufen
Zum 100-jährigen Bestehen des Vereins im kommenden Jahr plane man bereits jetzt ein viertägiges Fest. Neben etlichen weiteren Sportvereinen – von Fußball über Tennis bis zum Motor- oder Skisport – findet man in Töging Vereine für Kunst, Kultur, Garten, Sozialengagement, Hobby und Freizeit. So gibt es unter anderem einen Modelleisenbahnclub mit einer eigenen Miniatur-Eisenbahnlandschaft, den Club der Gemütlichen, einen Bierbrauerverein, den Trachtenverein „Enzian“ mit Theatergruppe und Freilichtbühne und den Familienverband. Auch in Sachen Kultur muss sich Töging nicht verstecken: Neben Kammermusik im Carl-Orff-Saal, Neujahrsball, Blueskonzert oder Bauerntheater im Kulturzentrum Kantine und Gospelchor in der Kirche gibt es jedes Jahr ein Stadtfest, ein Weinfest, ein Volksfest und einen Weihnachtsmarkt. Ein Magnet für Junge und Junggebliebene ist das Silo1 mit Tanz- und Nachtclub, der sich in einem alten Gebäude an dem einstigen Aluminiumwerk angesiedelt hat. Seit 26 Jahren gibt es hier Konzerte, Partys, Biergarten und Imbiss. 2011 erweiterte noch der Magazin Club das „Siloland“. Nicht nur die Feierlaune der Besucher bringt Leben in das weitläufige Werksgelände. In weiteren Gebäuden haben sich mittlerweile etliche Betriebe und ein Gründerzentrum angesiedelt.
Insgesamt sind an die 770 Unternehmen von Kleinstakteuren bis hin zu Großbetrieben in Töging registriert. reu