Endlich Herbstfest – Zeit für ausgelassenes Feiern, Zeit, um Freunde zu treffen, neue Menschen kennenzulernen. Doch manchmal läuft so ein Herbstfestbesuch auch aus dem Ruder. Dann, wenn vielleicht aufgrund des Alkoholpegels oder einfach nur weil’s grad so lustig ist, gewisse Grenzen überschritten werden. Übergriffe jeglicher Art müssen sich weder Frau oder Mädchen noch Mann oder Bursch gefallen lassen. Vor allem für junge Frauen ist oftmals der Nachhauseweg eine Herausforderung.
Darauf möchte der Frauen- und Mädchennotruf e.V. anhand der jährlichen Kampagne „A sichere Gaudi!“ aufmerksam machen. Aber nicht nur während des Herbstfestes leistet dieser Verein wertvolle Arbeit. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle des Frauen- und Mädchennotrufs Rosenheim e.V. berichten hier von ihrer wichtigen Arbeit:
Seit wann gibt es den Frauen- und Mädchennotruf Rosenheim e.V. – und wer darf sich an Sie wenden? Nur Frauen und Mädchen?
Der Frauennotruf in Rosenheim wurde 1989 gegründet. Der Verein hat das Ziel, der Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche entgegenzuwirken, Betroffene zu unterstützen und eine gesellschaftliche Sensibilisierung für dieses Thema zu erreichen und zu vertiefen. Wir beraten unabhängig von Religion, Nationalität oder Aufenthaltsstatus, Alter und sexueller Ausrichtung. Unsere Hilfs- und Beratungsangebote sind kostenlos und auch vollkommen anonym möglich – für betroffene Frauen und Mädchen, für von sexualisierter Gewalt betroffene Jungen und für Familienangehörige, Freunde, Bezugspersonen und Fachpersonal. Wo diese Gewalt beginnt und wie man sich davor schützen oder dagegen wehren kann, erklären die Mitarbeiterinnen des Frauen- und Mädchennotrufs Rosenheim e.V.
Wie viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen unterstützen Sie derzeit?
Derzeit arbeiten sieben ehrenamtliche und neun hauptamtliche Mitarbeiterinnen im Verein. Das hauptamtliche Team besteht aus Sozialpädagoginnen mit Zusatzausbildungen, unter anderem in traumasensibler Beratung, systemischer Therapie oder zur Kinderschutzfachkraft. In unseren Beratungsstellen Rosenheim und Miesbach werden viele Beratungen, Begleitungen und Fortbildungen durchgeführt. In unserer Rosenheimer Präventionsfachstelle werden in großem Umfang Präventionseinheiten gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen sowie Fortbildungen angeboten.
Um hier mehr Sicherheit zu geben und die Handlungskompetenzen zu erweitern, bietet der Verein diese Workshops und Informationsveranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten an. In unserer Rosenheimer Beratungsstelle fanden letztes Jahr mehr als 1200 Kontakte statt und wir konnten in Workshops an Schulen rund 2200 Kinder und Jugendliche in Stadt und Landkreis Rosenheim zu sexualisierter Gewalt sensibilisieren. Dazu finden auch Elternabende für Eltern und Lehrkräfte statt.
Wer leitet den Verein?
Die Leitung des Vereins erfolgt durch einen ehrenamtlichen geschäftsführenden Vorstand, der aus drei Frauen besteht.
Wie kann so eine wichtige Anlaufstation finanziert werden?
Die Fachstellen des Frauen- und Mädchennotrufs werden über eine Mischfinanzierung aus öffentlichen Zuschüssen und anderen Einnahmen aufrechterhalten.
Zuschüsse erhält der Verein von Stadt und Landkreis Rosenheim, vom Landkreis Miesbach sowie von dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Weitere Einnahmen kommen aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Auch Bußgelder der Gerichte können in die finanziellen Mittel des Vereins fließen.
Leider gibt es keine 100 Prozent gesicherte Finanzierung. Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit sind deshalb wichtige Säulen der Vereinsarbeit.