„Mein tägliches kleines Abenteuer“

von Redaktion

Patricia Krause arbeitet seit insgesamt 25 Jahren als Zeitungszustellerin

Für viele Menschen ist es ein festes Ritual: Der Gang morgens zum Briefkasten, um sich die tägliche Portion Nachrichten zu holen. Mehr als 450 Zeitungszusteller sorgen dafür, dass die Leselektüre pünktlich in der Zeitungsrolle liegt. Die Rosenheimerin Patricia Krause macht diesen Job seit 25 Jahren mit Begeisterung.

Was wäre eine Zeitung ohne die Zeitungszusteller?! Sie sind das letzte Glied in der Produktionskette. Ohne sie würde die gedruckte Zeitung nicht zum Leser kommen – und darauf legen auch im Online-Zeitalter nach wie vor sehr viele großen Wert.

Das ist auch bei Patricia Krause so. Aber wenn sie sich so um 8.30 Uhr am Morgen ihren Tee einschenkt und ihre Zeitung aufschlägt, hat sie schon dafür gesorgt, dass auch anderenorts die Abonnenten in diesen Genuss kommen – und das seit 1994 mit einer kurzen Unterbrechung bis zum heutigen Tag.

„Als ich 1994 zu dieser Tätigkeit kam, war ich Mama. Ich wollte etwas dazuverdienen, aber dennoch für meine Kinder da sein. Und so wurde ich auf eine Stellenanzeige in der Zeitung aufmerksam, mit der Zeitungszusteller gesucht wurden. Ich habe mich sofort beworben und durfte dann auch bald meine erste Tour fahren“, erinnert sich die Rosenheimerin.

Von dieser Tätigkeit ist sie bis heute begeistert. „Ich bin in der Nacht unterwegs, wenn die meisten Menschen noch schlafen. Ich genieße die Ruhe“, schwärmt die 60-Jährige. Von Montag bis Samstag steht Patricia Krause für ihre Tätigkeit täglich um 2 Uhr in der Früh auf. Zuständig ist sie für mehrere Gebiete in der Gemeinde Stephanskirchen. Rund 60 Kilometer legt sie für eine Tour zurück. Zusätzlich übernimmt sie oft noch andere Gebiete, wenn dort die Zeitungszusteller ausfallen.

Tagesrhythmus an
Tätigkeit angepasst

Das frühe Aufstehen bereitet ihr längst kein Problem mehr. „Ich habe meinen Tagesrhythmus angepasst. Ich gehe immer so um 9 Uhr schlafen. Lange Grillnächte oder Ähnliches gehen natürlich nicht. Aber das macht mir auch nichts aus“, erzählt die Rosenheimerin.

Früher, als ihre drei Kinder noch klein waren, habe sie sich nach getaner Arbeit oftmals noch am Vormittag für eine Stunde hingelegt, wenn der Nachwuchs in Kindergarten oder Schule aus dem Haus war. Mittlerweile brauche sie aber auch das nicht mehr: „Die Kinder sind erwachsen und ich bin jetzt nur noch für mich selbst zuständig. Am Nachmittag werde ich schon oft mal etwas müde, aber dann gönne ich mir halt eine kleine Ruhephase mit einem Buch im Garten oder gemütlich vor dem Fernseher. Das geht jetzt mühelos und dann passt es auch wieder.“

Um eine Zeitung vor Ort zuzustellen, braucht Patricia Krause meist nur eine Minute. „Ich steige aus meinem Auto aus und werfe die Zeitung dann ein. Etwas länger dauert es nur, wenn die Zeitung besonders dick ist und sich deshalb schwerer falten oder rollen lässt“, erzählt sie.

Bevor es aber so weit ist, muss sie erst mal zur Sammelstelle fahren und die Zeitungspakete in ihr Auto einladen. Da trifft sie auch oft auf andere Zusteller. „Das ist wie in einer großen Familie. Man freut sich, wenn man sich sieht und hilft sich auch, wenn es mal einen Notfall gibt, zum Beispiel, wenn ein Auto nicht mehr anspringen will“, so die treue OVB-Mitarbeiterin.

Selbst Wind, Kälte und Regen nimmt die Rosenheimerin gelassen: „Natürlich ist man im Winter in kalten Nächten am Schluss ganz schön durchgefroren. Aber ich weiß ja, dass ich mich danach daheim umziehen und aufwärmen kann. Und wenn es mal ganz arg wird, kann ich auch zwischendurch schnell heim und mir frische Kleidung holen. Die Strecke von Rosenheim nach Stephanskirchen ist ja nicht so weit.“

In der Nacht allein unterwegs, das ist nicht jedermanns Sache. Patricia Krause sieht das als ihr „tägliches kleines Abenteuer“. Brenzlige Situationen hat sie zum Glück bis jetzt nur sehr selten erlebt. „Einmal stand plötzlich ein großer Hund vor mir. Da war mir dann schon etwas mulmig. Zum Glück kam ein anderer Zusteller um die Ecke und hat ihn vertrieben“.

Jüngst gab es einen kleinen Zwischenfall, bei dem die 60-Jährige zuerst einmal auch nicht so genau wusste, was sie jetzt machen soll: „Da lag ein Mann schlafend in einem Bushaltehäuschen, den Kopf gebettet auf meinen Zeitungspaketen. Ich wusste ja nicht, wie er reagiert, wenn ich ihn wecke. Ich habe mir dann ein Herz gefasst und ihn angesprochen. Zum Glück war er sehr freundlich und hat sich sogar bei mir entschuldigt. Ich habe meine Zeitungen genommen und er hat dann einfach wieder weitergeschlafen.“

Ansonsten genießt sie ihre Tätigkeit auch nach 25 Jahren noch in vollen Zügen: „Als Mutter gab mir diese Tätigkeit die Möglichkeit, zu arbeiten, wenn meine Kinder schlafen und für sie da zu sein, wenn sie mich brauchen. Jetzt bringt sie Abwechslung in mein Leben und hält mich fit“.

Darum steht für Patricia Krause fest: Sie will auch nach ihrem Eintritt in den wohlverdienten Ruhestand weiter Zustellerin für die OVB-Heimatzeitungen bleiben.

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