Wer suchet, der findet

von Redaktion

Von kaum illustriert bis kurios: So haben sich OVB-Anzeigen über die Zeit verändert

Seit der ersten Ausgabe begleiten Anzeigen die Zeitungsseiten. Bis heute sind sie für den Verlag in wirtschaftlichem Sinne unverzichtbar – und auch aus gesellschaftlicher und kultureller Sicht. Amüsant wird es beim Rückblick auf kuriose Annoncen aus der OVB-Geschichte.

Gleich zu Beginn ist eine kurze Erklärung notwendig, aber die Theorie soll nur wenige Zeilen dauern: Es gibt verschiedene Arten von Anzeigen. Von überregionalen Firmen, lokalen Geschäften oder privaten Kleinanzeigen: „Suche Sonnenschirm, tausche gegen eine Packung Kaffee“ oder ähnlicher Art. Daneben auch Jubiläums-, Glückwunsch- und Todesanzeigen oder Stellenanzeigen. Sie alle haben eine Sache gemeinsam: Sie möchten Leser informieren – und natürlich auch zum Kauf auffordern. Für die meisten Zeitungen sind Anzeigen dabei eine Haupteinnahmequelle: Die jeweilige Firma bezahlt für den Platz in der Zeitung und bekommt dadurch große Aufmerksamkeit.

Das garantierte schon 1864 der OVB-Vorgänger mit folgendem Satz: „Anzeigen finden durch den Rosenheimer Anzeiger eine große Verbreitung“. Aufzugeben waren diese damals in der Huber’schen Buchhandlung in Wasserburg zu drei Kreuzer je Spaltzeile. Die Zeitung nutzte und nutzt das Geld, um Kosten zu decken und das Blatt erschwinglich zu halten.

Anzeigen gab es im OVB-Vorgänger „Rosenheimer Wochenblatt“ von Beginn an. Sie sahen allerdings etwas anders aus. Keine Bilder, nur Text – und teilweise schwierig von Bekanntmachungen oder Artikeln zu unterscheiden. Heute müssen Anzeigen deutlich als solche gekennzeichnet sein.

In der Ausgabe vom 7. Januar 1855 findet sich zum Beispiel diese kuriose Privat-Anzeige: „Der Unterzeichnete erklärt, dass er für seinen Sohn Sebastian Hundseder, zur Zeit Fuhrknecht beim Boten Baumgartner in Trostberg, in keinerlei Weise mehr eine Zahlung leistet, und warnt hiermit jedermann.“ Gleich darunter eine Anzeige für „Dr. Borchardt’s aromatisch-medizinische Kräuter-Seife“. Diese beeindruckte angeblich sämtliche Ärzte „durch ihre Heilkraft und ihre überraschende Wirkung bei jeder selbst jahrelang vernachlässigter Haut.“

Nur wenige Monate später wurde fast an gleicher Stelle das „privilegierte Haarwuchsmittel“ von „Doktor Hartung’s“ mit „wohlfeilem Preis“ angepriesen – eine Produktart, die es heute noch zuhauf in den Supermarkt-Regalen zu finden gibt. Spannend sind aus heutiger Sicht die sogenannten historischen Schrannen-Anzeigen mit Marktpreisen und -gewichten für Lebensmittel wie Mehl, Brot oder Fleisch.

Neues Format – mehr
Platz für Anzeigen

Einen richtigen Aufschwung nahmen die Anzeigen, als 1864 aus dem „Rosenheimer Wochenblatt“ der „Rosenheimer Anzeiger“ geworden war. Die Nachfrage stieg. Damit mehr Platz für Annoncen war, wurde das Format auf ein „breitspaltiges Großfolio-Format“ geändert und die Seitenzahl erhöht. Ab da gab es regelmäßig Anzeigen überregionaler oder sogar internationaler Firmen wie dem Schweizer Schokoladen-Unternehmen Suchard – erstmals mit kleinen Abbildungen oder Grafiken. Manchmal gelungener, manchmal nicht. So heißt es in einer Suchard-Anzeige, die Schokolade „vereinigt vorzüglichste Qualität mit mässigem Preise“. Nur: Die Pünktchen auf dem A sind so schlecht zu sehen, dass aus den „mässigen Preisen“ schnell „massige Preise“ wurden – und die wollte sicher schon damals niemand bezahlen. Heute wirbt Suchard übrigens mit deutlich moderneren Slogans.

1892 warb Maggi mit der damals sicher höchst modernen schwarz-weißen Illustration eines seiner bekannten Fläschchens und dem Spruch „Für die gute Köchin wie für die sparsame Hausfrau. Höchst wohltätig auch für Kranke und Schwache.“ Wohl bekomm’s!

Erst reiner Text,
später Illustrationen

Die ersten Anzeigen waren reine Text-Annoncen in Schwarz-Weiß. Fast ein wenig trostlos kamen sie daher. Die technischen Möglichkeiten waren begrenzt. Wer damals besonders „in“ sein wollte, verwendete verschiedene Schriftarten- und Größen – was teilweise zu mehr Verwirrung als Klarheit führte. Später kamen Illustrationen hinzu. Heute dominieren große Farbfotos, manchmal fast ohne Texte. Gestaltet werden sie am Computer von professionellen Grafikdesignern. Auch die Ausdrucksweise in Anzeigen hat sich gewandelt. Von sehr formell und höflich, zu persönlich und emotional, manchmal sogar frech und unterhaltsam.

Lokale Unternehmen inserierten früh in den Vorgängern des OVB. So erfolgte zum Beispiel 1860 eine Einladung zur großen „Härings-Partie bei Herrn Rieslinger (zum Schwinghammer)“ – mit musikalischer Unterhaltung. Wie besonders dieses Event war, stand darunter vermerkt: „Zugleich wird bemerkt, dass derartige Partien an hiesigem Platze noch nicht stattgefunden haben und wird zu zahlreichem Besuche hiermit eingeladen.“ Es ist sicher eine feuchtfröhliche Veranstaltung geworden.

Später folgten regelmäßige Anzeigen von Kaufhaus Wilhelm – heute Galeria Karstadt – und Kaufhalle, über Reisebüro Käding bis Haro Baumarkt. Auch eine Rosenheimer Brauerei inserierte bereits: Im Jahr 1892 zum Beispiel findet sich eine Anzeige der „Johann Auer’s Brauerei Rosenheim“. Darin gibt der damalige Inhaber den Versand seines Salvator-Bieres ab 12. März bekannt „…und lade die Herren Wirthe (…) zu freundlichem Bezuge in Gebinden und Flaschen ein.“ Der Preis: 30 Goldmark je Hektoliter.

Über die Jahre wurden die Inserenten immer internationaler und zahlreicher. Heute bildet das Oberbayerische Volksblatt mit seinen Lokalausgaben eine bunte Mischung aus regionalen und überregionalen Anzeigenkunden ab.

Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Unfold – History Marketing entstanden.

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