Menschen hautnah erleben: Der ehemalige Umweltminister Marcel Huber (rechts) half spontan bei einem offiziellen Termin einer Kuh beim Kalben. Foto Auer
Die lokale Berichterstattung, zum Beispiel über Vereinsfeste, liefert ein eindrucksvolles Bild des Zusammenhalts und der Zusammenarbeit vor Ort. Der freie Mitarbeiter ist immer live dabei und schafft auf diese Weise eine Chronik des Alltags. Foto Rehberg
Dieses Tier machte deutschlandweit Schlagzeilen: OVB-Reporter Josef Enzinger von der Redaktion Mühldorf gelang im Oktober 2021 eine der wenigen Aufnahmen von der ausgebüxten Kuh Yvonne, die ihrer Freiheitsliebe wegen tagelang im Wald verschwand. Foto Enzinger
Bei dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling am 9. Februar 2016 stießen zwei Regionalzüge auf der eingleisigen Strecke frontal zusammen. Zwölf Menschen starben, mehr als 80 wurden zum Teil schwer verletzt.
Foto dpa/Peter Kneffel
Vorstand beim örtlichen Sportverein legt überraschend Amt nieder. Gartenbauverein kürt Riesenkürbis. Kaninchenzuchtverein freut sich über Erfolge beim Erhalt seltener Rasse. Bauausschuss genehmigt Vorhaben mit neuem Wohnprojekt: Es sind die kleinen Dinge aus dem täglichen Leben, die Leser und Leserinnen an der Heimatzeitung am meisten interessieren.
Wer wissen will, was es Neues in der Stadt oder der Gemeinde gibt, in der man lebt, der schlägt den Lokalteil auf. Hier stehen die Dinge, die jeden angehen und bewegen. Geschichtsbücher halten die großen Ereignisse der Welt fest, der Lokalteil ist eine minutiöse Chronik des Alltags, die jeder selber miterlebt und durchfühlt.
Es sind die Dinge, mit denen man sich persönlich identifizieren kann, die Erlebnisse und Vorkommnisse, die einen direkt betreffen und die vor der Haustür geschehen. Im Lokalteil „trifft“ man auf die Menschen, mit denen man persönlich beim Einkaufen, auf Konzerten, auf Bürgerversammlungen oder anderen Events zusammen ist. Und ist man nicht selbst vor Ort, kann man sich darauf verlassen, dass in der Heimatzeitung eine Zusammenfassung der wichtigsten Entscheidungen und Ereignisse zu lesen ist.
„Hinter allem und jedem ist eine tolle Geschichte zu entdecken. Man muss nur stöbern“: Diese Weisheit kommt von der langjährigen, leider schon verstorbenen Rosenheimer Stadtjournalistin Elvira Biebel-Neu. Wie recht sie doch hatte! Hinter noch so jedem kleinen Verein stehen Menschen – und Menschen sind Garanten für Geschichten. Jeder hat etwas zu erzählen!
Das Schönste daran ist die Wechselwirkung, die zwischen Menschen und Zeitung entsteht. Denn: Der Lokalteil ist eine Plattform für alles, was in der Heimat vor sich geht. Vereine können sich und ihre wertvolle, oft ehrenamtliche und unbezahlte Arbeit vorstellen. Politiker und ihre Entscheidungen müssen sich dank der Berichterstattung der öffentlichen Meinung stellen. Künstler und Sportler haben die Möglichkeit, sich und ihre Leistungen einem breiten Publikum zu präsentieren und sich dafür gebührend feiern zu lassen. Bestens informiert ist man über Termine und Veranstaltungen, die man nicht verpassen möchte.
Es braucht nicht immer die große Bühne – und doch nehmen auch weltweite Schlagzeilen sehr oft ihren Anfang in der Region. Für heitere Stimmung sorgen die positiven, kuriosen, lustigen Geschichten – wie die von der Kuh Yvonne, die 2021 mitten unter der Corona-Pandemie wochenlang für ihren Freiheitsdrang gefeiert wurde – deutschlandweit. Viele Leser und Leserinnen fieberten mit dem Rindvieh mit.
Lokaljournalist ist der Erste vor Ort
Leider ist die Region nicht vor Katastrophen, Tragödien und Schicksalen gefeit. Man erinnere sich an das schreckliche Zugunglück in Bad Aibling im Jahr 2016. Der Erste vor Ort ist immer der Lokaljournalist. Er bleibt auch noch dran, wenn das Interesse der großen Medien erlahmt.
Lokaljournalisten setzen Dinge in Gang
Besonders toll am Beruf des Lokaljournalisten ist, dass er für die Menschen in der Region wirklich etwas bewirken kann: Wenn irgendwo der Schuh drückt und alles andere nicht hilft – die direkte Ansprache der Betroffenen, der Anruf beim Amt – dann wenden sich viele Leser und Leserinnen an die Zeitung und ihre freien Mitarbeiter.
Sie sind manchmal Seelentröster und Helfer in der Not. Sie haken bei schier aussichtslosen Problemen nach und bringen Schwung in die Sache. In Patt-Situationen können sie zum Mediator werden – und zu einer Kompromiss-Lösung beitragen, die allen Beteiligten hilft.
Die Heimat kennenlernen
Entscheidungen des täglichen Lebens, wie man seinen Alltag gestalten möchte, fallen häufig aufgrund von Berichten und Meldungen im Lokalteil. Wer neu in einer Gemeinde oder Stadt ist, kann sich in kürzester Zeit über das ein Bild machen, was in seiner neuen Heimat Sache ist. Und Alteingesessene halten sich über das regionale Geschehen im Bilde.
Kaninchenzuchtverein und Bauausschuss sind also keinesfalls zu unterschätzen – der Lokaljournalismus gräbt oft die interessantesten Geschichten aus, führt Buch über das Leben in der Region, er unterhält und informiert die Leser und Leserinnen und hilft dabei, das große und kleine Geschehen einzuordnen, zu verstehen und sich eine eigene Meinung zu bilden.
kmz