Das Ressort für die geistige Nahrung

von Redaktion

Feuilleton vermittelt Lesern die ganze Bandbreite – Musik, Theater, Malerei, Literatur

„Seid Ihr gestern gar nicht im Konzert im Kuko gewesen?“ – „Nein, unsere Schwiegereltern aus dem Rheinland haben auf ihrer Urlaubstour kurzfristig Station bei uns gemacht, und da habe ich die Karten unseren Nachbarn geschenkt.“ – „Und, wie war das Konzert?“ – „Fantastisch!“ – „ Ja, erzähl‘ mehr!“ – „Du, ich muss weiter, aber schau doch morgen in die Heimatzeitung, da kommt doch die Besprechung, der Kritiker vom OVB war ja da; der kann’s besser wiedergeben als ich – pfiat di!“

So oder ähnlich trifft manchmal der Zufall ein und lässt Musik- oder Theaterinteressierte eine Aufführung versäumen. Aber das Ereignis nachzuerleben, versehen mit lobenden und auch kritischen Anmerkungen: dafür gibt es in den OVB-Heimatzeitungen die Seiten „Kultur in der Region“. Hier können unsere Leser die kulturellen Ereignisse nachverfolgen, die sie verpasst haben oder die sie gerne aus der Sicht eines fachkundigen Rezensenten noch mal nacherleben und nachempfinden wollen.

Früher nannte sich die regionale Kulturseite „Heimatfeuilleton“. Der Begriff „Feuilleton“ stammt aus dem Französischen (feuille = Blatt) und bezeichnet ein „Beiblättchen“ kulturellen Inhalts, das den damaligen Zeitungen beigelegt wurde.

Das Feuilleton beinhaltet bis heute diverse journalistische Genres: Rezensionen – auch Kritiken genannt – Hintergrundberichte, Reportagen, Interviews, literarische Formen wie Essays, geschichtsbezogene oder auch heimatsprachliche Beiträge, Kommentare bis hin zu Glossen.

Die meisten Feuilletonbeiträge geben subjektive Meinungen wieder. Nicht jeder Besucher fand das Theaterstück so gelungen oder so schlecht wie der Rezensent – das gehört eben dazu.

Im Oktober 1982 eröffnete im „Oberzentrum der Region 18“, also in Rosenheim, die Stadthalle, die später erweitert, zum „Kultur- und Kongress-Zentrum“, kurz „Kuko“ umbenannt wurde.

Ein Zentrum
für die Kultur

Mit ihrem Bau war ein repräsentativer, multifunktionaler Saalbau für die Region geschaffen worden, der nicht nur hochklassigen kulturellen Ensembles die geeigneten Auftrittsmöglichkeiten bot, sondern auch dem damaligen Heimatfeuilleton aufgrund der zahlreichen Gastspiele mehr Aufmerksamkeit zukommen ließ.

War das damalige Heimatfeuilleton bis dahin mittwochs eine drittelseitenhohe Fußleiste auf der zweiten Landkreisseite gewesen, ebenso in der Wochenendausgabe, manchmal sogar eine Extraseite, so vergrößerten die Veranstaltungen in der Stadthalle mit manchmal über Tausend Besuchern der Konzerte, Opern, Musicals, Sprechtheateraufführungen und Kabarett auch den Umfang des Heimatfeuilletons in der Zeitung.

Rundherum erwuchs aber auch mehr und mehr kulturelles Leben; in der Stadt Rosenheim und im gesamten Verbreitungsgebiet der OVB-Heimatzeitungen – und so wurde das Heimatfeuilleton zu „Kultur in der Region“.

Erster Kulturredakteur des Oberbayerischen Volksblatts war seit der Lizensierung nach dem Zweiten Weltkrieg Hans Heyn, 1982 gefolgt von Franz Hilger. 1993 übernahm Raimund Feichtner das Ressort, und seit 2018 ist Klaus Kuhn OVB-Kulturredakteur.

Der nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Austausch zwischen Süd und Nord, gespeist von der Route über den Brenner, die aus den Bergen hier ins Voralpenland übergeht, hat den Begriff „spielfreudiges Inntal“ geprägt – Musik- und Theaterbegeisterung sind hier bestens entwickelt.

Nicht alle Kulturaktivitäten können hier erwähnt werden – aber eine Übersicht zeigt die Vielfalt in der Region.

Wirksame Initiativen
beleben die Kultur

Eine wesentliche Initiative in der Region war der „Musiksommer zwischen Inn und Salzach“. 1976 hatte der Grassauer Arzt Dr. Franz Zach die Idee, die Kirchen, Klöster und Schlösser dieser Landschaft mit Musik zu erfüllen. Damals entstand diese bis heute erfolgreiche Konzertreihe, der sich die Landkreise Rosenheim, Mühldorf am Inn, Altötting und Berchtesgadener Land zugesellten.

Prägende
Persönlichkeiten

Weitere Konzertreihen, wie die Wasserburger Rathauskonzerte oder die Traunsteiner Sommerkonzerte, bereichern unsere Region.

Klaus Jörg Schönmetzler, ab 1992 bis 2015 Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, gründete oder unterstützte zahlreiche weitere Veranstaltungen, von den Festspielen Herrenchiemsee mit Enoch zu Guttenberg, über „Klassik Bad Aibling“ im Kurhaussaal, die dortige Gitarren-Konzertreihe „Saitensprünge“, das Aschauer Kammermusik-Festival „Festivo“, aber auch die Bad Aiblinger Literaturtage.

Mit Lesungen, Konzerten und Freiluft-Veranstaltungen punktet die vielfach prämierte Rosenheimer Stadtbibliothek. Die Bibliotheken der Region bilden für die Bevölkerung gerade in kleineren Orten niederschwellige Kulturtreffpunkte.

Zahlreiche Ensembles engagierter Musikbegeisterter musizieren übers Jahr, von der „Innphilharmonie“ Rosenheim über die Kirchenchöre bis zum Wasserburger Bachchor. Orgelkonzertreihen gibt es nicht nur in Kolbermoor oder Bad Endorf.

Ein Glanzpunkt der Region hat sich mit Ludwig Baumanns Opernfestival auf dem „Grünen Hügel“ in Immling bei Bad Endorf entwickelt. Auch die Ameranger Opernfestspiele und Sommerkonzerte haben ihren festen Platz im Kulturleben der Region Auf der „drüberen“ Innseite wurde neben dem Erler Passionsspielhaus ein fulminantes Konzertgebäude für die „Tiroler Festspiele“ errichtet, außerdem eine Freilicht-Bühne auf der Festung Kufstein.

Auch über diese hochrangigen Konzerte wird auf unseren Kulturseiten berichtet.

In fast jedem Ort gibt es Blaskapellen von zum Teil erstaunlich hohem Niveau und großer musikalischer Bandbreite, in manchen Gemeinden gibt es klassische Kammerorchester, Pop-, Rock- und Bluesgruppen. Herausragend waren in den 1980er-Jahren die Rosenheimer Jazz-liv(f)e-Tage mit internationalen Stars. Seit 50 Jahren ist das kleine Rosenheimer Jazz-Lokal „Le Pirate“ die Adresse zwischen München, Salzburg und Innsbruck.

Mit dem dreitägigen Open-Air-„Echelon“ in Mietraching bei Bad Aibling hat die Region das größte Elektro- und House-Festival Bayerns, das über 30000 Besucher anzieht; von 1995 bis 2017 sorgte das Reggae-Festival am Chiemsee für ähnlichen Besucheransturm.

Bretter, die die
Welt bedeuten

Das „spielfreudige Inntal“ beginnt für die Region in Kiefersfelden mit den „Ritterschauspielen“ über die Flintsbacher „Theaterer“ bis nach Rosenheim als „heimliche Hauptstadt des Amateurtheaters“. Mehrere Amateurbühnen sowie Jugendensembles existieren kollegial nebeneinander.

Einen qualitativen Schub gab ab 1982 der Profi-Regisseur Toni Müller mit seinen Theatergründungen, die auch die Wasserburger Szene befruchteten. In Feldkirchen-Westerham gibt es den Kulturherbst, in Bad Endorf werden regelmäßig religiöse Bühnenstücke aufgeführt, in Rimsting exisitiert seit den 1980er-Jahren eine Amateur-Bühne, in Traunstein hat sich vor 25 Jahren die Kulturfabrik NUTS gegründet mit einem vielfältigen Programm, und der Haberkasten in Mühldorf ist auch ein kultureller Schwerpunkt. Musik- und Theatervereine gibt es fast in allen Orten der Region.

Kultur: ein Pluspunkt
für die Region

Die „weichen Standortfaktoren“, wozu eben auch die kulturellen „Events“ zählen, haben ständig zum Wachstum der regionalen Attraktivität beigetragen. Eine wesentliche Initiative war der Umbau des Rosenheimer Lokschuppens zum Ausstellungszentrum, das seit 1988 ein mannigfaltiges Programm bietet und seit Jahren zu den zehn bestbesuchten Ausstellungszentren Deutschland zählt, wiewohl Rosenheim keine Großstadt ist. Das Zentrum zieht Besucher aus ganz Bayern und darüber hinaus an – mit Themen von Bajuwaren über Ägypter und Indianer bis zu Helden, Sauriern oder Vulkanen. Außerdem entstand dort der Stadtjugendringsaal. Hier finden die vor über 30 Jahren gegründeten „Rosenheimer Kleinkunststage“ statt. Durch die Gastspiele auswärtiger Ensembles wird die vorhandene regionale Kabarettszene zusätzlich beflügelt.

Mit der Sanierung des Hofbräukomplexes erwachte auch der wunderschöne neoklassizistische Saal mit Galerie aus seinem Dornröschenschlaf und bildet als alternativer Veranstaltungsort größenmäßig die Mitte zwischen großem und kleinen Saal des Kuko.

Das deutschlandweit renommierte Bad Aiblinger Filmfestival „Nonfiktionale“, die Oberaudorfer Musikfilmtage sowie die immer wieder prämierten Programmkinos im Landkreis bieten besondere Filmkunst für die Cineasten unter uns an. Als Titelort der ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“ lockt der Drehort Fans der Krimiserie aus ganz Deutschland in die Innstadt. Alle diese Besucher bringen Geld in die Region, kaufen ein, essen und übernachten hier.

Plattformen
für Künstler

Nicht zu vergessen sind auch die bildenden Künste, die in Museen und Galerien Besucher, aber auch ausstellende Künstler von weither anlocken. So zum Beispiel die kommunalen Galerien in Rosenheim, Prien, Bruckmühl und Traunstein, aber auch die Ausstellungen der rührigen Kunstvereine in Rosenheim, Wasserburg, und Bad Aibling in ihren Räumen.

Im „Maximum“ in Traunreut ist Weltkunst ausgestellt, Waldkraiburg punktet mit einem Museumsneubau für Genremalerei, und Trostberg im öffentlichen Raum mit Skulpturenausstellungen wie auch Wasserburg.

„Kultur in der Region“ versorgt die Leser der OVB-Heimatzeitungen mit Ankündigungen kultureller Ereignisse, Berichten, Kritiken, Interviews und Hintergrundrecherchen. Viele engagierte, fleißige, sachkundige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten der Redaktion zu, um das so umfangreiche kulturelle Geschehen in dieser Region in der Zeitung abzubilden.

Hendrik Heuser

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