Wo sehen Sie aktuell die Stärken des Landkreises?
Der Landkreis ist in vielerlei Hinsicht ein Chancenlandkreis mit jeder Menge Potenzial. Wie attraktiv wir für die Menschen schon jetzt sind, zeigt ein Blick in die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Die jüngste Bertelsmann-Studie zum Beispiel prognostiziert unserem Landkreis bis 2040 ein Plus von 11,5 Prozent. Schön war es bei uns immer, aber nun kommen mehrere Faktoren zusammen, die unsere Anziehungskraft noch einmal erhöhen. Die Mieten und Immobilienpreise sind trotz des Anstiegs der vergangenen Jahre im Vergleich zur Landeshauptstadt nach wie vor moderat. Außerdem sorgen die A94 und die Bahn mit der Aussicht auf den zweigleisigen Ausbau für eine gute Verkehrsanbindung. Und die Menschen schätzen das große Arbeitsplatzangebot in der Region: Wir sind ein attraktiver High-Tech-Standort mit vielen „Hidden Champions“, der im Herzen Oberbayerns liegt: In knapp einer Stunde ist man in München, im Bäderdreieck, am Chiemsee, in Landshut oder in Salzburg. Die A94 bietet uns sowohl wirtschafts- als auch energiepolitisch zahlreiche Chancen. Wir wollen sie durch unser Projekt „Innovationsachse und Wirtschaftsraum A94“ nutzen und so zu einem Vorreiter für ganz Deutschland werden. Zudem stellen wir uns der Notwendigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien und gehen diese gemeinsam mit den Gemeinden durch die Gründung eines Landkreiswerkes an.
Was sind die größten Herausforderungen? Wo besteht dringender Handlungsbedarf?
Wir beobachten seit Jahren die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis Mühldorf über ein eigenes Monitoring im Landratsamt und bereiten uns darauf vor. Zu den Herausforderungen zählt unter anderem der massive Ausbau der Kita-Betreuung, den die Städte und Gemeinden leisten müssen. Als Landkreis tätigen wir trotz knapper Kassen große Investitionen im Bildungsbereich. Erst im April haben wir den Neubau am Gymnasium Gars eingeweiht, aktuell laufen die Bauarbeiten zu den Erweiterungen an den Gymnasien Mühldorf und Waldkraiburg. Auch die Planungen für das neue Förderzentrum in Waldwinkel bei Aschau gehen voran. Im Gesundheits- und Pflegebereich ist der Erhalt des InnKlinikums mit allen vier Standorten von entscheidender Bedeutung. Nach der Fusion mit der Kreisklinik Altötting sind wir jetzt auf einem guten Weg. Denn über allen Maßnahmen steht die Frage: Was können wir uns in der aktuellen Situation überhaupt leisten? Die angespannte Haushaltslage ist neben der Unterbringung und Integration der Flüchtlinge mit Sicherheit derzeit die zentrale Herausforderung für den Landkreis.
Laut dem letzten Marktbericht des Landratsamtes sind die Preise für Wohneigentum im Landkreis Mühldorf in den vergangenen zehn Jahren drastisch gestiegen. Bezahlbarer Wohnraum, auch der Traum vom Eigenheim, sind ein wichtiges Argument für Fachkräfte, in die Region zu ziehen: Fällt dieser Standortfaktor weg?
Bezahlbarer Wohnraum gehört zu den wichtigsten Fragen unserer Zeit. Dabei müssen wir alle Bevölkerungsgruppen im Blick haben: Senioren ebenso wie junge Familien oder Facharbeiter, die sich hier niederlassen wollen. Fakt ist: Im Vergleich zur Stadt München sind die Mieten und Immobilienpreise in der Region noch immer deutlich günstiger, obwohl auch bei uns der Traum vom Eigenheim angesichts der stark gestiegenen Grundstückspreise und Baukosten für viele Bürgerinnen und Bürger inzwischen in weite Ferne gerückt ist. Diesem Trend lässt sich nur entgegenwirken, wenn zusätzlicher Wohnraum entsteht und das Angebot steigt. Deshalb weisen viele unserer Städte und Gemeinden weitere Baugebiete aus, prüfen Leerstände oder verdichten nach. Da wir uns dieser Herausforderung aber gemeinsam stellen müssen, sehe ich auch die Haus- und Grundstückseigentümer sowie die Immobilienerben in der Pflicht, uns bei dieser Aufgabe zu unterstützen.
Der Bedarf an Wohnraum wird weiter wachsen, unter anderem weil die Nachfrage nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Landkreis Mühldorf a. Inn ungebrochen ist. Ich sehe deshalb vor allem die Chancen, die der Bevölkerungszuzug mit sich bringen wird. Maßgeblichen Anteil an der Steigerung der Bevölkerungszahlen haben die Altersgruppen der 30- bis 50-Jährigen sowie der Unter-18-Jährigen. Das heißt: Es ziehen Personen im erwerbsfähigen Alter in den Landkreis, die sich zudem vielleicht noch in der Familiengründungsphase befinden. Das wiederum wirkt der natürlichen Alterung der Bevölkerung entgegen und bietet die Chance, das Arbeitskräftepotenzial im Landkreis zu erhöhen. Das sind gute Nachrichten in Zeiten des Fachkräftemangels. Und gute Nachrichten für die Zukunft unseres Landkreises.