Musik verbindet: die Gemeinschaft im Pittenharter Kirchenchor

von Redaktion

„Wo man singt, da lass dich nieder“ – schon ein altes Sprichwort besagt, dass es unter Sängern harmonisch zugeht. Beim Pittenharter Kirchenchor trifft das zu: musikalisch und auch sozial. Rund 30 Sängerinnen und Sänger bilden hier eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Liebe zur Musik verbindet die Frauen und Männer verschiedenen Alters und unterschiedlicher Herkunft und schenkt ihnen ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit.

„Es zählt das Miteinander,“ ist aus Chorkreisen zu hören. Man müsse kein Supersänger sein. Jeder könne mitmachen und sich einbringen. Das gemeinsame Singen bereichert unser Leben in vielerlei Hinsicht.

Seit 56 Jahren im
Kirchenchor aktiv

Es bereite so viel Freude und stärke Freundschaften, bringt es Maria Hundseder auf den Punkt. Die Sopranistin ist schon seit ihrem eften Lebensjahr und damit seit 56 Jahren begeisterte Chorsängerin.

Überhaupt sind im Pittenharter Kirchenchor neben einigen „Küken“ viele langjährige Chorsänger zu finden. Bass-Sänger Martin ist mit 82 Jahren das älteste Chormitglied. Auch wenn er privat gerne Operettenmelodien und Sinatra singt, hat er Spaß am Kirchenchor. Ein Grund dafür ist Hans Bruckner. Der studierte Kirchenmusiker ist seit 44 Jahren Chorleiter und Garant für musikalische Finesse und Taktgefühl. Auch im zwischenmenschlichen Bereich. Drum gehören bei allem Streben nach musikalischer Perfektion und straffem Aufführungsprogramm, das gemütliche Zusammensitzen nach der Chorprobe oder gemeinsame Feierlichkeiten einfach dazu. Unter Sängern sei eine besondere Atmosphäre spürbar, ist von den Chormitgliedern zu hören. Neben einem ausführlichen Ratsch würden häufig noch lustige Wirtshauslieder oder Volksweisen angestimmt. Ganz oben auf der Liste stehe der „Alperer“. Für ganz besondere Gemeinschaftsmomente sorgen immer wieder Chorausflüge oder Gesangserlebnisse bei auswärtigen Aufführungen. Beispielsweise haben das Singspiel „Franziskus“ oder das „Paradies-Spiel“ den Pittenharter Kirchenchor in mehrere Kirchen im Chiemgau und schließlich bis nach Südtirol geführt. Die schönen Erinnerungen daran sind stets präsent. „Wir haben vor 25 Jahren um Kirchenasyl gebeten“, erzählen Mathilde Freilinger und Christl Schmitz lachend.

Singen steigert das
Glücksgefühl

Die beiden Obingerinnen fühlen sich, ebenso wie einige weitere Chormitglieder von außerhalb, auch über die Gemeindegrenzen hinweg zugehörig.

„Jeder von uns singt gerne. Singen macht glücklich,“ sagt der 63-jährige Max. Nach einem schweren Arbeitstag, habe man zwar manchmal erst keine Lust auf die Chorprobe am Abend. Am Ende gehe man aber zufrieden und gelöst nach Hause. Es sei ein gutes Gefühl, seine Zeit auf so angenehme Weise zu verbringen und auch noch etwas dabei zu lernen. „Wir singen nicht nur zu großen Feiertagen, sondern haben immer Programm und beim Volksgesang sind auch die Kirchenbesucher miteingebunden“, sagt Hans Bruckner. Auch während der herausfordernden Corona-Zeit habe der Chor die Gottesdienste musikalisch umrahmt. Allerdings nur mit jeweils vier Sängern und viel Abstand. Wie viel die Musik den Menschen gegeben habe, zeige sich vielleicht auch daran, dass sich der Chor nach der Pandemie über zehn neue Mitglieder freuen durfte. Er selbst sei im Februar 1980 nach Pittenhart gezogen. Im selben Jahr an Pfingsten habe er den Kirchenchor übernommen und ab da habe er sich sofort zugehörig gefühlt, erzählt der gebürtige Berchtesgadener, der in den vergangenen Jahren noch eine Reihe anderer Chöre und Kinderchöre musikalisch geprägt hat. Das Chorleben sei oft lustig, häufig auch berührend und nicht selten helfe der gemeinsame Gesang und die Gemeinschaft auch durch traurige Zeiten. Miteinander Singen wecke Emotionen und wirke sich häufig positiv auf den gesamten Körper aus, sagt der Musiklehrer für Gymnasien. Die Stimme komme von ganz drinnen und sei etwas sehr Persönliches. „Singen ist wohl die ursprünglichste musikalische Ausdrucksform. Im Grunde reiche der eigene Körper, man brauche keine Instrumente, betont Bruckner. „Singen kann uns jederzeit und in allen Lebensphasen begleiten.“ Wahrscheinlich erzeuge das Singen auch deshalb so ein starkes Gefühl der Verbundenheit. ca

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