Die Heiligen Drei Könige proben ihren Einsatz. Fotos Karin Zehentner
Andächtig schauen die Hirten zu den Engeln hinauf, die von der Kanzel in der Kastenauer Pfarrkirche in Rosenheim die frohe Botschaft verkünden: „Christus, der Herr ist geboren!“ Glockengeläut untermalt die andächtige Stimmung, die bei der Probe für das Krippenspiel herrscht. Barbara Stengel übt mit 26 Kindern im Alter von fünf bis 13 Jahren die uralte Geschichte ein, die seit Jahrhunderten an Heiligabend erzählt wird.
Das Krippenspiel, das Barbara Stengel aus Vorlagen zusammenstellt und umschreibt, damit jedes mitwirkende Kind eine Rolle hat, ist nicht nur eine besinnliche Unterhaltung beim Weihnachtsgottesdienst. Es geht für alle Beteiligten – die Zuschauer und die jungen Darsteller, um sehr viel mehr. Sie haben nicht einfach nur Spaß an der Sache, weil sie schauspielern, Freunde oder Freundinnen treffen und mit ihnen etwas unternehmen können. Die Freude, die das Hirtenspiel und die Vorbereitung auf den großen Abend von Jesu Geburt mit sich bringen, reicht sehr viel tiefer.
„Es ist so eine schöne Geschichte!“, schwärmt zum Beispiel Franziska. Sie ist schon ein alter Hase und war bereits mehrere Male dabei. „Wir spielen die Geschichte Jesu nach“, erklärt sie. „Und diese Geschichte macht Mut!“
Die Herbergssuche, die Verkündigung, die Suche der Hirten nach dem Stall und der Besuch der Heiligen Drei Könige, die von weit her gekommen sind, um den neuen König zu ehren und ihm Geschenke zu bringen – obwohl jeder Christ, ob groß oder klein, die Geschichte kennt, ist sie für die Kinder, die beim Hirtenspiel mitmachen, jedes Jahr neu – und jedes Jahr tauchen sie tiefer in die frohe Botschaft mit ein.
Barbara Stengel verteilt die Rollen zusammen mit den Kindern und findet im gemeinsamen Gespräch für jeden und jede das Passende. „Klar gibt es schon einmal Diskussionen, wenn jemand lieber Maria oder Josef spielen möchte“, berichtet sie. „Aber Engel, Hirten, Wirte, Könige, das heilige Paar – alle sind für den Ablauf der Handlung wesentlich. Jeder trägt seinen Teil dazu bei.“
Die Kinder und Jugendlichen, die schon seit Jahren mitmachen, mit dem Hirtenspiel sozusagen mitgewachsen sind, bestätigen: In jeder Rolle gibt es etwas Tieferes zu entdecken, alle Facetten der Emotionen zu durchlaufen und daraus für Weihnachten zu lernen. „Man fühlt sich so besonders, fühlt sich in die Rolle hinein“, beschreibt es Franziska.
Anna-Lena, die schon seit sechs Jahren mitspielt, meint: „Man kann sich so in die Geschichte hineindenken, dass man eine Vorstellung davon bekommt, wie es früher war.“
Mit eine Motivation für die Kinder, sich mit der heiligen Geschichte auseinanderzusetzen, ist natürlich, dass sie das Schauspielern lieben und sich darin üben können. „Man kann so schöne Gefühle ausdrücken! Beim Spielen wird einem die Geschichte und ihre frohe Botschaft noch viel bewusster“, beschreibt Jasmin. Toll finden die Kinder und Jugendlichen auch, dass sie mit Freunden hierherkommen – so wie Alrun und Magdalena. Oder neue Freunde finden, so wie Luisa oder Helena, die eigentlich zu St. Nikolaus gehören. In der Kastenau machen sie das erste Mal mit – und sind Feuer und Flamme.
„Es macht Spaß, sich hier zu treffen“, stellt Leonie fest. Das findet auch Marinus, der schon seit vier oder fünf Jahren mitspielt. „Die Zeit, bis das Christkind kommt, vergeht viel schneller!“, finden er und seine Schwester Mirjam.
Manche der Kinder haben ihre Geschwister zum Krippenspiel gebracht – Oskar zum Beispiel gefällt es gut, hier mit seinen Schwestern Clara, Luci und Pippa etwas unternehmen zu können, und Sophia macht mit, weil ihr kleiner Bruder Felix dabei ist.
Das Wichtigste ist den Kindern die gute Gemeinschaft – und dass sie helfen, die Botschaft von Christi Geburt weiterzutragen und zu verkünden. „Die Geschichte macht einem ein warmes Herz“, fasst es Jasmin zusammen. „Es ist so schön, wenn an Heiligabend die alten Menschen, Nachbarn und Freunde in der Kirche zusammenkommen und sich das Krippenspiel anschauen.“ Man könne die Freude in den Gesichtern der Menschen sehen, finden auch Quirin und Marlene, Jara und Leni.
Die beste Vorbereitung
auf das Weihnachtsfest
Zum Fest gehören für die Kastenauer Krippenspieler natürlich auch Geschenke und gutes Essen – „an Weihnachten schmeckt es besonders gut!“ Eines aber schätzen alle Kinder sehr: Es mit der Familie zu feiern, zusammenzukommen und eine gute Zeit miteinander zu haben. Gemeinschaft und Freude zu erleben. Das Krippenspiel, die Gefühle und die Botschaft, die es bringt, ist für sie die beste Vorbereitung auf den Heiligen Abend. Simon, Quirin, Sofia und Lena fassen es in einem Satz zusammen: „Es macht einfach glücklich.“