Können Sie mitsingen?

von Redaktion

Gegen eine kleine Spende gibt es in dem Gedächtnishaus Most und Schmalzbrot.

Zu sehen im Gedächtnishaus ist diese Büste von Franz Xaver Gruber.

Weihnachtslieder gehören zum Weihnachtsfest wie der Weihnachtsbaum und die Geschenke. Beim gemeinsamen Singen, ob in der Kirche, auf Adventskonzerten oder im heimischen Wohnzimmer, sind beim Refrain meist alle textsicher und können beseelt mitsingen. Doch spätestens bei der zweiten Strophe wird die Lyrik hier und dort gerne durch ein allgemeines Summen ersetzt.

Das könnte Ursula Huckemeyer nicht passieren. Sie schreibt nicht nur seit Jahren für die Waldkraiburger Nachrichten und den Mühldorfer Anzeiger, sie ist auch ein absoluter Fan von „Stille Nacht, heilige Nacht“. Für sie ist es das Weihnachtslied schlechthin: „Am dritten Adventswochenende bin ich mit meinen Enkelkindern nach Hochburg-Ach gefahren, dem Geburtsort von Franz Xaver Gruber, der das Lied komponiert hat.“ Sie möchte den Nachwuchs damit auf das schönste Weihnachtslied überhaupt einstimmen.

Auch bei anderen bekannten Weihnachtsliedern ist sie textsicher: „Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit, als meine Mutter Zither und meine Tante Gitarre spielten und gesungen wurde.“

Weltkultur entstand
ganz in der Nähe

Mit ihrer Begeisterung für „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist sie nicht allein. Während Popsongs wie „Last Christmas“ von Wham! die Menschen spaltet und von den einen gehasst und den anderen geliebt wird, spielt „Stille Nacht, heilige Nacht“ in einer ganz anderen Liga. Es gilt als das bekannteste Weihnachtslied weltweit und wurde 2011 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Hinzu kommt, dass das Lied ganz in der Nähe entstand.

Am Heiligen Abend des Jahres 1818 soll es in Oberndorf bei Salzburg erstmals in einem Gottesdienst gesungen worden sein. Den Text soll Joseph Mohr als Gedicht verfasst haben. Mohr arbeitete als Hilfspriester in Oberndorf und bat den dortigen Organisten Franz Xaver Gruber, sein Gedicht zu vertonen. „Stille Nacht“ wurde im Laufe der Jahre in unzählige Sprachen übersetzt. Von den ursprünglich sechs Strophen werden heute in den Gottesdiensten meist nur noch die erste, zweite und letzte gesungen.

Zu den weiteren Klassikern gehören „O Tannenbaum“, das auf ein Lied aus dem 16. Jahrhundert zurückgeht und dessen Melodie ebenfalls in viele andere Ländern adaptiert wurde. Auch „O du fröhliche“, „Alle Jahre wieder“ und „Leise rieselt der Schnee“ zählen zu den Klassikern der deutschen Weihnachtstradition.

Weihnachtslieder rauf
und runter

Rita Stettner, die als freie Mitarbeiterin des OVB seit Jahren über Ampfing und Umgebung schreibt, betreut hauptberuflich in der Stiftung Ecksberg Menschen mit Behinderungen. Sie sieht sich mit Blick auf die Weihnachtslieder eher auf der textsicheren Seite: „Zur Zeit werden bei uns in der Stiftung Ecksberg alle Weihnachtslieder, die man so kennt, rauf und runter gespielt. Anders als beim Text bin ich mit der Melodie nicht immer eins. Aber die Bewohner freut es und ich sage dann immer, die im Radio oder auf CD singen falsch, nicht ich. Das sorgt dann immer für Lacher.“

Hans Rath, der ebenfalls regelmäßig für den Mühldorfer Anzeiger unterwegs ist, kann bei „Stille Nacht“ locker die ersten drei Strophen mitsingen. „Bei den anderen Weihnachtsliedern, die ich natürlich kenne, reicht es nur zur ersten Strophe. Der Rest ist dann eher in Richtung „la la la“, räumt er ein.

Gesungen wird in seiner Familie an Weihnachten nicht mehr. Die Kinder sind erwachsen und aus dem Haus: „Als unsere Kinder noch klein waren, besuchten beide die Klavierstunde und so war es dann am Heiligen Abend immer der Höhepunkt, wenn unser Sohn oder später auch unsere Tochter „Stille Nacht“ spielten und wir mitsangen. Aber irgendwie ist diese Tradition nach ein paar Jahren wieder eingeschlafen“, erinnert er sich. Warum das so gekommen ist, kann er nicht erklären: „Vielleicht liegt es daran, dass ich ehrlich gesagt nicht so gerne singe.“

In der Familie von Nicole Sutherland, die für die OVB-Redaktion regelmäßig über Schwindegg und Umgebung berichtet, gehören Weihnachtslieder zur Tradition.

Probesingen beim
Abendessen

Auf die Frage, wie textsicher sie bei deutschen Weihnachtsliedern ist, hat die Familie beim Abendessen gleich mal die oben genannten fünf bekannten Weihnachtslieder durchgesungen. „Es ging recht schnell, denn wir, mein Mann Phil, Sohn Carlos und ich, sind bei jedem Lied bis zur ersten Strophe gekommen. An Weihnachten wird bei uns dieses Jahr sehr viel gesungen. Wir schenken uns dieses Jahr nichts und singen stattdessen, lesen Geschichten vor, sagen Gedichte auf und spielen was“, so Nicole Sutherland.

Ganz anders geht es Thomas Esser beim Thema gemeinschaftliches Weihnachtssingen. Esser, der für die OVB-Heimatzeitungen aus Buchbach und Umgebung berichtet, gesteht: „Ich bin nicht textsicher, dabei wird an Heiligabend in meiner Familie immer gesungen. Damit es nicht auffällt, dass ich nicht mitsinge, futtere ich vorsichtshalber die ganze Zeit Plätzchen. Mit vollem Mund darf man nämlich nicht sprechen und erst recht nicht singen. Problem gelöst!“

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