Mit Babensham, Eiselfing, Griesstätt und Schnaitsee feierten im vergangenen Jahr gleich fünf Gemeinden im Wasserburger Altlandkreis neben Unterreit das 1100-jährige Bestehen. Diese Jahreszahl geht auf ein Salzburger Urkundenbuch zurück. Diese Ortschaften bestehen durchaus länger, dem Jubiläum liegt allerdings die Tauschurkunde aus dem Jahr 924 zugrunde. Im Rahmen des Jubiläums befassten sich die Gemeinden mit ihrer Geschichte. In Unterreit war eine eindrucksvolle Ausstellung das Ergebnis.
Geht es nach Bürgermeister Christian Seidl, bleibt diese Ausstellung erhalten. In welcher Form ist noch nicht sicher.
Die Ausstellung zeigt unter anderem, dass bedingt durch die Erderwärmung der aus dem Schmelzwasser der Gletscher genährte Inn vor rund 18000 Jahren diese Landschaft geprägt hat. Dem voraus ging die Würm-Eiszeit vor 20000 Jahren, daraus sind hier die auffälligen Endmoränenhügel von Wang und Oberreith entstanden.
Grabhügel im Umland
Unterreits
Grabhügel weisen auf Menschen hin, sie sind rund um Unterreit, genauer bei Wang, bei Wimm und Schatzöd zu finden. Erste Spuren der Besiedlung zeigen auf die Hallstattzeit, die auch als Ältere Eisenzeit von 800 bis 450 vor Christus bekannt ist. Ein Römerweg könnte der südlich von Oberreith gelegene Hohlweg sein, eine Römersiedlung könnte bei Furth gewesen sein, doch erforscht ist das nicht. In der Urkunde sind Wang mit Uuangon und Unterreit mit Riute bezeichnet.
Einen Schatz an Bildern und Schriftstücken beherbergt heute Leonhard Mittermaier aus Wang. Er hat alles akribisch beschriftet, und seine Sammlung von Sterbebildern ist beeindruckend.
Früher war Kirchreith, das heutige Unterreit, das Zentrum und auch der größere Ortsteil von Elsbeth. Hier gab es eine Wirtstaferne, die man auch so geschrieben hat, und eine Poststelle. Die Gebietsreform 1971 vereinigte letztlich Elsbeth, Grünthal und Wang zur Gemeinde Unterreit. Im Gemeindewappen findet sich auch der Bezug zu diesen Ortschaften wieder. Seit 1978 gibt es eine Verwaltungsgemeinschaft mit Gars.
Das Schulwesen in Bayern war zuerst Angelegenheit der Kirchen, dabei spielte naturgemäß das Fach Religion eine große Rolle. In Wang ist dafür das erste Schul- und Mesnerhaus bereits 1672 neben dem Friedhof gebaut worden. Die Einweihung eines neuen Schulhauses war 1878, und der Anbau auf vier Klassenzimmer geschah im Jahr 1963. Im Jahr 2007 folgte der Abriss des Gebäudes. Heute steht hier das neue Feuerwehrhaus mit Dorfsaal. Die Kinder besuchen vor allem die Garser Schulen.
In Grünthal gab es bereits 1783 einen Lehrer, 1860 entstand die erste staatliche Schule. Hier sind bis 1968 Kinder von der ersten bis zur achten Klasse unterrichtet worden, danach fuhren die Kinder in umliegende Gemeinden.
Die Gemeinde Unterreit verfügt über die drei Feuerwehren Wang, Grünthal und Elsbeth. Die Gründung in Wang geschah 1873. 1877 entstand die Feuerwehr Elsbeth. Deren Gerätehaus steht im Ort Unterreit neben dem Rathaus. Hier ist auch ein Tanklöschfahrzeug mit Baujahr 1961 stationiert, das immer noch im Dienst ist.
Die Grünthaler Feuerwehr geht ins Jahr 1875 zurück. In Eck war das erste Feuerwehrhaus, 1965 gab es ein Neues am nördlichen Ortseingang, und 1987 zogen die Geräte nach Ullading um.
Bruderschaften der Kirche gelten als Vorläufer der weltlichen Vereine. So war der „Liebesbund der heiligen Elisabeth“ der erste Burschenverein und die Theatergruppe um 1960. In Grünthal geht der Gartenbauverein auf das Jahr 1918 zurück, der Mütterverein auf eine Zeit vor 1900 und der FC Grünthal, der heutige gemeindliche Sportverein, ist 1966 ins Leben gerufen worden. Vor dem Jahr 1940 schlossen sich die Schützen Elsbeth zusammen, der damalige Gesellschaftsverein Jung-Reith im Jahr 1947.
Eine umfangreiche Geschichte in der Gemeinde haben die Kirchen. Bei der Pfarrkirche St. Andreas in Grünthal trat Graf von Toerring als großzügiger Förderer auf. In Unterzarnham gibt es die Filialkirche St. Viktor und Corona, die Kirche in Wang ist dem heiligen Georg gewidmet. Der 1715 gebaute Pfarrhof von Wang war etwas weiter weg gelegen, er ging später im Kloster St. Theresia auf. Seit 1973 sind hier die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser.
Die Kirche in Unterreit ist dem heiligen Ägidius geweiht worden, die in Elsbeth der heiligen Elisabeth. In Unterbierwang fiel die Kirche St. Coloman der Säkularisation zum Opfer.
kg