Bernhard Hainz (FW), seit 2008 Erster Bürgermeister und 2020 erneut bei der Kommunalwahl im Amt bestätigt, lenkt zusammen mit zwölf Gemeinderäten aus den beiden Fraktionen FWG und Bürgerliste die Geschicke der Gemeinde. Im Gespräch gibt er einen Überblick über die wichtigsten Themen, die den Ort am Chiemsee im vergangenen Jahr bewegt haben – und in 2025 begleiten werden.
Ein wichtiges Thema ist etwa der Bereich „Wohnen“: Seit über 20 Jahren hat die Gemeinde kein Einheimischen-Gebiet mehr ausgewiesen, nunmehr allerdings kommen weitere Flächen auf den Markt. Am Maierholz sollen auf insgesamt 5500 Quadratmetern 13 Parzellen geschaffen werden. Derzeit laufen die Planungen für das Einheimischenmodell. Das neue Wohnbauland gehört der Gemeinde, die Grundstücke sind also nicht frei verkäuflich. Die Vergabe soll in 2025 erfolgen. Was die Wasserversorgung betrifft, sind noch einige Nachbesserungen bezüglich der wasserrechtlichen Genehmigung erforderlich. Und am Dorfplatz in der Breitbrunner Straße soll ein großes Grundstück umgeplant werden. Neben Gewerberäumen für die Nahversorgung im Erdgeschoss sollen unter Berücksichtigung der denkmalschutzrechtlichen Belange auch zehn Wohneinheiten – zwei kleinere und acht größere – im Obergeschoss geschaffen werden. Der Gstadter Gemeinderat hatte im Oktober 2022 einen Grundsatzbeschluss für die Überplanung des Grundstücks gefasst, jetzt laufen schon die ersten Planungen an.
Dörflichen Charakter
erhalten
Betreutes Wohnen in einem eigenen Haus kann Gstadt nicht anbieten. „Nicht dass wir das nicht wollen. Aber wir haben das große Glück, dass viele Familien Häuser haben, die groß genug sind, um dort mehrere Generationen unterzubringen,“ betont Bürgermeister Hainz. Das Modell Mehrgenerationenhaus werde in vielen Fällen eh schon praktiziert. Das mag Kostengründe haben, bedeutet vielleicht auch einen geringeren Aufwand, aber wird langfristig sicher das einzig Leistbare sein. Viele landwirtschaftliche Gebäude stehen leer. Dort Wohnraum zu schaffen, also zwei eigene und bis zu fünf weitere, kann sich der Gstadter Bürgermeister gut vorstellen. Damit werden keine weiteren Flächen versiegelt und Gebäude werden erhalten. Und: „Somit können wir den dörflichen Charakter von Gstadt beibehalten. Wir wollen Gstadt nicht städtisch machen.“
Werbegemeinschaft
für Tourismus
Das meiste Gemeindegebiet liegt im Landschaftsschutzgebiet, sodass Gstadt kein echtes Gewerbegebiet ausweisen kann. Im Gegenzug bedeutet das aber eine einmalige Lage, und damit auch eine gute Einnahmequelle: „Wir leben vom Tourismus“, so Bürgermeister Hainz. Die Zahlen sprechen für sich. Auch wenn der Schalchen-Hof seit letztem Sommer keinen Hotelbetrieb mehr anbietet, könne man im Großen und Ganzen zufrieden sein, sagt Bürgermeister Hainz. Aktuell gibt es 62 Vermieter. Seit dem Sommer 2024 ist die Gemeinde Gstadt am Chiemsee auch Teil der Werbegemeinschaft „6 am Chiemsee.“ In dem Verbund arbeiten die Gemeinden Chieming, Grabenstätt, Grassau-Rottau, Seebruck, Seeon und Übersee zusammen, um sich und gemeinsam den Chiemsee als Urlaubsdestination zu vermarkten.
Schon seit einigen Jahren sei man im Gespräch mit einem Hotelier, der ein neues Hotel beziehungsweise einen Anbau an den bestehenden Hotel-Komplex „Chiemsee-Panorama“ plant. Ein erster konkreter Antrag erging im Herbst 2022 und lautete auf Ausbau zu einem zweigeschossigen Hotel samt Tiefgarage und 100 Betten. Mit Augenmaß soll der Tourismus ausgebaut werden, betont Bürgermeister Hainz. Die Gemeinde habe mit einem vorhabensbezogenen Bebauungsplan die Planungshoheit. Der allerdings noch läuft.
Abwasser als
Belastungsprobe
Eine Belastungsprobe sieht die Gemeinde bei der Abwasserbeseitigung. Künftig müssen die Gstadter Bürger mehr für ihr Wasser bezahlen, so hat es der Gemeinderat in seiner letzten Dezember-Sitzung beschlossen. Ein Kubikliter Wasser kostet ab dem 1. Januar 2025 1,41 Euro, in den vergangenen vier Jahren waren es 23 Cent je Kubikmeter weniger. Die Einleitungsgebühr wird sich um 28 Prozent von 2,12 Euro je Kubikmeter auf 2,71 Euro erhöhen. Ebenfalls steigen wird die Grundgebühr: Bei einem Dauerdurchfluss von 4 m3/h sind es statt 110 Euro künftig 132 Euro pro Jahr. Bei einem Verbrauch über 16 m3/h steigt die Grundgebühr von 414 Euro auf 497 Euro.
Der Hochbehälter von Rimsting, der auch für Gstadt mitsorgt, muss saniert werden. Auch hier gilt: Die Maßnahme kann erst dann Wirkung zeigen, wenn abgerechnet werde. Die Betriebskosten des Ringkanals über den Abwasser- und Umweltverband AUV mit Sitz in Stiedering bei Rimsting verursachen knapp die Hälfte der Einleitungsgebühren. Die AUV-Betriebskosten sind in den vergangenen Jahren etwa bei den Stromkosten für die Belebung des Abwasserklärbeckens stark gestiegen. Auch ist die Einrichtung an sich in die Jahre gekommen, sodass auch hier viele Neuerungen nötig sind. Aber dennoch gebe es Gutes zu vermelden, so Hainz: Die Gemeinde Gstadt unterhält eine eigene Infrastruktur, in die man jährlich investiere.
Standbein der Gemeinde. ist und bleibt aber der Tourismus. Mit Augenmaß soll er ausgebaut werden. Prioritäten setzen Rathauschef Hainz und der Gemeinderat für die Planung des Baugebiets am Maierholz und für die Gstadter Ortsmitte. Und auch die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Gollenshausen will man weiter voranbringen, den dörflichen Charakter aber erhalten. elk